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Teilen oder nicht teilen?

15.06.2018

Wann sind Volksschulkinder bereit, kostbare Ressourcen mit anderen zu teilen und wann eben nicht? Dieser Frage gingen ForscherInnen der Universität Wien rund um Kognitionsbiologin Lisa Horn in einem kontrollierten Verhaltensexperiment nach. Die Motivation für das Teilverhalten der Kinder scheint dabei gruppendynamische und physiologische Hintergründe zu haben, während Freundschaft zwischen den Kindern keine große Rolle spielt. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports publiziert.

In einer mehrteiligen Studie beobachteten die ForscherInnen erst die Interaktionen der Kinder beim freien Spiel im Klassenverband und befragten die Kinder nach ihren besten Freunden. Zusätzlich wurde ein physiologischer Marker für vorgeburtliches Testosteron erhoben. HumanbiologInnen argumentieren, dass der Testosteron-Spiegel noch vor der Geburt bei beiden Geschlechtern zu einer "Maskulinisierung" führt, sowohl auf physiologischer Ebene, als auch was Verhaltensstrategien betrifft. Im kontrollierten Verhaltensexperiment hatte jedes Kind dann die Möglichkeit, sich mehrmals zwischen zwei verschiedenen Verteilungen von wertvollen Ressourcen - Glitzerstickern - zu entscheiden: Die Kinder konnten egoistisch wählen, wobei nur sie selbst einen Sticker erhielten, oder prosozial, wobei sie sich und dem Partnerkind je einen Sticker zukommen lassen konnten.

Als Gruppe gesehen wählten die Kinder öfter die prosoziale Variante, wenn ihnen wirklich ein anderes Kind gegenüberstand als in einer Kontrollsituation, wenn sie das Spiel alleine spielten. Tatsächlich gab es aber auch Unterschiede zwischen den Kindern. So teilten Kinder, die wenige InteraktionspartnerInnen und somit keinen besonders hohen Status in der Gruppe hatten, besonders oft mit den anderen, während Kinder mit viel vorgeburtlichem Testosteron besonders wenig teilten. Wenn man das Zurückhalten von Ressourcen als die konkurrenzbetonte, maskuline Strategie ansieht und das Teilen als die kooperative, feminine Strategie, sind diese Ergebnisse ein weiterer Hinweis auf den "Maskulinisierungseffekt" von vorgeburtlichem Testosteron. Ob Kinder das Spiel mit einem Freund spielten oder mit einem Partner, den beide nicht als Freund nominiert hatten, hatte überraschenderweise keinerlei Effekt auf das Teilverhalten.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Volksschulkinder bereits eine starke Tendenz haben, anderen Kindern etwas Gutes zu tun. Gleichzeitig wird ihr Verhalten aber auch von ihrer Stellung in der sozialen Gruppe beeinflusst", so Horn abschließend. Die ForscherInnen versuchen nun in weiteren Studien der Frage nachzugehen, ob die gleichen Effekte auch bei jüngeren Kindern zu beobachten sind.

Publikation in "Scientific Reports":

Horn L, Hungerländer NA, Windhager S, Bugnyar T, Massen JJM. 2018. "Social status and prenatal testosterone exposure assessed via second-to-fourth digit ratio affect 6-9-year-old children's prosocial choices" (SREP-17-48357)

doi 10.1038/s41598-018-27468-0

www.nature.com/articles/s41598-018-27468-0

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Department für Kognitionsbiologie
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M +43-699-1925-76 36
lisa.horn@univie.ac.at
  
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