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Mit der Bim ins Cafe: Technisches Museum erinnert an Pressburger Bahn

11.04.2018

Langsam werden sie weniger, die Geschichten von den Omas und Großtanten, die einst mit der Straßenbahn "auf einen Cafe" zum Demel gefahren sind - aus Pressburg nämlich, der einst via Pressburger Bahn rund zweieinviertel Stunden entfernten Hauptstadt der heutigen Slowakei. Eine Ausstellung im Technischen Museum Wien erinnert ab 12. April an die 1914-1942 betriebene Bahnstrecke.

"Die Bahn ist ein Mythos, der uns verbindet", betonte Helfried Carl, österreichischer Botschafter in der Slowakei und Initiator der Ausstellung, bei einem Pressetermin am Mittwoch. "Denn diese Geschichten erzählt man sich in Wien wie in Bratislava." Solange man sie noch erzählt - für die nachfolgende Generation schien das nur 55 Kilometer Luftlinie entfernte Pressburg hinter dem Eisernen Vorhang unerreichbar weit. Die heutige Bahnverbindung - derzeit eine Stunde Fahrzeit, bald nur noch 40 Minuten - hat eine andere Streckenführung als die damalige Pressburger Bahn, von der nun ein originaler Waggon aus dem Eisenbahnmuseum Schwechat ins Technische Museum übersiedelt ist.

Gepaart wurde die Sonderschau "Stadtverbindungen" zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 mit einer kleinen Präsentation zu Otto Wagners Wiener Stadtbahn. Diese wurde vor 120 Jahren eröffnet und stellt mit ihren 42 Viadukten, 78 Brücken und 34 Stationen eine gewaltige städtebauliche Leistung der Stadt dar. Den hauseigenen "Stadtbahnwagen dritte Klasse", der die Dauerausstellung des Technischen Museums schmückt, dürfen Besucher aus Denkmalschutzgründen nicht betreten. "Deshalb ist es umso schöner, dass wir das mit der Pressburger Bahn diesmal anbieten können", freute sich Direktorin Gabriele Zuna-Kratky.

Fotos und Entwürfe

In der Schau wird die Entstehung der Stadtbahn vor allem durch Fotos und Entwürfe gewürdigt, großformatige Fotografien von Stationen und Streckenabschnitten säumen auch die "Reise" nach Pressburg, von der sich die Initiatoren wünschen, dass Österreicher sie auch abseits des Museums öfter antreten. "Der einzige Wermutstropfen in den österreichisch-slowakischen Beziehungen ist, dass die meisten Österreicher die Slowakei sehr wenig kennen", so Botschafter Carl. Gerade im Gedenkjahr 2018 solle man deshalb die gemeinsame Geschichte neu entdecken und die symbolträchtige Geschichte der Pressburger Bahn "als schönes Vehikel" dafür nutzen.

Beide Länder teilen nämlich nicht zuletzt "die schicksalsträchtige Acht" bei den wichtigen Gedenkjahren: Neben 1918 und 1938 gibt es davon in der Slowakei sogar noch mehr Anlässe. 1948 fand die Machtübernahme der Kommunisten statt, 1968 verband beide Länder die Flüchtlingswelle nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, 1988 fand die erste Kerzendemonstration von katholischen Dissidenten statt. Die eifrige Pressburger "Elektrische" war da bereits ein Fall für das Museum.

Service: "Stadtverbindungen. Wien - Bratislava", ab 12. April. Technisches Museum Wien, www.tmw.at

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