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Die Rolle von Immunzellen in Kinderdemenz

28.07.2017

Demenz wird landläufig als Krankheit gesehen, die erst Personen im höheren Alter betrifft. Etwa 50,000 Kinder weltweit leiden aber an der Neuronalen Ceroid-Lipofuszinose (NCL), einer Form von Kinderdemenz. Diese Gruppe von vererbbaren neurodegenerativen Erkrankungen trifft Kinder von frühester Kindheit an. Der Verlust des Sehvermögens ist eines der ersten Zeichen dieser Krankheit, Demenz und Epilepsie sind weitere Symptome. Obwohl 14 krankheitsverursachende Gene beschrieben wurde, gibt es bisher keine Heilung für NCL und die Krankheit führt unweigerlich zum Tod. Rajeshwari Meli, Postdoc in der Gruppe von Sandra Siegert am Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) erhielt nun einen Hertha Firnberg Grant um zu untersuchen, welche Rolle sogenannte Mikroglia bei NCL spielen. Dabei handelt es sich um einen Zelltyp, der in der Immunantwort des Gehirns involviert ist.

Bisher wurden Mausmodelle dazu genützt, die Erkrankung unter dem Gesichtspunkt des Neurons zu untersuchen. Allerdings spielt auch die Aktivierung des Immunsystems eine Rolle bei NCL - eine Rolle, die bisher nicht im Fokus dieser Modelle stand. Außerdem können Mausmodelle die Erscheinungsform der Krankheit nur teilweise reflektieren. In diesem Projekt wird Rajeshwari Meli daher NCL unter dem Gesichtspunkt des Immunsystems untersuchen, und dafür menschliche Mikroglia untersuchen. Mikroglia sind die Immunzellen des Nervensystems, und spielen eine Rolle in der Pathologie neurodegenerativer Erkrankungen.

Prof. Siegert hat bereits gezeigt, dass Mikroglia in der Retina mit einem Set an NCL-verursachenden Genen angereichert sind. In ihrem neuen Projekt werden die Forscherinnen menschliche Mikroglia untersuchen, die diese krankheitsverursachenden Gene in sich tragen, und ihre Funktion analysieren. Mithilfe von Genomeditierungs-Techniken werden sie die wichtigsten NCL-verursachenden Mutationen in menschliche induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) einfügen. Wenn sie diese Stammzellen in Mikroglia differenziert haben, vergleichen sie die mutationstragenden Mikroglia mit gesunden Mikroglia, Insbesondere werden sie die Veränderungen innerhalb der Mikroglia untersuchen, sowie die Interaktionen der Zellen mit dem Immunsystem. Diese Studie wird wichtige Einblicke in die Rolle von Mikroglia bei NCL bieten, und kann möglicherweise neue Strategien für zellbasierte Arzneimitteltherapien bringen.

Rajeshwari Meli kam 2016 als Postdoc in Sandra Siegerts Gruppe am IST Austria. Meli erhielt 2006 ihr M.Sc in Angewandter Genetik an der Karnatak Universität, Indien. Sie arbeitete dann als Research Fellow am National Institute of Immunology in Neu Delhi, am Institute of Genomics and Integrative Biology in Delhi und am National Center for Biological Sciences in Bengaluru, Indien. 2009 wechselte Meli an das Vienna Biocenter, wo sie ihr Doktorat absolvierte. Sie erhielt 2014 ihr PhD für ihre Untersuchung der axonalen Steuerung.

Das Hertha Firnberg Programm für Postdocs des FWF unterstützt Frauen am Beginn ihrer wissenschaftlichen Karrieren. Das Programm wurde 1998 eingeführt und ist bestimmt für hochqualifizierte Universitätsabsolventinnen aller Fachdisziplinen. Erfolgreiche Bewerberinnen werden für bis zu drei Jahre unterstützt. Das Programm ist nach Hertha Firnberg benannt, Österreichs erster Wissenschaftsministerin.

Quelle: IST Austria

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