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Proben der Probanden wurden auf ihr Mikrobiom untersucht © APA
Proben der Probanden wurden auf ihr Mikrobiom untersucht © APA

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Grazer Pilotstudie: Darmflora hat Einfluss auf Gehirnleistung

15.05.2018

Die Lebensgemeinschaften von Bakterien im menschlichen Darm dürften einen Einfluss auf die Gehirnleistung haben. Das fanden Forscher des Grazer BioTechMed-Forschungsverbundes in einer ersten randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie heraus. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Online-Ausgabe des Journals "Gut Microbes" veröffentlicht.

Der Darm bietet einer Vielzahl von Bakterien ein Zuhause. Dieses Darm-Mikrobiom hilft bei der Verdauung, es steht in Wechselwirkung mit dem Immunsystem und dürfte auch an der Riechfunktion beteiligt sein. Zuletzt stellten Forscher der Uni Graz, der Med-Uni und Technischen Universität Graz in einer Pilotstudie mit 45 gesunden Probanden über vier Wochen fest, dass eine bestimmte Zusammensetzung von Mikroorganismen im Darm das Erinnerungsvermögen sowie emotionale Entscheidungsprozesse positiv beeinflussen kann.

Ein Teil der Probanden erhielt eine Zubereitung aus lebenden Mikroorganismen (Probiotikum), ein anderer Teil ein Schein-Nahrungsergänzungsmittel (Placebo), das dritte Drittel blieb ohne Intervention. Alle Gruppen waren randomisiert, also hinsichtlich Gesundheitsstatus vergleichbar, zusammengestellt. Weder die Probanden noch die Grazer Forscher wussten, welche Person was bekommt (doppelblind).

Gehirnaktivität gemessen

Schließlich mussten die Testpersonen anhand von neutralen und unangenehmen Bildern Wiedererkennungsaufgaben lösen, während ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie gemessen und verortet wurde. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen den Gehirnaktivitätsmustern und der Probiotika-Einnahme: "In den Scans war zu sehen, dass bei den Probiotika-Teilnehmern in den Tests andere Gehirnregionen verstärkt aktiviert wurden", hielt Veronika Schöpf, Professorin für Neuroimaging an der Uni Graz, fest.

Das Drittel, welches das Probiotikum eingenommen hatte, habe bei den Tests zudem eine Trefferquote von 85 Prozent erzielt, während die Placebo- und die Kontrollgruppe eine Richtigkeit von durchschnittlich 70 Prozent aufwies, fasste die Grazer Erstautorin Deepika Bagga, Biophysikerin am Institut für Psychologie der Uni Graz, zusammen. "Tatsächlich konnten wir feststellen, dass jene Teilnehmer, die die Probiotika über vier Wochen genommen hatten, besser bei den Erinnerungs-Test abschnitten und gleichzeitig sicherer in ihren Entscheidungsfindungen waren", schilderte Bagga.

Christina Moissl-Eichinger von der Uniklinik für Innere Medizin der Med-Uni Graz hat die Stuhlproben der Probanden auf ihr Mikrobiom untersucht. Die Gruppe mit dem Probiotikum habe kein komplett unterschiedliches Darm-Mikrobiom gezeigt, allerdings hätten sich die besseren Ergebnisse bei den Erinnerungs- und Entscheidungstest auch in einer anderen Zusammensetzung des Mikrobioms widergespiegelt. Die Erforschung der direkten Zusammenhänge stehe noch am Anfang, wie Moissl-Eichinger hervorhob. Die Ergebnisse würden jedoch jedenfalls eine "Grundlage für zukünftige Untersuchungen zur Rolle der Darmmikrobiota und zur möglichen therapeutischen Anwendung von Probiotika" bieten, wie die Autorinnen festhielten.

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