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Biografien bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen © Böhlau
Biografien bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen © Böhlau

APA

Neues Lexikon bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen

11.06.2018

Die bedeutende Rolle der Frauen in der heimischen Wissenschaftsgeschichte wurde 2002 erstmals in dem Lexikon "Wissenschafterinnen in und aus Österreich" dokumentiert. Lag der Fokus damals auf der ersten Forscherinnen-Generation an den Unis, konzentriert sich nun die neue Dokumentation "Biografien bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen" (Böhlau Verlag) auf das Wirken von Frauen nach 1945.

In dem 2002 erschienenen Vorgängerband wurden rund 350 Forscherinnen-Porträts erfasst - die ersten Frauen, die sich in Österreich habilitieren konnten, die ersten Dozentinnen und Professorinnen. Für die Herausgeberinnen, die beiden Wiener Wissenschaftshistorikerinnen Brigitta Keintzel und Ilse Korotin, war es "nicht nur die Geschichte einiger weniger", sondern vielmehr eine breite Emanzipationsbewegung, weshalb sie damals eine "grundlegende Revidierung der bisherigen Sichtweise auf die österreichische Wissenschaftsgeschichte" forderten.

Korotin zeichnet auch für die Herausgabe des neuen Lexikons verantwortlich, gemeinsam mit Nastasja Stupnicki. Sie konzentrierten sich mit den rund 300 neuen Biografien vorwiegend auf das frauenspezifische Wirken von Wissenschafterinnen nach 1945 (Geburtsjahre 1930-1950), ergänzten aber auch frühere Jahrgänge. "Es gab nach Erscheinen des ersten Bandes von verschiedener Seite Hinweise auf Wissenschafterinnen, die auch in so ein Lexikon hineingehören. Die haben wir in die 'biografiA.datenbank und lexikon österreichischer frauen' und nun in den neuen Band aufgenommen", sagte Korotin gegenüber der APA.

In der neuen Dokumentation finden sich Biografien zahlreicher prominenter Wissenschafterinnen. Dazu zählen etwa die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, die ehemalige Nationalbankpräsidentin Maria Schaumayer, die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, die ehemalige Gesundheitsministerin Ingrid Leodolter, die Psychologin Brigitte Rollett, die Sprachwissenschafterin Ruth Wodak, etc. Durch den zeitlichen Schwerpunkt enthält der Band auch eine ganze Reihe jener Generation von Frauen, "die die Frauenforschung an der Universität begründet haben, so wie Herta Nagl oder Ingvild Birkhan im Bereich der Philosophie, Eva Kreisky in der Politikwissenschaft oder Edith Saurer in den historischen Wissenschaften", so Korotin.

Auch Exilbereich erarbeitet

Ein Anliegen war den Herausgeberinnen auch, den Exilbereich zu erarbeiten. "Es sind einige sehr schöne Biografien enthalten, die erst durch das Gedenkbuch der von der Universität Wien vertriebenen Studentinnen und Studenten zustande gekommen sind", sagte Korotin. Ein Beispiel ist die Archäologin und Ethnologin Margarete Mostny. Geboren 1914 in Linz, studierte sie Ägyptologie, Afrikanistik und Prähistorie an der Uni Wien. Als Jüdin musste sie aber nach dem "Anschluss" trotz bereits approbierter Dissertation die Uni Wien ohne Abschluss verlassen. Über mehrere Stationen emigrierte sie nach Chile, wo sie eine bemerkenswerte Karriere als Wissenschafterin machte und u.a. von 1964 bis 1982 Direktorin des Chilenischen Nationalmuseums für Naturkunde war.

Die Herausgeberinnen hoffen, dass das Lexikon als Anregung für weitere Forschungen zu Leben und Werk einzelner Wissenschafterinnen anregt, wie sie im Vorwort schreiben. "Ich nenne mit Charlotte Bühler nur eine", sagte Korotin. Die Entwicklungspsychologin (1893-1974), die ab 1923 an der Uni Wien lehrte, sei auch in der Lehrerfortbildung tätig gewesen und habe so sehr viele Lehrerinnen zum Studieren motiviert. Außerdem sei sie eine unglaublich umtriebige Wissenschaftsorganisatorin gewesen, die auch Gelder für ihre Forschung aufgestellt hat. "Aber es gibt noch keine umfassende Biografie über sie", so Korotin.

Service: Ilse Korotin, Nastasja Stupnicki (Hg.): "Biografien bedeutender österreichischer Wissenschafterinnen", Böhlau Verlag, 960 S., 92,50 Euro, ISBN: 978-3-205-20238-7

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