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Pessler: "Kulturgeschichtliches Gut für zeitgenössischen Diskurs aktivieren" © APA (Techt)
Pessler: "Kulturgeschichtliches Gut für zeitgenössischen Diskurs aktivieren" © APA (Techt)

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"Schuldigkeit gegenüber Freud": Museum wird ausgebaut

20.04.2017

Wien begleicht eine alte Schuld und investiert zugleich in einen Touristenmagneten: Das Sigmund Freud Museum in der Berggasse 19 wird bis 2020 saniert und erweitert. "Das ist unsere Schuldigkeit gegenüber Sigmund Freud", betonte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), dessen Ressort sich mit 1,69 Millionen Euro an dem vier Millionen schweren Projekt beteiligt.

Die Besucherfläche wird auf mehr als 400 Quadratmeter ausgebaut, die Fassade in den Originalzustand restauriert, im Erdgeschoss hält ein Cafe Einzug, es werden Garderoben- und Sanitärräume eingerichtet und die Ordination im Hochparterre - bisher nicht zugänglich für die Öffentlichkeit - wird zum Dauerschauplatz für die hochkarätige zeitgenössische und Konzeptkunst-Sammlung der Freud Privatstiftung. "Es geht auch darum, ein großes kulturgeschichtliches Gut zur aktivieren für den zeitgenössischen Diskurs", verwies Museumsdirektorin Monika Pessler auf die kulturtheoretische Bedeutung Freuds.

Privatstiftung stemmt 1,4 Millionen Euro der Kosten

Das Gebäude wird mit diesen Maßen erstmals so umfassend wie möglich nutzbar und zugänglich gemacht, auch der Innenhof soll im Stil der Wiener Innenhöfe des 19. Jahrhunderts eingerichtet werden. Für diesen ersten Bauschritt steuert auch das Bundeskanzleramt 844.000 Euro bei, die zweite Hälfte an Bundesmitteln in etwa derselben Höhe soll in einem zweiten Schritt vom Wissenschaftsministerium in den Ausbau der Bibliothek fließen. 1,4 Millionen Euro bringt die Privatstiftung selbst auf.

"Uns war von Anfang an klar, dass wir uns da beteiligen werden", unterstrich Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), und auch Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner werde "sehr dahinter sein", die weiteren Mittel freigeben zu können. Bei der Berggasse 19 handle es sich immerhin um "eine der prominentesten Adressen Wiens". Das Verhältnis der Stadt zu Freud war allerdings "nobel ausgedrückt: ambivalent", wie Mailath-Pokorny betonte. Schon vor der Vertreibung in der NS-Zeit hatte es Freud schwer, sich mit seinen revolutionären Ideen in der etablierten Universitäts- und Wissenschaftslandschaft durchzusetzen.

Heute allerdings sei das Haus in der Berggasse untrennbar mit dem "Siegeszug der Psychoanalyse" und mit Freuds kulturtheoretischen Beiträgen, "die das Denken des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus weltweit geprägt haben" verbunden, so Mailath. Für Touristen ist das Gründerzeithaus tatsächlich ein Magnet - geschätzt tausende davon müssen aber aus purem Platzmangel abgewiesen werden, wie der kaufmännische Leiter Peter Nömaier erklärte. Von der Erweiterung verspricht man sich daher auch höhere Einnahmen - weshalb man keine Erhöhung der Basissubvention benötigen wird.

Die finanziellen Ausfälle, die durch die zwölfmonatige Schließung während der Umbauzeit von Mitte 2019 bis Mitte 2020 entstehen, sowie die Mittel für den Betrieb eines Ersatzquartiers "in räumlicher Nähe" sind in der Kostenkalkulation bereits enthalten.

Service: www.freud-museum.at

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