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Forscher entdecken dank Fischlarven neue Appetitzügler

02.11.2018

Was auf das Gehirn wirkt, beeinflusst meistens nicht nur ein bestimmtes Verhalten. Psychoaktive Stoffe, zu denen auch Appetitzügler zählen, haben oft unerwünschte Nebenwirkungen. Um solche bei der Entwicklung neuer Medikamente auszuschließen, haben Forscher der Universität Zürich und der Harvard University ein neues Testsystem für entwickelt. Davon berichten sie im Fachblatt "Science Advances", wie die Hochschule mitteilte.

Anstatt auf biochemischen Tests wie sonst üblich beruht das neue Verfahren auf dem Verhalten von Zebrafischlarven. Die Forscher um Josua Jordi und Thomas Lutz von der Uni Zürich entwickelten eine Reihe von Tests, um den Appetit der Tiere sowie ihre Reaktion auf Licht, Töne oder einfache Lernaufgaben zu prüfen.

Beispielsweise fütterten sie die Fischlarven mit fluoreszierenden Pantoffeltierchen, um automatisiert zu messen, wie viele davon im Magen der Tiere landeten, also wie groß der Appetit der mit einem Wirkstoff behandelten Larven im Vergleich zu Kontrolltieren war. Die weiteren Tests sollten sicherstellen, dass sich durch den Wirkstoff nicht zugleich andere Verhaltensweisen änderten.

Erste Tests mit Nikotin

Jordi und seine Kollegen testeten das neue System zunächst mit bekannten Wirkstoffen wie Nikotin, wie die Uni Zürich schrieb. So konnten sie zeigen, dass ihr Verfahren die gleichen Ergebnisse liefert wie frühere Studien, nämlich das Nikotin den Appetit bremst und die Aktivität steigert.

Nach diesem Machbarkeitsbeweis nutzten die Forschenden ihr neues Verfahren, um 10.000 kleine Moleküle auf eine Wirkung auf den Appetit hin zu durchforsten. Tatsächlich stießen sie auf 500 Substanzen, die den Appetit der Tiere entweder anregten oder dämpften. Allerdings zeigte die Hälfte dieser Wirkstoffe auch andere Effekte. "Durch die parallele Analyse mehrerer Verhaltensweisen konnten wir schon im ersten Schritt eine große Anzahl von unspezifisch wirkenden Substanzen aussortierten", erläuterte Jordi.

Hinweis auf neue molekulare Mechanismen

Die 22 viel versprechendsten Kandidaten untersuchten die Wissenschafter genauer: Einige setzten zwar bei den gleichen Botenstoffen im Gehirn an, auf die auch bereits bekannte Appetit-regulierende Substanzen abzielen. Die Mehrheit der Wirkstoffe griff jedoch nicht in diese Signalsysteme ein. Dies deute auf neue molekulare Mechanismen zur Regulierung des Appetits hin, sagte Florian Engert von der Harvard University laut der Mitteilung.

In einem weiteren Schritt testeten die Forscher den Effekt der neuen Wirkstoffkandidaten bei Mäusen. Tatsächlich zügelten die Substanzen auch bei diesen das Fressverhalten und hatten im Vergleich zu bekannten Appetithemmern weniger Nebenwirkungen.

Die Wissenschafter zeigen sich überzeugt von ihrem neuen Ansatz und den damit identifizierten Wirkstoffkandidaten. "Soweit wir wissen, gibt es bis jetzt keine ähnlichen psychoaktiven Moleküle, die so stark und spezifisch wirken wie unsere Kandidaten", so Jordi. Er will nun herausfinden, ob sich die Ergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. Dadurch könne sich seiner Ansicht nach die Tür für eine ganze Reihe von klinischen Anwendungen öffnen, zum Beispiel die Therapie von Fettleibigkeit oder Magersucht.

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