Medizin & Biotech

Bei einer kürzeren Therapie entstünden weniger resistente Erreger © APA (dpa)
Bei einer kürzeren Therapie entstünden weniger resistente Erreger © APA (dpa)

APA

Kürzere Antibiotikaeinnahme laut Experten oft genauso wirksam

06.11.2017

Antibiotika auch noch nach Ende der Symptome und stets bis zum Packungsende einnehmen - so lautet die Faustregel. Diese Einnahmeempfehlung ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) überholt. Untersuchungen der vergangenen Jahre lieferten immer mehr Belege, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam sei, erklärte die Fachgesellschaft.

Eine kürzere Therapie habe zudem den Vorteil, dass weniger resistente Erreger entstünden. Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlten, warnten die Experten. Das Vorgehen sollte abhängig von der bakteriellen Infektion und in enger Absprache mit dem Arzt abgesprochen werden. Eine Pauschalisierung, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe, könne für manche Patienten gefährlich sein, warnte die Gesellschaft.

Liegt in der Kürze die Würze?

In den vergangenen Jahren mehrten sich demnach Studien, wonach bei verschiedenen Infektionen kürzere Antibiotikatherapien einer längeren Therapie gleichwertig oder sogar überlegen sind. In Studien erwies sich zum Beispiel bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung eine fünftägige Antibiotikatherapie als ebenso wirksam wie eine zehntägige. Im Fall einer schweren Infektion mit Staphylokokken dagegen müssen Betroffene Antibiotika oft mehrere Wochen lang zu sich nehmen. Hier könnte eine zu kurze Therapie zu Komplikationen führen.

"Viele Jahre ist man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotikatherapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert", erklärte der DGI-Vorsitzende Gerd Fätkenheuer. Dahinter stand der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. Heute sei bekannt, dass je länger die Bakterien dem antimikrobiellen Wirkstoff ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überwiegend gegen das Mittel unempfindliche Erreger überleben.

Mit der am kommenden Montag beginnenden Weltantibiotikawoche will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika aufmerksam machen, um die Ausbreitung von Resistenzen einzudämmen.

STICHWÖRTER
Gesundheit  | Infektionen  | Medizin  | Deutschland  | Köln  | Krankheiten  | Wissenschaft  | Forschung  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung