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Veränderungen sollen im frühest möglichen Stadium entdeckt werden © APA
Veränderungen sollen im frühest möglichen Stadium entdeckt werden © APA

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Erste Hinweise auf positive Wirkung von Mammografie-Screening

19.04.2017

Brandaktuelle Studienergebnisse dürften der erste fundierte Hinweis darauf sein, dass ein strukturiertes Mammografie-Screening in Österreich zur Entdeckung von Brustkrebs eine positive Wirkung hat. In "Breast" hat ein Wissenschafterteam unter Innsbrucker Federführung zeigen können, dass das in Tirol etablierte Programm die Häufigkeit der Feststellung von größeren Tumoren um 28 Prozent reduziert.

Tirol war in Österreich einer der Vorreiter beim Mammografie-Screening. Dort wurde bereits 2007 mit dem Aufbau eines solchen Projekts begonnen. Dabei geht es darum, bei gesunden Frauen ohne Symptome durch eine Mammografie alle zwei Jahre (hauptsächlich im Alter zwischen 45 und 69 Jahren) verdächtige Veränderungen bzw. vielleicht sogar Karzinome im frühest möglichen Stadium zu entdecken. In ganz Österreich wurde ein solches Programm mit Einladungen und der Möglichkeit zum Opt-In für Frauen ab 40 und im Alter über 69 Jahre im Jahr 2014 etabliert. International geht man davon aus, dass bei einer regelmäßigen Beteiligung von 70 Prozent der potenziell Betroffenen eine Reduktion der Brustkrebs-Mortalität um 20 Prozent oder darüber erreicht werden kann. Doch bis sich das statistisch nach der Einführung von solchen Programmen beweisen lässt, vergehen Jahre.

Wilhelm Oberaigner von der Abteilung für Klinische Epidemiologie der Tirol Kliniken und die Co-Autoren analysierten alle in dem Bundesland aufgetretenen Brustkrebserkrankungen bei Frauen im Alter zwischen 40 und 69 Jahren zwischen 2009 und 2013 - also bei etabliertem strukturierten Mammografie-Programm. Es waren 1.475 Fälle von invasiven Mammakarzinomen. Es gab die Informationen von 145.000 Frauen in dem fraglichen Alter. Schließlich wurden die Diagnosen bei Frauen, welche bereits in dem Programm gewesen waren mit jenen bei Frauen ohne diese Vorsorge-Mammografien verglichen.

Geringeres Risiko für fortgeschrittene Brustkrebserkrankung

Das Ergebnis, wie die Autoren in der Zusammenfassung schrieben: "In unserer Populations-basierten Registeranalyse fanden wir, dass die Teilnahme an dem Mammografie-Screeningprogramm in Tirol mit einer 28-prozentigen Abnahme des Risikos für einen Tumor von mehr als 21 Millimeter Größe und mit einem um 17 Prozent geringeren Risiko für eine fortgeschrittene Brustkrebserkrankung verbunden ist. Wir erwarten daher, dass das Tiroler Mammografie-Programm auch einen Rückgang der Mortalität zeigen wird."

Bis solche Ergebnisse bei dem österreichweiten Programm gezeigt werden können, dürfte noch einige Zeit vergehen. 36,8 Prozent von Frauen aus der Kernzielgruppe gemäß Bevölkerungsstatistik 2015 nahmen innerhalb der ersten Screening-Runde (2014 und 2015) an dem nunmehr in ganz Österreich etablierten Mammografie-Screening teil. Insgesamt wurden in den beiden Jahren in Österreich 1,185.115 Millionen Brustuntersuchungen durchgeführt. 642.314 entfielen auf echte Früherkennungstests im Rahmen des Programm. Hinzu kamen 635.080 "kurative", also von Ärzten direkt wegen Verdachtsmomenten etc. angeordnete Brustuntersuchungen bei Radiologen. Nimmt man diese Untersuchungen hinzu, könnte die Rate der Beteiligten in der Kernzielgruppe maximal bis zu knapp 54 Prozent betragen, liegt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo dazwischen.

Das seit 2005 laufende deutsche Mammografie-Programm brachte es nach rund zehn Jahren landesweit auf eine Beteiligungsrate von 54 Prozent. Der Anteil der Tumoren mit einer Größe von mehr als zwei Zentimetern und Lymphknotenbefall ist in Deutschland von 55 Prozent auf 20 Prozent zurückgegangen.

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