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Folgen laut Forschern noch immer unterschätzt © APA (dpa)
Folgen laut Forschern noch immer unterschätzt © APA (dpa)

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Kinder erleben durch Bluttat in Familie schwere Psychoschäden

04.10.2017

Kinder eines vom Partner getöteten Elternteils haben mit weit mehr psychischen Problemen zu kämpfen als bisher vielfach angenommen. Zu diesem Schluss kommen Forscher in einer Studie in den Niederlanden, bei der solche Taten innerhalb von Familien aus den Jahren 2003 bis 2012 analysiert wurden.

Viele der hinterbliebenen Kinder hatten demnach vor der Tat selbst Gewalt erfahren, ein großer Teil erlebte die Tat direkt mit. Für die zehn Jahre Studienzeitraum wurden 137 Fälle erfasst, in denen in Familien in den Niederlanden ein Elternteil durch den jeweiligen Partner getötet wurde. 256 Kinder blieben traumatisiert zurück, meist leiden sie unter starken Entwicklungsstörungen und psychischen Belastungen, wie die Forscher um Eva Alisic vom University Medical Centre Utrecht im Fachmagazin "Plos one" berichteten. Dennoch seien solche Extremfälle bisher kaum wissenschaftlich untersucht.

Zumeist war Mutter Mordopfer

Da es keine offizielle Erfassung gibt, suchten die Forscher die Fälle aus verschiedenen Quellen zusammen. Sie bezogen Daten der Sozialbehörden, der Justiz und Zeitungsartikel ein und rekonstruierten so die Lebensumstände vor der Tat. Der Auswertung zufolge verloren die meisten Kinder (87 Prozent) durch den Mord ihre Mutter. Täter war vorwiegend das andere leibliche Elternteil, in einigen Fällen auch der Lebenspartner des Opfers. Über die Hälfte der betroffenen Kinder stammte aus eingewanderten Familien. Im Mittel waren die Kinder zum Tatzeitpunkt knapp siebeneinhalb Jahre alt. Zehn Prozent der Täter töteten sich innerhalb von 24 Stunden nach der Tat selbst.

Von etwa zwei Dritteln der betroffenen Kinder konnten die Forscher in Erfahrung bringen, wie sie vor der Tat lebten. Fast 70 Prozent waren demnach vor der Tat selbst Opfer von Gewalt in der Familie. Bei weiteren 16 Prozent halten die Wissenschafter dies für wahrscheinlich. Von den Kindern, die sicher Gewalt erfuhren, bekamen 43 Prozent weder psychologische noch soziale Unterstützung. Die Wissenschafter untersuchten auch, inwieweit die Kinder der Tat direkt ausgesetzt waren. Fast 60 Prozent der Kinder hielten sich während der Tat am gleichen Ort auf wie die Eltern. Von ihnen sahen 36 Prozent die Attacke oder fanden die Leiche.

Umstände besser untersuchen

Die Erkenntnisse müssten künftig bei der Betreuung hinterbliebener Kinder berücksichtigt werden, erklären die Forscher. Es solle erfasst werden, inwiefern die Kinder selbst Gewalt erlitten und ob sie die Tat direkt mitbekamen. Oft gingen Verwandte davon aus, das Kind sei zu klein gewesen, um sich zu erinnern oder habe geschlafen. Auch diese Annahmen sollten den Forschern zufolge hinterfragt werden. Zu beachten sei auch, dass jüngere Kinder ein unzureichendes Verständnis vom Tod haben. Grundsätzlich sollten die Umstände und Folgen von derartigen Familiendramen konsequenter untersucht und im Ländervergleich analysiert werden.

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