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Ebola-Ausbruch: WHO schickt experimentellen Impfstoff in den Kongo

14.05.2018

Nach dem jüngsten Ebola-Ausbruch im Kongo hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen experimentellen Impfstoff zur Bekämpfung der Seuche in das betroffene Gebiet verschickt. 4.000 Impfdosen seien aktuell auf dem Weg in den Nordwesten des Landes, wie ein WHO-Sprecher am Montag in Genf sagte.

Neben zwei bestätigten Ebola-Fällen stieg die Zahl der Betroffenen in den vergangenen Tagen auf 25 wahrscheinliche und zwölf vermutete Infizierte. 19 Menschen sind bisher an Symptomen, wie etwa mit Blutungen einhergehendem Fieber, gestorben. Bei ihnen wurde Ebola aber noch nicht bestätigt. Die WHO fürchtet, dass sich die Krankheit in Nachbarländern ausbreiten könnte. Besonders Kongo-Brazzaville und die Zentralafrikanische Republik seien gefährdet. Die Krankheit wird von Mensch zu Mensch übertragen. Die Organisation bereite sich deshalb auf das schlimmste Szenario vor, hieß es. Die katastrophale Infrastruktur in der betroffenen Gegend mache die Hilfe noch schwieriger.

Bereits erste Erfolge

Das Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. 25 bis 90 Prozent der Infizierten sterben. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen, die aber schließlich wieder enden. Im vergangenen Jahr erlaubte die Regierung im Kongo den Einsatz des noch nicht offiziell zugelassenen Impfstoffs. Er wurde bereits mit erstem Erfolg in der Schlussphase der verheerenden Ebola-Epidemie in Westafrika getestet. Bei dem Ausbruch starben in Liberia, Guinea und Sierra Leone 2014 und 2015 rund 11.000 Menschen.

Die Ebola-Vakzine auf der Basis von Rekombinanten Vesikuläre Stomatitis Viren (rVSV) besitzt offenbar eine sehr gute Wirksamkeit. In einer Studie in Guinea unter Leitung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde unter Personen im Umfeld von Erkrankten keine einzige weitere Infektion beobachtet. Das wurde vom "Lancet" im Jahr 2016 publiziert.

Die Vakzine wurde ursprünglich in Kanada konzipiert und dann vom US-Pharmakonzern Merck, Shark & Dohme (MSD) weiter entwickelt. Geldgeber und Kooperationspartner waren die WHO, der britische Wellcome Trust, norwegische und kanadische staatliche Stellen sowie Ärzte ohne Grenzen. Der Impfstoff besteht aus per Mutation künstlich abgeschwächten VS-Viren, welche auch Proteinanteile der Ebola-Erreger tragen. VSV ist in erster Linie ein Tierpathogen, das kaum Erkrankungen beim Menschen verursacht. Es handelt sich bei rVSV-ZEBOV deshalb um einen Lebendimpfstoff, wobei sich das Virus in Geimpften vermehrt und dadurch eine Immunantwort auslöst.

Alle Kontaktpersonen immunisiert

In der wissenschaftlichen Untersuchung wurden in der Region von Basse-Guinee im Jahr 2015 insgesamt 117 Personengruppen zu je rund 80 Menschen identifiziert, in denen es innerhalb der vorangegangenen drei Wochen zu einer Ebola-Erkrankung gekommen war und die in irgendeiner Weise Kontakt gehabt hatten. Diese Kontaktpersonen wurden entweder sofort oder nach drei Wochen geimpft. Nach einer positiven Zwischenauswertung wurden alle Kontaktpersonen immunisiert, auch Kinder ab sechs Jahren.

In der Endauswertung der Studie zeigte sich ein sehr gutes Ergebnis: Unter den sofort Geimpfen (4.123 Personen) kam es ab einem Zeitabstand von zehn Tagen zu keiner einzigen Ebola-Erkrankung. Bei den erst mit Verspätung Immunisierten (3.528 Personen) wurden hingegen 16 Ebola-Infektionen registriert. Die Kandidat-Vakzine hat von der US-Arzneimittelbehörde FDA nach dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse einen Status für eine beschleunigte Zulassung bekommen. Ähnlich (Prime Status) hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA reagiert.

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