Medizin & Biotech

APA

Babywunsch auf Eis? Eingefrorene Eizellen werden nur selten genutzt

04.07.2018

Als junge Frau vorsorglich Eizellen einfrieren lassen, um sich eine späte Chance auf Kinder zu erhalten: Sogenanntes Social Freezing ist zumindest in einigen Ländern ein Trend. Doch die Auswertung von Daten eines belgischen Anbieters zeigt, dass auf die eingefrorenen Eizellen letztlich kaum zurückgegriffen wird.

Nur 7,6 Prozent der Kundinnen hätten veranlasst, die Eier wieder aufzutauen, zu befruchten und sich für eine Schwangerschaft einsetzen zu lassen, berichtete Michel De Vos vom Zentrum für Reproduktionsmedizin in Brüssel. Nur ein Drittel dieser Versuche sei erfolgreich gewesen.

In der Auswertung wurden Daten von 563 Frauen berücksichtigt, die an dem Zentrum zwischen Jänner 2009 und November 2017 Eizellen hatten einfrieren lassen. Im Mittel waren die Kundinnen dabei 36,5 Jahre alt, berichtete De Vos beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) in Barcelona. 43 der 563 Kundinnen nutzten die Eizellen später für künstliche Befruchtungen, knapp die Hälfte nutzte dazu Spendersamen. Im Mittel waren die Frauen dann 42 Jahre alt.

Nicht ableiten lasse sich aus der Analyse, ob das Einfrieren der Zellen die Chancen der Frauen, ein Kind zu bekommen, vergrößerten, erklärte De Vos. Die Brüsseler Ergebnisse entsprächen denen anderer großer Fruchtbarkeitszentren. Demnach verringern sich die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich, wenn die Frau zum Zeitpunkt des Einfrierens von Eizellen bereits 35 Jahre oder älter ist. Frauen in höherem Alter sollten keine unrealistischen Erwartungen hegen, warnte der Mediziner.

Gründe fürs Einfrieren untersucht

Welche Gründe Frauen zum Einfrieren von Eizellen bewegen, haben Forscher in den USA und Israel untersucht. Anders als vielfach angenommen seien weniger Karriere oder Ausbildung entscheidend, sondern vielmehr das Fehlen eines geeigneten Partners, berichtete Marcia Inhorn von der Yale University in Berkeley bei dem Kongress. Ihr Team hatte 150 Frauen befragt, die in insgesamt vier Zentren in den USA und Israel vorsorglich Eizellen einfrieren ließen und dies nicht aus medizinischen Gründen taten.

85 Prozent der Frauen hätten keinen Partner gehabt, als sie Eizellen einfrieren ließen, berichtete Inhorn. Die 15 Prozent Frauen mit Partner gaben demnach an, dieser sei noch nicht zu Kindern bereit oder lehne diese generell ab, oder die Beziehung werde als zu neu oder unsicher empfunden. "Die meisten der Frauen hatten ihre Bildungs- und Karriereziele bereits erreicht, bis in ihre späten 30er aber keine dauerhafte, fruchtbare Beziehung mit einem sicheren Partner gefunden."

Vor allem in den USA ist Social Freezing ein rasch wachsender Markt. In diesem Jahr würden dort hochgerechnet wahrscheinlich rund 76.000 Einfrierzyklen durchgeführt, erläuterten die Studienautoren. Im Jahr 2013 seien es erst etwa 5.000 gewesen. Einige US-Unternehmen bieten Mitarbeiterinnen inzwischen an, das vorsorgliche Einfrieren von Eizellen zu sponsern. In Deutschland entscheiden sich bisher nur wenige Frauen jährlich dafür.

Bei dem Verfahren werden Eizellen entnommen und eingefroren, um sie später im Labor befruchten und wieder einsetzen zu können. Dazu bekommt die Frau zunächst Hormonspritzen, damit ihre Eierstöcke möglichst viele Eizellen reifen lassen. Diese werden entnommen und vorzugsweise im sogenannten Vitrifikationsverfahren (Verglasungsverfahren) schockgefroren. Anschließend werden die Eizellen in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius gelagert.

STICHWÖRTER
Medizin  | Kinder  | Weltweit  | Belgien  | Brüssel  | Spanien  | Barcelona  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesellschaft  | Menschen  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung