Medizin & Biotech

APA

Kongress über Dickdarmkrebs in Wien

19.04.2017

In den kommenden Tagen (20. bis 22. April) findet im Hörsaalzentrum im Wiener AKH (MedUni Wien) der 10. Kongress der Europäischen Vereinigung für Kolorektalkrebs statt. In einer Studie haben Wissenschafter vom Comprehensive Cancer Center (CCC) herausgefunden, dass sich die Qualität der für die Früherkennung enorm wichtigen Koloskopien in Österreich erhöht hat.

Die wissenschaftliche Studie von Monika Ferlitsch (Universitätsklinik für Innere Medizin III) beschäftigte sich mit der Entwicklung der Qualität der in Österreich durchgeführten Koloskopien (Darmspiegelungen) zur Entdeckung von (noch) gutartigen Polypen bzw. von Vor- und Frühstadien von Dickdarmkarzinomen und bereits aufgetretenen Erkrankungen in den verschiedenen Stadien. Im Rahmen eines Qualitätssicherungsprojektes waren - auch in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger - die Informationen über 159.246 Koloskopien zwischen 2007 und 2014 analysiert worden. Laut der Expertin konnte dabei aber kein Unterschied zwischen echter Vorsorgeuntersuchung und diagnostischen Koloskopien (bei Verdacht auf Darmkrebs etc.) gemacht werden.

Das Ergebnis: Bei einer steigenden Rate von festgestellten Krebs-Vorstufen, sank die Häufigkeit fortgeschrittener Erkrankungen. "Das Ergebnis belegt, dass sich die Qualität der Vorsorgeuntersuchungen klar verbessert hat", wurde die Expertin in einer Aussendung von CCC, MedUni Wien und AKH zitiert.

Neuerkrankungen und Sterblichkeit gesunken

Gleichzeitig wurde aber auch festgestellt, dass die beobachtete Entwicklung, wonach in den vergangenen zehn Jahren in Österreich die Rate der Dickdarmkrebs-Neuerkrankungen um 20 Prozent und die Sterblichkeit um fast 30 Prozent gesunken sei. "Diese Entwicklung ist vor allem eine Folge der verbesserten Vorsorge durch Darmspiegelungen (Koloskopie) (...)", hieß es weiter.

Dies muss nicht schlüssig sein. "Wir haben bei der Vorsorgekoloskopie eine Beteiligungsrate in der Zielgruppe für die Untersuchung von nur 16 Prozent in Österreich", sagte der Wiener Chirurg und Endoskopie-Gruppenpraxis-Gründer Friedrich Weiser am Mittwoch gegenüber der APA. Die Österreichische Ärztekammer fordert seit Jahren vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger den Aufbau eines flächendeckenden, strukturierten und organisierten Darmkrebs-Vorsorgeprogramms samt Einladungen. Dies funktioniert beispielsweise in Vorarlberg. Laut Österreichischer Krebshilfe sollte jeder Mensch ab dem 50. Lebensjahr alle zehn Jahre zur Koloskopie gehen.

Monika Ferlitsch sprach hingegen von einer Beteiligung von 24 bis 30 Prozent, fügte aber gegenüber der APA hinzu, dass dies "sowohl Vorsorgeuntersuchungen (Untersuchung von Gesunden ohne Symptome; Anm.) als auch diagnostische Untersuchungen (Zuweisung vom Arzt, z.B. wegen Verdachtsmomenten; Anm.)" gewesen seien. Umfassende österreichische Daten könne es nicht geben, solange kein bevölkerungsweites Screening-Programm existiere.

Sie bezeichnete die Formulierung, dass die in Österreich durchgeführten Koloskopien Häufigkeit und Sterberate so deutlich reduziert hätten, als "provokant geschrieben", was vor allem das Ziel gehabt hätte, prinzipiell auf die Bedeutung der Koloskopien hinzuweisen. "Es gibt einige Studien, wonach die Inzidenz (Häufigkeit des Auftretens einer Erkrankung pro Jahr und zumeist 100.000 Einwohner; Anm.) und die Sterblichkeit durch die Koloskopie um 70 Prozent reduziert werden konnte." Das war allerdings nicht Inhalt der von der Wiener Wissenschafterin bereits im Dezember vergangenen Jahres in "Endoscopy" publizierten Studie.

STICHWÖRTER
Medizin  | Gesundheitspolitik  | Wien  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesundheit  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung