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Unter den Unterzeichnern ist auch Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty © APA (AFP)
Unter den Unterzeichnern ist auch Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty © APA (AFP)

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Migration - Intellektuelle fordern "Paradigmenwechsel"

02.07.2018

Während in der Europäischen Union derzeit mitunter sehr polemisch über die Einwanderungspolitik diskutiert wird, haben rund 500 führende Intellektuelle in einem offenen Brief für eine nüchternere und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Debatte geworben.

"Wir fordern einen radikalen Paradigmenwechsel im Umgang mit Migration und Asyl, basierend auf einem rationalen, wissenschaftlich fundierten und humanistischen Ansatz", heißt es in dem Brief, den die britische Zeitung "The Guardian" veröffentlichte.

"Einheitsgrößen und Ideologie-basierte Politik funktionieren nicht", warnten die Akademiker zahlreicher europäischer Forschungseinrichtungen. Die derzeitige Einwanderungspolitik der reichen Länder in der Welt würde "weder Menschen davon abhalten, ihr Land zu verlassen, noch die bestimmenden Faktoren der Migration langfristig beeinflussen". Zu den Unterzeichnern zählen unter anderem der Leiter des Max-Planck-Instituts zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen, Steven Vertovec, sowie der französische Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty.

Die Intellektuellen sprachen sich für eine "Krisensitzung" von Experten aus, um die Politiker zu Einwanderungsfragen zu informieren. Zudem sprachen sie sich für die Schaffung eines internationalen Ausschusses zu Einwanderungsfragen aus.

Schneller Zugang zu Wohnungen, Bildung und Arbeitsmarkt

Die Autoren des offenen Briefes hoben außerdem hervor, dass die südliche Halbkugel viel mehr mit Migranten und Flüchtlingen zu tun habe. Die gegenwärtig 246 Millionen Migranten weltweit machten gerade einmal 3,4 Prozent der Weltbevölkerung aus - und ihre Zahl sei deutlich niedriger als im 19. Jahrhundert. Die Intellektuellen forderten die Aufnahmeländer auf, den Migranten schnell Zugang zu Wohnungen, Bildung und zum Arbeitsmarkt zu verschaffen, um ihre Integration zu erleichtern.

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten kürzlich bei ihrem Gipfel in Brüssel eine Reihe von Beschlüssen zu einer Verschärfung der Migrationspolitik gefasst. Sie einigten sich unter anderem auf Aufnahmeeinrichtungen außerhalb der EU und "freiwillige" Flüchtlingszentren innerhalb der Gemeinschaft.

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