Medizin & Biotech

APA

Ansatz für bessere Stammzelltherapie gegen Leukämie entdeckt

28.11.2018

Wenn Leukämiepatienten eine Stammzelltransplantation erhalten, greifen die fremden Zellen mitunter das körpereigene Gewebe an. Forscher der Universität Zürich haben nun einen Faktor entdeckt, der eine Schlüsselrolle bei einer gefährlichen Komplikation nach einer Stammzelltherapie bei Blutkrebs spielt. So identifizierten sie einen neuen Ansatzpunkt, diese Reaktion zu unterdrücken.

Eine Stammzelltherapie kann Leukämiepatienten zu vollständiger Genesung verhelfen: Ihre eigenen, entarteten Blutstammzellen werden durch Bestrahlung oder Chemotherapie zerstört und anschließend durch Stammzellen eines Spenders ersetzt. Jedoch greifen die aus den Spenderzellen hervorgehenden Immunzellen mitunter das körpereigene Gewebe des Patienten an, weil sie es als fremd erkennen. Diese Graft-versus-Host-Reaktion (Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) tritt bei 30 bis 60 Prozent der Stammzell-Empfänger auf. Bei rund der Hälfte davon führt sie gar zum Tod, wie die Universität kürzlich mitteilte.

Bisher versuchen Mediziner, die Graft-versus-Host-Reaktion mit Medikamenten zu unterdrücken, die das Immunsystem hemmen. Allerdings hat dies den Nachteil, dass die Spenderzellen dadurch auch schlechter in der Lage sind, verbleibende Krebszellen abzutöten.

Zytokin GM-CSF

Wie die Wissenschafter um Burkhard Becher vom Universitätsspital Zürich gemeinsam mit Kollegen des Uniklinikums Freiburg im Breisgau nun im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichteten, ist ein Botenstoff des Immunsystems ein entscheidender Faktor für das Auslösen der gefährlichen Reaktion. Dieses Zytokin namens GM-CSF hilft bei gesunden Menschen, Entzündungen zu bekämpfen. Es wird von bestimmten Immunzellen produziert.

In Versuchen mit Mäusen konnten die Wissenschafter zeigen, dass die aus den gespendeten Stammzellen hervorgegangenen Immunzellen große Mengen des Zytokins produzierten. Die Tiere litten an einer Graft-versus-Host-Reaktion. Erhielten die Mäuse jedoch Spenderzellen, die das Zytokin nicht produzieren konnten, kam es nicht zu der Reaktion. "Das Ausschalten dieses Zytokins ist also eine sehr präzise Methode, um die Gewebeschäden durch die Graft-versus-Host-Reaktion zu unterdrücken", sagte Becher.

Anders scheint es beim Ausschalten des Zytokins GM-CSF zu sein, wie die Forscher in weiteren Versuchen mit Mäusen bestätigen konnten: Die Spenderzellen konnten trotz Fehlen des Immunbotenstoffs die verbleibenden Krebszellen eliminieren.

Im nächsten Schritt konnten die Wissenschafter auch bestätigen, dass GM-CSF im Menschen ebenfalls eine Schlüsselrolle für die Graft-versus-Host-Reaktion spielt. Nun sei eine klinische Studie geplant, um zu testen, ob die Blockade des Botenstoffs die gefährliche Attacke der Immunzellen auf körpereigenes Gewebe verhindern kann, schrieb die Universität Zürich. "Wenn dabei trotzdem die Anti-Tumor Wirkung erhalten bleibt, wird die Erfolgsquote der Stammzelltherapien steigen und mit viel weniger Risiko verbunden sein", sagte Becher.

Service: Fachartikelnummer - DOI: 10.1126/scitranslmed.aat8410

STICHWÖRTER
Medizin  | Krebs  | Therapien  | Schweiz  | Zürich  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesundheit  | Krankheiten  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung