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Psychologenehepaar Bühler waren an der Uni Wien tätig © APA (Hochmuth)
Psychologenehepaar Bühler waren an der Uni Wien tätig © APA (Hochmuth)

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Uni Wien erwirbt Exilnachlass von Karl und Charlotte Bühler

30.11.2017

Die Universitätsbibliothek der Universität Wien hat den Exilnachlass und die Exilbibliothek des Psychologenehepaars Karl und Charlotte Bühler erworben. Karl (1879-1963) und Charlotte (1893-1974) Bühler waren an der Uni Wien tätig, zählten zu den bedeutendsten Psychologen des 20. Jahrhunderts und wurden in der NS-Zeit aus Österreich vertrieben. Der Nachlass wird am 7. Dezember präsentiert.

Karl und Charlotte Bühler galten als "Aushängeschilder" der Universität Wien in den 1920er und 1930er Jahre und waren für den Weltruhm Wiens in der Psychologie mit verantwortlich. Aufgrund der jüdischen Herkunft Charlotte Bühlers wurde das Paar von den Nationalsozialisten aus Österreich vertrieben und emigrierte über Norwegen und Großbritannien in die USA.

Raub durch Nationalsozialisten

"Sie konnten nur wenige ihrer wissenschaftlichen Materialien ins Exil bringen. Der Großteil wurde von Nationalsozialisten geraubt", so Markus Stumpf, Leiter der NS-Provenienzforschung der Universitätsbibliothek der Uni Wien, in einer Aussendung. In den USA hätten beide wieder gesammelt und ihre Bestände aufgebaut, sagte Friedrich Stadler, Vorstand des Instituts Wiener Kreis und Leiter des Forums Zeitgeschichte der Universität Wien, zur APA. Später hätten die Bühlers auch Material zurück erhalten, das in der Nachkriegszeit gefunden und identifiziert wurde.

Über seine Kontakte zu den Kindern des Ehepaars Bühler ist laut Stadler der deutsche Semiotiker Achim Eschbach von der Universität Essen, der sich intensiv mit dem Werk der Bühlers auseinandergesetzt hat, in den Besitz des Nachlasses gekommen. Von ihm hat die Wiener Uni-Bibliothek diesen nun erworben.

Zudem hat das von Stadler geleitete Institut Wiener Kreis auch eine Sammlung von Sonderdrucken der Bühlers sowie Bücher, Korrespondenz, Manuskripte und persönliches Material wie Fotos bekommen, die über einen ungarischen Assistent von Bühler nach Budapest gelangten und dort deponiert waren. "Insgesamt umfasst der Nachlass rund 60 Kartons, die erst grob aufgearbeitet sind. Nun geht es darum, dass wir diesen Bestand genau sichten und für die Forschung aufbereiten", sagte Stadler.

Geraubte Bücher gefunden

Wie Stumpf gegenüber der APA erklärte, wurde zudem im Zuge der Provenienzforschung ein Bestand von in der NS-Zeit geraubten Büchern der Bühlers gefunden. Dieser werde nun an die Erben restituiert, wobei man sich auch um einen Ankauf bemühe.

Die Leiterin des Bibliotheks- und Archivwesens der Universität Wien, Maria Seissl, bezeichnet die Möglichkeit, den Exilnachlass zu erwerben, als "einen wissenschaftshistorischen Glücksfall". Für Stadler ist es "eine symbolische Würdigung und Rückkehr, das Unrecht, das den beiden widerfahren ist, kann man ohnedies nicht gut machen".

Der Nachlass wird anlässlich der Buchpräsentation "Karl Bühlers Krise der Psychologie" am 7. Dezember im Archiv der Universität Wien vorgestellt. Die Themen der Beiträge in dem von Janette Friedrich herausgegebenen und dem Institut Wiener Kreis veröffentlichten Sammelband reichen vom Neubeginn der Wiener Philosophie mit der Besetzung der drei Lehrstühle im Jahre 1922 über die Forschungen zum Film unter Leitung von Karl Bühler in den 1930er Jahren bis hin zu neuen Erkenntnissen der NS-Provenienzforschung zur Bibliothek von Karl und Charlotte Bühler.

Service: Präsentation des Exilnachlasses und des Buchs "Karl Bühlers Krise der Psychologie", 7. Dezember, 17.00 Uhr, Archiv der Universität Wien, 1010 Wien, Postgasse 9, Programm: http://go.apa.at/5WdxaORc; "Karl Bühlers Krise der Psychologie", herausgegeben von Janette Friedrich, Springer Verlag, 204 S., 69,99 Euro

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