Medizin & Biotech

Kooperationsmeldung

Europäisches Mortalitätsmonitoring: Sterbedaten

01.08.2018

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Die Sterblichkeit der Bevölkerung ist über das Jahr hinweg nicht gleichmäßig verteilt, sondern unterliegt saisonalen Schwankungen: Im Winter sterben mehr Menschen als in den Sommermonaten. Diese Schwankungen sind statistisch über Jahrzehnte hinweg sehr gut belegt - so gut, dass sich für jede Kalenderwoche sehr genaue Schätzungen über die erwarteten Sterbefälle modellieren lassen.

Diese Modellierung der Sterblichkeit macht sich das europäische Mortalitätsmonitoring (www.euromomo.eu) zunutze: Verschiedene europäische Staaten, darunter auch Österreich, speisen in dieses System wöchentlich Sterbedaten ein, anhand derer sich zeigen lässt, ob es zu mehr Todesfällen als statistisch erwartet kommt. Grafisch dargestellt zeigt sich die Sterblichkeit der Bevölkerung als Wellenlinie. Kommt es zu vermehrten Todesfällen, tauchen in diesen Wellenmustern Zacken auf - man spricht von Übersterblichkeit, die in Winter oft mit Influenzaepidemien (Grippeausbrüche), im Sommer mit Hitzewellen korreliert.

Das Hitze-Mortalitätsmonitoring wird in Österreich von der AGES durchgeführt: Es basiert auf statistischen Multivarianzanalysen, die erfahrungsgemäß sehr gut stimmen und seit Langem für Grippewellen verwendet werden. In diese Analysen fließen fallbasierte Sterbedaten und tägliche Messwerte der maximalen sowie der minimalen Lufttemperatur, die von 32 Messstationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) österreichweit stammen, ein. Die 32 Stationen sind den 40 größten Ortschaften in Österreich zugeordnet und decken 80 % der Bevölkerung ab. Die Daten zur All-Ursachen Mortalität stammen von der Statistik Austria.

Modelliert wird die wöchentliche All-Ursachen Mortalität unter Verwendung der Lufttemperatur während heißer Wochen im Sommer sowie kalter Wochen im Winter. Als heiße Wochen sind Wochen definiert, in denen die Temperatur der heißesten Nacht über 18 °C liegt. Kalte Wochen sind Wochen, an denen mindestens ein Tag eine Temperatur unter 0 °C aufwies. Das statistische Modell wurde vom AGES-Mathematiker DI Lukas Richter in Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Dr. Ernst Stadlober von der Abteilung für Statistik der Technischen Universität Graz entwickelt.

Schätzung der Hitze-assoziierten Übersterblichkeit inklusive 95% Konfidenzintervall, Österreich, Sommerperioden, 2013-2017

Sommer

Hitze-assoziierte Übersterblichkeit

95% Konfidenzintervall (KI)

2013

895

773; 1017

2014

134

33; 234

2015

1122

961; 1283

2016

0

-46; 46

2017

586

343; 830

Das österreichische Hitze-Mortalitätsmonitoring wird durch die AGES laufend verbessert. Es werden in den kommenden Jahren noch zusätzliche Mess-Stationen aufgenommen, um letztendlich 100 Prozent der österreichischen Bevölkerung abdecken zu können. Weitere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, aber auch Feinstaubbelastung oder Überwachungsdaten zu Infektionskrankheiten etc. sollen in das Modell miteinbezogen werden. Im Endausbau wird es möglich sein, ein erhöhtes Hitze-Risiko auch kleinräumig darzustellen. Mit diesen Informationen können das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, Bundesländer und Bezirksverwaltungsbehörden bei Bedarf Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Kuranstalten, Kindergärten, mobile Pflegedienste, Ärzte oder Einsatzorganisationen zeitnah vor einem erhöhten Risiko warnen.

Service: Informationen zum richtigen Umgang mit der Hitze unter Tel: 050 555-555; Mo-Fr: 6 bis 22 Uhr, Sa: 8 bis 20 Uhr, So 8 bis 18 Uhr

Quelle: AGES

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