Kultur & Gesellschaft

Kooperationsmeldung

"Portisch fragt nach": Schau zeigt Vielfalt der Perspektiven auf 1938

06.09.2018

Die Mitläuferin, der SS-Mann, der Widerstandskämpfer, der illegale Nationalsozialist, die ins KZ deportierte Romni - es ist ein Kaleidoskop der Stimmen, das in der Mini-Ausstellung "Hugo Portisch fragt nach. Das Jahr 1938 in Interviews" bis zum 5. Oktober in der Fachbereichsbibliothek des Zeitgeschichteinstituts der Universität Wien am Uni-Campus im Alten AKH zu sehen ist.

An die 100 Interviews von Journalismuslegende Portisch und seinem Team hat Kuratorin Klaudija Sabo für die Schau gesichtet, an den drei Audio-Stationen wird nun ein Schlaglicht auf zwölf ganz unterschiedliche Biografien geworfen. Ziel der Schau sei es gewesen, so Sabo zur APA, Menschen aus unterschiedlichen Schichten und verschiedenster Herkunft zu zeigen, die das Jahr 1938 auf ganz verschiedene Art erlebt haben.

Da ist etwa die Kärntner Bäuerin Justine Bacher, die schildert, wie sie mit ihren drei Kindern am Bahnhof Adolf Hitler zugejubelt hat. Dass sie daraufhin als "braune Pest" verschrien war, empfindet sie offenkundig als ungerecht. "Gewusst haben wir nicht, wer da kommt. Aber es war einmal was anderes." Überhaupt sei der Grund für Hitlers Erfolg nicht dessen Politik, sondern die damals hohe Arbeitslosigkeit gewesen. Es sei den Menschen vor allem "um Arbeit und Brot" gegangen.

Auch SS-"Obersturmführer" kommt zu Wort

Neben Bacher kommen bei den drei Stationen von den Nazis Verfolgte - etwa die Schriftstellerin und Künstlerin Ceija Stojka oder Heinz Mayer, Mitglied der Widerstandsgruppe "Freiheit Österreich" - ebenso zu Wort wie der spätere SS-"Obersturmführer" Walther Gross, der seine Kindheitserinnerungen an den "überwältigenden" Jubel rund um den "Anschluss" an Nazi-Deutschland, aber auch an die Gegendemonstrationen schildert.

Zu sehen sind Gesprächsausschnitte von drei bis zehn Minuten, erweitert um Tafeln mit kurzen biografischen Angaben. Entstanden ist die Ausstellung als Kooperation der Uni Wien mit dem ORF und dem Zukunftsfonds Österreich.

Service: Ausstellung "Hugo Portisch fragt nach. Das Jahr 1938 in Interviews", Fachbereichsbibliothek Zeitgeschichte der Universität Wien, 9., Spitalgasse 2, Hof 1.12

Weitere Meldungen Kultur & Gesellschaft
APA
Partnermeldung