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Deutliche Fortschritte in Behandlung von Nierenzellkarzinomen

07.11.2018

Auf dem Gebiet der Therapie des Nierenzellkarzinoms hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Ein Großteil der Verbesserungen ist auf wirksamere medikamentöse Behandlungsformen zurückzuführen, zu denen jetzt auch die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren kommt, hieß es kürzlich bei einem Hintergrundgespräch des Wiener Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH.

In Österreich sind pro Jahr etwas mehr als 1.200 Menschen mit der Diagnose eines Nierenzellkarzinoms konfrontiert. Die Erkrankung tritt meist im Alter zwischen 60 und 80 Jahren auf und wird oft nur als Zufallsbefund im Laufe einer anderen Untersuchung entdeckt. Rund 80 Prozent der Tumoren befinden sich dann noch in einem frühen Stadium, in dem sie die Organgrenze noch nicht durchbrochen haben (lokalisiertes Tumorstadium). In dieser Phase kann das Nierenzellkarzinom heute mit großem Erfolg chirurgisch behandelt und oft sogar geheilt werden.

Lange Zeit extrem problematisch war die Prognose von Patienten im fortgeschrittenen, metastasierten Stadium der Erkrankung. Einen ersten Fortschritt gegenüber wenig wirksamer Chemotherapie stellten die sogenannten mTOR-Inhibitoren dar. Vor etwas mehr als zehn Jahren kamen sogenannte zielgerichtete Medikamente. Es handelt sich dabei vor allem um Tyrosinkinase-Enzym-Hemmstoffe (z.B. Sutinib etc.). Mit dem Einzug dieser zielgerichteten Therapien und der modernen Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren in der Form von monoklonalen Antikörpern sowie durch Neuerungen im Bereich der Chirurgie, gelang es Lebensdauer der Patienten von vor 15 Jahren im Durchschnitt 13 Monaten zumindest zu verdopplen. Oft sind es heute 35 Monate und mehr.

Innovative Zugänge

"Der nächste Schritt in dieser positiven Entwicklung sind Kombinationstherapien, die in großen internationalen Studien getestet werden und innovative Zugänge, die etwa auch die Darmflora in die therapeutischen Überlegungen mit einbeziehen", hieß es in den Unterlagen zu dem Hintergrundgespräch. Manuela Schmidinger, Onkologin an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin I und Programmdirektorin für das Gebiet Nierenzellkarzinom, sagte: "Die Ergebnisse sind wirklich vielversprechend. Wir können bei 80 Prozent der Patienten das Fortschreiten der Erkrankung für einen langen Zeitraum verhindern. Wir möchten, dass die Betroffenen ihr Leben leben können und ihre Krankheit zu einem Nebenschauplatz wird." Wissenschaftlich untersucht wird derzeit auch, ob die Darmflora einen Einfluss auf die Wirksamkeit der Immuntherapien hat.

Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie, erklärte: "Unser therapeutisches Arsenal hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Wir können heute wie aus einem Baukastensystem aus den verschiedensten Bereichen die besten Techniken wählen und einsetzen."

Kleine Nierentumoren werden meist zufällig im Zuge anderer Untersuchungen gefunden. Allein im AKH Wien machten sie in den vergangenen drei Jahren rund 65 Prozent der operierten Fälle aus. Diese Tumoren wurden noch vor zehn Jahren alle chirurgisch entfernt. Heute wird ein Teil davon gar nicht mehr operiert, weil sie gutartig sind. Für den Rest stehen den Behandlungsteams andere, innovativere Verfahren zur Verfügung.

Eines davon ist die fokale Therapie. Dabei wird der Tumor mittels Hitze oder Kälte zerstört. Besonders gut für diese Verfahren geeignet sind Tumoren bis drei Zentimeter Größe. Auch laparaskopische Verfahren ("Schlüsselloch-Chirurgie") kommen immer häufiger zum Einsatz. Shariats Abteilung hat gemeinsam mit den Nuklearmedizinern an der Wiener Universitätsklinik in den vergangenen Jahren auch kurzzeitig radioaktiv strahlende Tracer-Substanzen entwickelt. Diese können im Rahmen von kombinierten Untersuchungen mittels Computer- oder Magnetresonanztomografie und der Positronen-Emissions-Tomografie zur Diagnose von bösartigen Tumoren der Niere (z.B. klarzelliges Nierenzellkarzinom) eingesetzt werden. Die Tracer sammeln sich im stoffwechselmäßig aktiveren Tumorgewebe an und macht es sichtbar.

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