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Luftbild der Hofburg © Grüssl/BHÖ/BM.I-Flugpolizei
Luftbild der Hofburg © Grüssl/BHÖ/BM.I-Flugpolizei

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Von den Habsburgern bis zur Republik: 800-jährige Baugeschichte der Wiener Hofburg erforscht

28.09.2018

Mit dem Erscheinen des Bandes "Die Wiener Hofburg seit 1918. Von der Residenz zum Museumsquartier" im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wurde ein geisteswissenschaftliches Großprojekt erfolgreich abgeschlossen. Die Entwicklung des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes, von seinen Ursprüngen als mittelalterliche Kastellburg bis zur Umwandlung in ein modernes Zentrum des öffentlichen Lebens, ist damit so umfassend erforscht wie nur wenige andere Residenzen weltweit.

In einem der größten geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekte der Zweiten Republik widmeten sich seit 2005 rund 40 Wissenschaftler/innen unterschiedlichster Institutionen und Disziplinen unter der Federführung des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) der knapp 800-jährigen (bau-)historischen Vergangenheit der Wiener Hofburg.

Mit modernsten wissenschaftlichen Methoden förderten sie Neues zur mittelalterlichen Entstehung der Residenz als rechteckige Kastellburg mit vier Ecktürmen im 13. Jahrhundert ebenso zutage, wie zu längst vergessenen Nutzungsformen, kühnen Bauprojekten - wie dem nie zur Gänze verwirklichten "Kaiserforum" - und dynastisch-baupolitischen Ambitionen der Habsburger, die der Hofburg mit ihren heute 18 Trakten, 19 Höfen und 2.600 Räumen ihr Gesicht verliehen.

Die Erkenntnisse der Untersuchungen werden Wissenschaft und Öffentlichkeit seit 2012 in der im Verlag der ÖAW publizierten Reihe "Veröffentlichungen zur Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg" präsentiert. Historische Ansichten, Baupläne, Fotos und virtuelle 3D-Rekonstruktionen veranschaulichen in fünf Bänden auf insgesamt rund 3.000 Seiten die Entwicklung dieser Bauanlage, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert als Regierungssitz der Herzöge und Erzherzöge von Österreich, der römisch-deutschen Könige und Kaiser sowie der Kaiser von Österreich im Zentrum der europäischen Politik stand.

Brücke in die Gegenwart

Der nun im Verlag der ÖAW neu erschienene fünfte und letzte Band der Reihe, "Die Wiener Hofburg seit 1918. Von der Residenz zum Museumsquartier" herausgegeben von der Kunsthistorikerin Maria Welzig, schlägt die Brücke zur Gegenwart und zeigt, wie die Hofburg auch nach dem Ende ihrer Funktion als habsburgischer Herrschaftssitz mit ihren zahlreichen Gebäudeteilen, Plätzen und Parks weiterhin ein zentraler Schauplatz der politischen und kulturellen Entwicklungen Österreichs blieb.

Die Suche nach neuen und großteils nicht realisierten Funktionen für den unvollendeten Gebäudekomplex in der Ersten Republik, etwa als "Volkspalast", als "Vergnügungsetablissement" oder als Kunst- und Kulturzentrum wird ebenso analysiert wie die Versuche politischer Anknüpfungen an die Zeit der Habsburger durch den Austrofaschismus oder die Vereinnahmung der Hofburg und ihrer Geschichte durch das NS-Regime zur propagandistischen Machtdemonstration, die sich unter anderem mit der Rede Adolf Hitlers am 15. März 1938 vom Balkon der Neuen Burg im kollektiven Gedächtnis verankert hat.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges besann sich die Zweite Republik auf alte Traditionen, indem der Sitz des Bundespräsidenten im Leopoldinischen Trakt eingerichtet wurde, der seit dem 18. Jahrhundert auch als der "Regierende Trakt" bezeichnet wurde. Im Fokus der weiteren Betrachtungen des Bandes stehen kulturgeschichtliche Fragestellungen, wie "Die Hofburg als Schauplatz in Film und Literatur", "Die Hofburg als Sinnbild Österreichs?" oder "Die Hofburg im kulturgeschichtlichen Spiegel der Spanischen Hofreitschule". Beleuchtet wird zudem die Entwicklung des Hofburg-Areals zu einem der bedeutendsten Kulturbezirke des Landes mit der Schaffung des Museumsquartiers in den ehemaligen Hofstallungen.

Maßstab für die Residenzforschung

Die Publikation des letzten Bandes im Jahr des Republikjubiläums Österreichs markiert zugleich den Abschluss des an der ÖAW durchgeführten Großprojektes. Gefördert unter anderem durch zehn vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierte Einzelprojekte gelang es, das Wissen über die Hofburg so substanziell zu verbessern, dass das frühere habsburgische Herrschaftszentrum inzwischen als eine der besterforschten Residenzen weltweit gilt.

Ermöglicht wurde das nicht zuletzt dank der engen Zusammenarbeit mit zahlreichen österreichischen Forschungs- und Kultureinrichtungen, der starken Vernetzung in der internationalen Residenzforschung und interdisziplinärer Kooperationen, an denen sich Kunsthistoriker/innen und Bauarchäolog/innen ebenso beteiligten wie Historiker/innen, Theaterwissenschaftler/innen, Kulturwissenschaftler/innen und Digitalisierungsexperten. Ein Bild von den neusten Ergebnissen der Grundlagenforschung zur Hofburg und von der bewegten Geschichte dieses baulichen Denkmals können sich interessierte Leser/innen nun auch selbst machen.

Fünf Bände vom Mittelalter bis in die Gegenwart

• Die Wiener Hofburg im Mittelalter. Von der Kastellburg bis zu den Anfängen der Kaiserresidenz. Hg. von Mario Schwarz, Wien: Verlag der ÖAW, 2015

• Die Wiener Hofburg 1521-1705. Baugeschichte, Funktion und Etablierung als Kaiserresidenz. Hg. von Herbert Karner, Wien: Verlag der ÖAW, 2014

• Die Wiener Hofburg 1705-1835. Die kaiserliche Residenz vom Barock bis zum Klassizismus. Hg. von Hellmut Lorenz und Anna Mader-Kratky, Wien: Verlag der ÖAW, 2016

• Die Wiener Hofburg 1835-1918. Der Ausbau der Residenz vom Vormärz bis zum Ende des "Kaiserforums". Hg. von Werner Telesko, Wien: Verlag der ÖAW, 2012

• Die Wiener Hofburg seit 1918. Von der Residenz zum Museumsquartier. Hg. von Maria Welzig, Wien: Verlag der ÖAW, 2018

Rückfragehinweis:
Sven Hartwig
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