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Klaus Schuch sieht großes Interesse an sozialer Innovation © David Plas
Klaus Schuch sieht großes Interesse an sozialer Innovation © David Plas

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Soziale Innovationen: ZSI feiert 25-Jahr-Jubiläum mit Konferenz

18.11.2015

Es war ein langer Weg, bis sich das Konzept der sozialen Innovation im offiziellen Sprachgebrauch profilieren konnte, wenn auch noch immer nicht jedem klar sein dürfte, worum es sich genau handelt. Das 1990 gegründete Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) feiert am Mittwoch im Rahmen einer Konferenz in Wien sein 25-Jahr-Jubiläum, wobei nationale und globale Forschungstrends im Mittelpunkt stehen.

"Um was es uns geht, ist der Stand der Forschung über soziale Innovation", erklärte Klaus Schuch, wissenschaftlicher Direktor des ZSI, im Gespräch mit der APA die Ziele der Konferenz. Das Interesse am Thema sei mit 430 angemeldeten Teilnehmern groß, was zum einen daran liege, dass soziale Innovation in den Wortschatz politisch Handelnder gerückt sei. "Zum anderen herrscht aber noch immer eine große Unsicherheit, was das tatsächlich ist", räumte Schuch eine immer wieder auftauchende Definitionsproblematik ein.

Das vom nach wie vor wissenschaftlich tätigen Soziologen Josef Hochgerner gegründete ZSI selbst versteht unter sozialer Innovation im Wesentlichen eine Erweiterung des etablierten Begriffs Innovation um die soziale Komponente, unter dem Paradigma: "Alle Innovationen sind sozial relevant." Was damit konkret gemeint ist, hängt aber auch vom soziokulturellen Kontext ab. Die angloamerikanische Schule verfolge etwa einen sehr normativen Ansatz mit einer klaren sozialen Zielsetzung und einem zählbaren sozialen Mehrwert. Ein klassisches Beispiel für diese Lesart sei die Obdachlosenzeitung "Augustin", die zugleich Geld einspielt, gegen Obdachlosigkeit kämpft und die soziale Rolle der Betroffenen vom reinen Bittsteller zum Verkäufer ändert.

"Social Impact" der Innovationen

"Der mitteleuropäische Ansatz ist ein bisschen verwaschener, aber auch der umfassendere", sagte Schuch. Die Idee sei stark an dem österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter orientiert und meine eine "Re-Konfiguration oder Erfindung sozialer Praktiken", die - durch Technologien unterstützt oder auch nicht - auch gesellschaftliche oder soziale Bedürfnisse anvisiert. "Aber wir haben das Normative nicht ganz so drin, weil wir glauben, dass jede soziale Innovation auch Negativeffekte haben kann", so Schuch unter Verweis auf die Biosprit-Thematik, die letztlich von einer ökologisch sinnvoll erscheinenden Idee zu einer Ressourcenproblematik wurde.

"Wir bereiten Entscheidungsgrundlagen für die Politik auf, die diese dann - wenn alles klappt - in Programme, Instrumente und Anreize umsetzt. Die konkrete soziale Innovation machen aber dann hoffentlich viele andere", beschreibt Schuch das Selbstverständnis des ZSI. "Ich sehe uns hauptsächlich als wissenschaftliche Intermediäre, die sich verschiedenste Projekte anschauen und den Benefit haben, manchmal auch kritisch sein zu dürfen", ergänzte Christian Voigt, Leiter des Bereichs "Technik & Wissen" am ZSI.

Der Stellenwert der außeruniversitären Forschung und generell der Sozialwissenschaften sei in Österreich stark verbesserungswürdig, finden die Experten. Mit der Erhebung eines "Social Impact" könne man etwa systematisch die Frage analysieren, wo eine soziale Wirkung erzielt wird, so Schuch: "Wo habe ich entweder über Regeln, Gesetzesänderungen oder soziale Praktiken einen Einfluss?"

"Social Business"

Aus Sicht der sozialen Innovation wird in Zukunft vor allem die Transformation des Wohlfahrtsstaates große Veränderungen bringen. Was einst der Staat an sozialen Leistungen bereitstellte, wird - Stichwort "Social Business" - zunehmend von privaten Institutionen organisiert. "Da kann sehr leicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Es werden sozusagen Quasimärkte entstehen, wo NGOs oder profitorientierte Unternehmen die klassischen Sozialmärkte übernehmen", glaubt Schuch an das Entstehen "neuer Sozialmärkte".

Das in die Bereiche "Arbeit & Chancengleichheit", "Forschungspolitik & Entwicklung" und "Technik & Wissen" gegliederte ZSI arbeitet jährlich im Schnitt in ca. 50 bis 70 nationalen und internationalen Projekten. Nach eigenen Angaben ist das ausschließlich projektfinanzierte Institut "die mit Abstand erfolgreichste sozialwissenschaftliche Einrichtung Österreichs" in den europäischen Forschungsrahmenprogrammen (FP 6, FP 7 und Horizon 2020) und erwirtschaftet mit 55 Mitarbeitern rund drei bis vier Millionen Euro Jahresumsatz.

Service: Nähere Informationen zur Konferenz "Social Innovation 2015: Pathways to Social Change - Research, policies and practices in European and global perspective": http://go.apa.at/Y0k5y2rC. Das ZSI im Internet: https://www.zsi.at

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