Kultur & Gesellschaft

Steve Jobs
Steve Jobs' Credo: "Stay hungry - stay foolish" © APA (dpa)

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Von tollkühnen Frauen, Männern und innovationshungrigen Staaten

15.01.2016

Von Charlotte Alber und Sabine Pohoryles-Drexel

Bereits Steve Jobs sprach davon, dass "hungrig und tollkühn" bleiben muss, wer Neues in die Welt bringen möchte. Mit dem Bild vom Staat als "tollkühnem" Initiator von Innovationen plädiert die Ökonomin Mariana Mazzucato für mehr Risiko bei der staatlichen Förderung von Forschung. Das Thema wird zurzeit auch von der Forschungspolitik und auf Ebene der österreichischen Förderagenturen diskutiert. Bei den heurigen Technologiegesprächen in Alpbach wird sich ein Arbeitskreis des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) mit dieser Thematik befassen.

Innovation und Wachstum durch mehr Risikobereitschaft

In ihrem Buch "Das Kapital des Staates" zeigt Mariana Mazzucato eindrucksvoll, wie die Technologien, auf denen Apples iPhone oder iPod basieren, durch staatliche Förderung ermöglicht wurden. Die öffentliche Hand investierte jahrzehntelang mit großem Weitblick und Risiko in die Forschung zu Internet, Mikroprozessoren oder Signalkompression an Universitäten und Forschungsorganisationen. Auf deren Ergebnisse bauten Unternehmer wie Steve Jobs ihren Welterfolg für Apple auf.

Mazzucato ruft zu Innovations-Ökosystemen auf, in denen der öffentliche und der private Bereich symbiotische Partnerschaften bilden und der Staat bei besonders riskanten, radikalen Zukunftstechnologien voran geht. Das erfolgreiche Innovations-Ökosystem Silicon Valley verdankt, so Mazzucato, zentrale Impulse staatlicher Finanzierung und militärischen Forschungsinstitutionen. Agenturen wie die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) spielten dabei eine entscheidende Rolle. Die DARPA gab kreativen Köpfen die Möglichkeit, ins "Blaue zu forschen" und unterstützte innovative Unternehmen wie Grundlagenforschung gleichermaßen. Sie übernahm auch eine aktive Vermittlerfunktion zwischen Universitäten, Start-Ups, Wagniskapitalgebern sowie Vermarktung.

In Zeiten beschränkter Budgets stellt sich die Frage, welche Ansatzpunkte für die Förderung von mehr Risiko besonders erfolgsversprechend sind.

"Regenwaldklima" für Innovationen fördern

Systeme wie das Silicon Valley kann man nicht einfach nachbauen. Sie entziehen sich einem linearen Input-Output-Denken. Durch geeignete Rahmenbedingungen und eine kreativitäts- und innovationsfördernde Kultur kann jedoch ein spezielles "Regenwaldklima" geschaffen werden, das Neues ermutigt und durch Vernetzung unterschiedlicher Akteure möglich macht.

Die amerikanischen Venture-Capital-Geber Victor Hwang und Greg Horowitt beschreiben in ihrem Buch "The Rainforest: The Secret to Building the Next Silicon Valley" anschaulich, dass es auf die Vernetzung und Kombination von Talenten, Ideen und Kapital ankommt. Sie stellen kreative Menschen und deren Verhaltensmuster eingebettet in ein "human innovation ecosystem" in den Mittelpunkt. Ein solches Ökosystem ist geprägt von schöpferischer Zerstörung im Sinne von Schumpeter, Experimenten, Rekombination von Wissen und einer auf Vertrauen basierenden Zusammenarbeit vernetzter, diverser Talente.

Die Vernetzung kann durch räumliche Nähe der Akteure, spezialisierte Organisationen oder einflussreiche Schlüsselpersonen, die unterschiedliche Netzwerke und Talente gezielt miteinander in Austausch bringen, gefördert werden. Gemeinsame Werte, Glaubenssätze und Handlungsweisen dienen dabei als Klebestoff und Software um die Vernetzung zum Blühen zu bringen. Regionen wie dem Silicon Valley sagt man nach, dass sie weniger eine geografische Bezeichnung als ein "state of mind" sind. Menschen, die diese Geisteshaltung prominent verkörpern, spielen eine zentrale Rolle als Botschafter/innen und Anziehungspunkt für weitere Talente.

