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WhatsApp, Youtube und das gute alte Buch: Eine neue Forschungsplattform untersucht jugendliche Medienwelten

29.10.2018

"Jetzt leg doch mal das Handy weg!" Der rasante Medienwandel ist heute in fast jeder Familie zu spüren: Jugendliche, die von ihren Handys kaum zu trennen sind, und Eltern, die dem Medienverhalten ihrer Kinder ratlos gegenüberstehen. "Die Mediennutzung Jugendlicher ist hochemotionales Thema, jeder hat dazu eine Meinung", sagt Susanne Reichl, die Leiterin der neu gegründeten Forschungsplattform an der Universität Wien, #YouthMediaLife. Diese nimmt sich jetzt dieses Themas aus wissenschaftlicher Perspektive an und wird am 7.11.2018 wird feierlich eröffnet.

"Die" Jugend und "die" Medien

Das Thema ist ein durchaus komplexes. "Es gibt ja weder "die Jugendlichen" noch "die Medienverwendung" einer ganzen Generation", betont Reichl und stellt gleich den Generationsgedanken in Frage: die nach 1980 Geborenen gelten allgemein als "digital natives", aber das heißt noch lange nicht, dass sie besser mit digitalen Medien umgehen können als die sogenannten "digital migrants". Und so, meint Reichl, wird im öffentlichen Diskurs verallgemeinert und vereinfacht, und wissenschaftlich kaum fundierte Positionen finden Eingang in bildungspolitische Debatten.

Was weiß die Wissenschaft schon über die jugendlichen Medienwelten?

Die Forschungslage ist bruchstückhaft und hinkt den rasanten medialen Umbrüchen hinterher. Einerseits gibt es Statistiken zur Mediennutzung, wie der Jugend-Internet-Monitor (2018), in dem 400 Jugendliche von 11 bis 17 befragt wurden. Sie zeigen, dass Youtube und WhatsApp aktuell statistisch die beliebtesten Plattformen sind, geben aber wenig Auskunft über die Motivationen der Jugendlichen, diese Plattformen zu verwenden, oder über die individuellen Kommunikationsstrategien. Andererseits weisen aktuelle Studien aus Großbritannien darauf hin, dass sich Jugendliche manchmal ganz bewusst von digitalen Medien fernhalten: "Viele Jugendliche wollen nicht am Bildschirm lesen und ziehen sich zur Entspannung mit einem guten Buch zurück," so die Anglistin Reichl. Eine europäische Forschungsgemeinschaft namens E-READ (Evolution of Reading in the Age of Digitisation) beschäftigt sich seit 2014 mit den Konsequenzen des digitalen Lesens und ist zu dem Schluss gekommen, dass digitale Texte weniger gut verstanden und gemerkt werden als gedruckte. Die Forschungsplattform #YouthMediaLife will mit ihrer interdisziplinären Zusammensetzung wesentlich zur weiteren systematischen Erforschung dieser gesellschaftlichen Veränderungen beitragen.

Methodenvielfalt und Interdisziplinarität

Die Forschungsplattform besteht aus Mitgliedern
"Um diese vielen komplexen Zusammenhänge zu erforschen, muss man über den eigenen Tellerrand hinausschauen, und das geht nur mit interdisziplinärem Arbeiten", sagt Reichl. Sie kommt ursprünglich aus der anglistischen Literaturwissenschaft und hat schnell bemerkt, dass man sich nicht auf Textinterpretationen zurückziehen kann, wenn man wissen will, was mit Jugendlichen beim Lesen passiert. Aus diesem Interesse ist schließlich die interdisziplinäre Forschungsplattform #YouthMediaLife entstanden, in der rund 30 Forschende aus vier Fakultäten der Universität Wien in regelmäßigen Treffen über ihre Forschungsergebnisse berichten. Sie kommen aus der Literatur- und Sprachwissenschaft, aus der Soziologie, aus verschiedenen Bereichen der Psychologie, der Philosophie und den Medienwissenschaften. Sie alle poolen ihre Expertise, um dem Phänomen der jugendlichen Medienwelten näherzukommen. Die unterschiedlichen Disziplinen bringen eine reiche Methodenvielfalt mit sich, die Textanalysen wie auch experimentelle Methoden und einen Mix aus quantitativen und qualitativen Zugängen umfasst. "In einem derart interdisziplinären Kontext zu arbeiten ist unglaublich spannend", ist Reichl begeistert, "man wird dabei immer wieder aus der Komfortzone der eigenen Disziplin gerissen. Daraus ergeben sich neue Einsichten und Lernchancen".

Wissenschaftliche Nachwuchsförderung

Nachwuchsförderung ist ein zentrales Ziel der Forschungsplattform. Soeben wurden fünf "Seed grants" ausgegeben, kurzfristige Stipendien, die JungwissenschafterInnen in der Projektantragsphase unterstützen sollen. Die Themen der bewilligten Projekte umfassen die Verwendung von Sport-Apps, die Identitätsfindung über Medien im Zuge der Re-Migration, und die mediale Bedeutung des Englischen außerhalb der Schule. Auch das Thema "Social Book Reading" hat seinen Platz in der Forschungsplattform: das Leseverhalten von Jugendlichen hat sich nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ verändert. Auf diversen Foren und digitalen Plattformen wie etwa goodreads tauschen sich Jugendliche über das Lesen von meist analoger Literatur aus. So gewinnt das Lesen eine soziale Dimension, die es zu erforschen gilt.

Eröffnungsveranstaltung

Einen ersten Einblick in die Arbeit und die Ziele der Forschungsplattform bietet die Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch, 7.11.2018. Hier gibt es die Gelegenheit, die Mitglieder kennenzulernen, sich über Ziele und aktuelle Projekte der Plattform zu informieren, und in entspannter Atmosphäre bei einem Glas Wein über die Medienwelten Jugendlicher nachzudenken.

WANN: Mittwoch, 07.11.2018, 18.30 Uhr
WO: Campus der Universität Wien, Hof 8.3, Erdgeschoß, Spitalgasse 2-4, 1090 Wien

https://youthmedialife.univie.ac.at/

https://twitter.com/youthmedialife/

https://www.facebook.com/youthmedialife/

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