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Die AGES informiert: Campylobacter: Der Erreger aus dem Lebensmittel © AGES
Die AGES informiert: Campylobacter: Der Erreger aus dem Lebensmittel © AGES

Kooperationsmeldung

Campylobacter: Der Erreger aus dem Lebensmittel

18.11.2016

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Campylobacter ist jenes Bakterium, das in Österreich die meisten durch Lebensmittel verursachten Infektionen auslöst. Im Jahr 2015 wurden 6.259 Erkrankungen gemeldet. Die Dunkelziffer liegt höher, weil nicht alle Personen mit Durchfall einen Arzt aufsuchen bzw. nicht jeder Arzt immer eine Stuhlprobe zur Untersuchung nimmt. Zur Campylobacteriose genannten Erkrankung kommt es in den Industrieländern (nördliche Halbkugel) am öftesten in den Sommermonaten.

Der Themenbericht Campylobacter 2016, erschienen in der Reihe AGES WISSEN AKTUELL, gibt einen Überblick über Vorkommen, Auswirkungen, Forschung und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen.

Campylobacter verursachen beim Menschen in erster Linie Durchfall, Bauchkrämpfe und Fieber. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Folgeerkrankungen wie Arthrithis und dem Guillain-Barré- Syndrom, einer Nervenerkrankung, kommen. Menschen nehmen diese Krankheitserreger vorwiegend über Lebensmittel auf, in erster Linie über Geflügel: 50 bis 80 Prozent der Erkrankungsfälle gehen darauf zurück.

Campylobacter in Lebensmitteln

In Österreich waren im Jahr 2015 Campylobacter in 119 von 245 untersuchten Geflügelfleisch-Proben (49 %) nachweisbar, davon in frischen, rohen Hähnchen in 83 von 130 Proben (64 %) und in 8 von 25 frischen, rohen Puten (32 %). 31 % der untersuchten Geflügelfleischzubereitungen (27 von 84) enthielten Campylobacter. Aus keiner der untersuchten Proben von Milch, Käse und Milchprodukten, Fleischproben verschiedener Tierarten, Fischen, Früchten, Konditoreiwaren oder Eiern und Eiprodukten konnten Campylobacter isoliert werden.

Im Jahr 2008 wurden in Europa umfassende Untersuchungen von Hühnern (Schlachtkörper nach der Kühlung) am Schlachthof durchgeführt. Bei 80,6 % der Schlachtkörper konnte Campylobacter nachgewiesen werden.

Campylobacter in der Geflügelproduktion

Campylobacter besiedelt den Darmtrakt von Geflügel. Eine Übertragung vom Elterntier auf das Ei/Küken, findet nicht statt, d. h. Hühnereier sind nicht mit Campylobacter infiziert. Daraus folgt, dass der Erreger zu einem späteren Zeitpunkt in die Herde eingeschleppt wird oder längst im Stall vorhanden ist. Es genügen schon wenige Keime, um ein Huhn dauerhaft zu besiedeln (der Eintrag ist bereits durch eine einzelne Fliege möglich). Die Ausbreitung innerhalb der Herde erfolgt in der Folge sehr rasch. Da es im Gegensatz zu Salmonellen keinen Impfstoff gegen Campylobacter gibt, ist die Bekämpfung dieses Erregers schwierig. Zwei europäische Studien zu Campylobacter (CamChain und CamCon) zeigten, dass gewissenhafte Betriebshygiene und akkurates Management in der Primärproduktion die einzigen wirtschaftlichen Möglichkeiten sind, um Campylobacter vom Masthühnerstall fern zu halten.

Campylobacter-Forschung

Das CamChain Projekt (Laufzeit 2012-2015, teilnehmende Länder: Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Italien, Litauen, Finnland, Österreich) untersuchte die Epidemiologie des Erregers entlang der Lebensmittelkette (Masthühner). Die grundlegende Idee war, dass mehr Wissen über das Verhalten des Erregers zu besseren Kontrollmöglichkeiten führt.

Die österreichischen Forschungspartner AGES mit Subpartner Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) und Veterinärmedizinische Universität Wien befassten sich u. a. mit den Themen Interaktion von Campylobacter mit Masthähnchen, Insekten als Vektoren, Interventionen und Kontrolle, Modellierung des Überlebens von der Umwelt bis zur Schlachtung, Interventionsmöglichkeiten und Kontrollwerkzeuge: "a guide to good practice".

Es kristallisierte sich der bedeutende Einfluss von Biosicherheitsmaßnahmen heraus: Für Österreich konnte gezeigt werden, dass pro Mastperiode mehr als 200.000 Insekten allein über die Fenster in den Stall gelangen. Sie werden von den Broilern sehr schnell gefressen, weshalb die in Summe große Zahl im Stallinneren nicht auffällt. Weiters wurde eine robuste, schnelle und einfache Surveillance-Methode entwickelt. Das CamCon Projekt (2010-2015, teilnehmende Länder: Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Niederlande, Spanien, Portugal, Polen) zeigte kostengünstige und effektive Biosicherheitsmaßnahmen am Mastbetrieb auf, die vor dem Eintrag von Campylobacter schützen.

Kontrollmöglichkeiten und Interventionen wurden in Kooperation mit dem Projekt CamCon dargestellt: Ein Handbuch und E-Learning Tool für Geflügelmäster erweitert das Wissen um Campylobacter und spezifische Hygiene-Maßnahmen am Betrieb; in einem Quiz kann dieses Wissen selbständig online überprüft werden. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen kann zu einer Reduktion Campylobacter positiver Geflügelherden führen und somit auch die Lebensmittelsicherheit verbessern.

Wie schütze ich mich vor einer durch Lebensmittel verursachten Infektion?

Mit Campylobacter verunreinigte Lebensmittel können weder am Geruch noch am Aussehen erkannt werden. Derzeit sind Campylobacter-freie Geflügelherden selten. Frisches Geflügel weist mit hoher Wahrscheinlichkeit den Erreger auf.

Auch wenn sich der Erreger auf Lebensmitteln im Allgemeinen nicht mehr vermehren kann, können die Mengen des Erregers ausreichen, um eine Infektion hervorzurufen. Durch Tieffrieren wird die Anzahl von Campylobacter stark reduziert. Nur ein Erhitzen über 70 °C (Kerntemperatur, mindestens für 10 Minuten einhalten) tötet die Keime ab.

Die AGES informiert: Campylobacter: Der Erreger aus dem Lebensmittel:

https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/campylobacter-der-erreger-aus-dem-lebensmittel/

Quelle: AGES

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