Pioniere als Vorbilder und Inspiration im Regenwald

Amerikanische Pionierunternehmerinnen und -unternehmer aus dem Silicon Valley werden inzwischen wie Stars verehrt. Glaubenssätze wie "stay hungry - stay foolish" von Steve Jobs findet man mittlerweile auf T-Shirts und Kaffeetassen gedruckt. Sein Leben lieferte schon mehrfach die Vorlage für Hollywoodfilme. Es inspiriert Millionen von jungen Menschen, die mit Smartphones als unverzichtbarem Alltagsgegenstand aufgewachsen sind. Wohl kaum einer weiß, dass in diesen eine drahtlose Netzwerktechnologie einer ungewöhnlichen Erfinderin zum Einsatz kommt.

Es handelt sich um die in Wien noch vor dem ersten Weltkrieg geborene und in den USA berühmt gewordene Schauspielerin Hedy Lamarr. Als Ikone der MGM-Filmzeit ehrte man sie mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame, als Innovatorin des Frequenzsprungverfahrens mit wichtigen amerikanischen Technikpionierpreisen. Das Prinzip für das Patent der Funkfernsteuerung für Torpedos leitete sie zusammen mit dem Komponisten George Antheil von einem seiner avantgardistischen Klavierstücke ab.

Das anekdotische Beispiel zeigt, dass oft die unterschiedlichsten Akteure und ungewöhnlichsten Rekombinationen in der Lage sind, Neues in die Welt zu bringen. Neben innovationsfördernden Rahmenbedingungen braucht es immer auch Menschen, die ermutigt werden, voran zu gehen und mit ihren Ideen Vorbild und Inspiration für andere zu sein. Offene Innovations-Ökosysteme ermöglichen die Einbeziehung von Impulsen, die nicht direkt aus Wissenschaft und Forschung stammen.

Verantwortungsbewusst Wagemut fördern

Das Silicon Valley als Vorzeigeregion in Sachen disruptiver Innovationen und einer "alles, was denkbar, ist auch machbar"-Einstellung wird von Europäern meist neidvoll und zu Recht auch skeptisch beäugt. Sie steht auch für: Neue Arbeitswelten, die die soziale Ungleichheit verstärken; Lebenshaltungskosten, die sich nur die reichgewordene Bildungselite leisten kann; die Digitalisierung aller Lebensbereiche auf Kosten des Verbraucher- und Datenschutzes.

Bei aller Tollkühnheit geht es auch um eine nachhaltige Gestaltung von Forschungs- und Innovationsprozessen, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung und der europäischen Grundwerte bewusst ist. Wie dieser Weg ausschauen könnte, wird derzeit unter Leitung des BMWFW gemeinsam mit den drei großen Förderfonds, nämlich der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), dem Wissenschaftsfonds (FWF) und der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), dem Rat für Forschung und Technologieentwicklung, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Ludwig Boltzmanngesellschaft u.a. diskutiert und soll in die Gestaltung der Förderprogramme einfließen.

Quellen:

Mariana Mazzucato, Das Kapital des Staates: Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum, Kunstmann, 2014 http://marianamazzucato.com/

Victor W. Hwang, Greg Horowitt, The Rainforest: The Secret to Building the Next Silicon Valley, 2012 http://therainforestbook.com

Hedy Lamarr, http://invent.org/inductees/markey-hedy/

Die Autorinnen:

Mag. Sabine Pohoryles-Drexel, BMWFW

ist stv. Leiterin der Abt. FTI-Strategie und Internationale Forschungs- und Technologiekooperationen und u.a. verantwortlich für das Programm w-fFORTE (Wirtschaftsimpulse von Frauen in Forschung und Technologie) im BMWFW. In diesem Programm ist es gelungen durch die Entwicklung neuartiger Auswahlverfahren (Zukunftspotenzialanalyse) im Rahmen der Laura Bassi Centres of Expertise hochinteressante Non-Mainstreamforschung mit großem Zukunftspozential auch in der Verwertung zu fördern. Siehe dazu: www.w-fforte.at

Mag. Charlotte Alber, FFG,

ist Programmgruppenleiterin für den Bereich "Humanpotenziale" und in dieser Funktion auch Programmleiterin für w-fFORTE/Laura Bassi Centres of Expertise in der FFG.

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