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Auch der Wille zur Umsetzung von Produkten wichtig © APA (AFP)
Auch der Wille zur Umsetzung von Produkten wichtig © APA (AFP)

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"Humus" und "Pflanzen" für Biotech-Szenerie müssen gefördert werden

03.10.2018

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich in Österreich, speziell in Wien, eine durchaus lebendige Biotech-Szenerie gebildet. Entscheidend dafür sind akademische Forschung, Förderungen und Innovationsgeist. Kommende Woche (11. bis 13. Oktober) findet in Wien das "6. Semmering Symposium" statt, bei welchem die besten Entwicklungsstrategien auf dem Gebiet diskutiert werden sollen.

"Österreich und Wien haben da einiges geschafft. Ich würde Wien bei einer Punktebewertung zwischen Null und zehn auf einen Wert von sieben oder acht einstufen. Die staatlichen und die finanziellen Förderungen für Biotechnologieunternehmen sind gut", sagte der Organisator der Tagung, Alexander von Gabain, gegenüber der APA. Entscheidend aber sei, dass die akademische Forschung und ihre Repräsentanten als Wissenschafter auch bereit seien, Grenzen von der reinen Forschung in Richtung Produktentwicklung zu überschreiten. "Wenn man in einen Humus keine Pflanze steckt, wird daraus nichts."

Über 20 Unternehmen am Biotech-Campus

Alexander von Gabain selbst hat eine sehr umtriebige Vergangenheit. Der Wissenschafter kam ehemals als Mikrobiologe an die Universität Wien. Nach einigen Jahren startete er mit dem Gründungschef des Instituts für Molekulare Pathologie (IMP), Max Birnstiel, das Biotech-Unternehmen Intercell. Dort entwickelte man eines der bisher größten aus Österreich stammenden Biotech-Produkte, eine Vakzine gegen die Japan Enzephalitis (JEV).

"Das Institut für Pathologie als Gründung von Boehringer Ingelheim und Genentech waren der Beginn. Hinzu kamen Institute der Universität Wien inklusive der Max Perutz Laboratories von MedUni Wien und Universität Wien am nahegelegenen Biocenter. Dann kam das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften hinzu. Am Wiener Biotech-Campus haben sich mehr als 20 Biotech-Unternehmen, vor allem Start-Ups aus akademischen Instituten heraus, angesiedelt.

Ein erfolgreiches Unternehmen ist beispielsweise auch Apeiron, an dessen Gründung der ehemalige IMBA-Chef Josef Penninger beteiligt war. Die Europäische Kommission hat im Frühjahr 2018 einen monoklonalen Antikörper des Wiener Unternehmens - Dinutuxumab beta - für die Therapie von Patienten mit Neuroblastom-Erkrankung zugelassen.

Bereitschaft "Grenzen zu überschreiten"

Natürlich sei es gut, wenn ein großer Konzern sich dazu entschließe, an einem Standort einen "Think Tank" - zum Beispiel wie ehemals Boehringer Ingelheim und Genentech in Form des IMP - zu errichten. Aber neben Fördermitteln gehöre für die Entwicklung einer solchen Szenerie auch der Wille bei akademischen Forschern dazu, "Grenzen zu überschreiten", die in Richtung Umsetzung von Forschungsergebnissen für Produkte gehe. Die Vorstände von akademischen Forschungsinstituten sollten nicht erschrecken, wenn auch ihr bester Nachwuchs teilweise in die Industrie und Produktentwicklung gehe.

Bei dem Symposium "Biotech made in Vienna: From Landsteiner to global products for infectious disease control" werden rund hundert internationale Experten Strategien diskutieren, wie man am besten Netzwerke aus exzellenter Wissenschaft und innovativem Unternehmergeist bildet. Einen Hauptvortrag hält der Schweizer Immunologe und Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel. Mit dabei sein wird zum Beispiel Stanley Plotkin, ehemals Entwickler von Impfstoffen am Wistar Institute in Philadelphia (USA), der dann zum Impfstoffkonzern Sanofi Pasteur wechselte.

Service: Symposium im Internet: http://www.viennavaccines.com/

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