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v.l.n.r.: Moderator Hornacek, Danzl, Gierlinger, Tockner, Valtiner © JustSmilePics
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Science Talk - Quo vadis, Forscher?

13.03.2018

Wohin gehst du, Forscher? Und warum kommst du wieder zurück? Viele Wissenschafter verlassen Österreich zugunsten internationaler Forschungsstandorte. Im Rahmen eines vom Wissenschaftsministerium (BMBWF) organisierten "Science Talk" mit dem Titel "Coming home for Science" diskutierten am 12. März vier zurückgekehrte Forscher die Vorzüge und Nachteile Österreichs als Forschungsland.

Repräsentativ für die knappen 25 Prozent weiblicher Forscher in Österreich war Notburga Gierlinger die einzige Frau unter den Männern am Podium. Nach Aufenthalten in Potsdam am Max-Planck Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung sowie an der ETH in Zürich ist sie seit 2014 am Institut für Biophysik an der Universität für Bodenkultur tätig. Dass es für Frauen woanders leichter ist, glaubt sie nicht. Frauen, so Gierlinger, hätten es mit der Mobilität oft schwerer, ließen für Kinder und Familie die Karriere zurückstecken. "Es sind im Endeffekt die Frauen, die meist auf der Strecke bleiben."

Chancen nutzen, wie sie kommen

Mobilität, da herrschte Einigkeit, ist ein wesentlicher Bestandteil eines Forscherlebens. "Karrieren kann man nicht planen", erklärte der Präsident des Wissenschaftsfonds (FWF), Klement Tockner. Im Laufe seiner Karriere hat es den Biologen unter anderem nach Uganda, Ruanda und New York verschlagen. "Man hat Opportunitäten, die man nutzen muss. Immer wieder steht man an einer Kreuzung, wo man sich entscheiden muss, ob man geradeaus, rechts oder links weitergeht."

"Man muss opportun sein", schlug Markus Valtiner von der Technischen Universität (TU) Wien in dieselbe Kerbe. Man müsse sich die besten Bedingungen suchen, ob im In- oder im Ausland. "Man kriegt manchmal eine gute Gelegenheit, und die ist vielleicht nicht in Österreich. Planungssicherheit gibt es nicht immer. Was in erster Linie stimmen muss, ist das Umfeld." Valtiner kehrte nach Aufenthalten in Düsseldorf und Kalifornien 2017 zurück an die TU Wien, wo er bereits 1999 Chemie studierte. "Mein Freundeskreis ist verteilt über die halbe Welt. Ich würde es immer wieder so machen."

"Eine ganz wesentliche Komponente ist die Interaktion, die man mit den Kollegen haben kann", präsentierte Johann Georg Danzl, Assistant Professor am Institute of Science and Technology (IST) Austria sein Kochrezept für einen guten Forschungsstandort. "Als Forscher sucht man ein stimulierendes Umfeld. Vor allem sucht man Kollegen, die einen fordern. Man will sich im positiven Sinne mit den Besten messen."

Vertrauen, Verantwortung und Vielfalt

"Vertrauen ist ein ganz wesentliche Währung in der Wissenschaft", fügte Tockner der Liste einen weiteren Punkt hinzu: flache Hierarchien, durch die man zu einem frühen Karrierezeitpunkt die volle Verantwortung übertragen bekomme. Und natürlich wird auch die monetäre Währung nicht außen vor gelassen. Oft fehlen die Mittel, das Forschungsförderungsbudget ist zu niedrig. "Wo es wirklich fehlt, ist das Budget für die Grundlagenförderung", so Valtiner. Er war davor an einem Christian-Doppler-Labor im Ausland tätig, weil im Inland die Expertise gefehlt habe.

Deswegen seien besonders Preise und Projekte wichtig, deren finanzielle Unterstützung es ermöglicht, "in Wien zu wirken wie im Ausland", fügte Gierlinger hinzu. Speziell die Vielfalt mache für sie die Attraktivität der Stadt aus. "Wien ist für den Start einer Forscherkarriere mit unzähligen Möglichkeiten bestückt." "Forschung kann man nicht beliebig planen und bündeln", stimmte Danzl zu. "Man braucht Vielfalt, man kann nicht alles zusammenfassen. Heterogenität ist wünschenswert."

Hervorgehoben wurde im Laufe des Abends immer wieder die Notwendigkeit der Grundlagenforschung. "Die Länder, die in der Forschung federführend sind, investieren viel in Grundlagenforschung", erklärte Tockner. Dabei werde besonders im Osten nachgezogen, in Polen etwa oder Tschechien, finanzielle Mittel dafür aufgestockt. "Da wird überall nachgezogen. Dieser Schritt muss auch in Österreich gesetzt werden." Dass in Österreich ausgebildete Forscher ins Ausland gehen und ihr Know-how anderen Ländern zur Verfügung stellen, sei aber per se nichts Schlechtes. "Diese Leute sind Botschafter, sie bauen Brücken", betonte Tockner.

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