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Eine einzige fettreiche Mahlzeit kann die Insulinwirkung vermindern © APA (dpa)
Eine einzige fettreiche Mahlzeit kann die Insulinwirkung vermindern © APA (dpa)

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Mensch-Maus-Versuch: Fettes Essen fördert Typ-2-Diabetes

16.06.2017

Bereits eine fettreiche Mahlzeit verändert Stoffwechselabläufe so, dass sie die Entstehung von Typ-2-Diabetes fördern können. Das ist das Ergebnis eines Mensch-Maus-Versuches, bei dem bei Probanden so wie bei den Nagetieren ähnliche Ergebnisse erzielt worden sind. Die Resultate der Studie wurden vor kurzem beim deutschen Diabetes-Kongress in Hamburg präsentiert.

Das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf und das Helmholtz Zentrum in München, beide Partner im Rahmen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), arbeiteten für die Hochfett-Studie eng zusammen. "Die Düsseldorfer Forscher untersuchten die Wirkung einer Hochfettdiät beim Menschen. Am Helmholtz Zentrum München wurden die Untersuchungen parallel im Mausmodell durchgeführt", sagte Martin Hrabe de Angelis, Vorstand des DZD und Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München.

Die menschlichen Studienteilnehmer - gesunde schlanke Männer - bekamen nach dem Zufallsprinzip einmal ein aromatisiertes Palmöl-Getränk, ein anderes Mal ein Glas mit klarem Wasser als Kontrollexperiment zu trinken. Das Palmöl-Getränk enthielt eine ähnliche Menge an gesättigtem Fett wie zwei Cheeseburger mit Speck und eine große Portion Pommes frites oder zwei Salami-Pizzas. Auch die Mäuse erhielten Palmöl. "Dabei zeigte sich sowohl bei den Menschen als auch an den Mäusen, dass diese einzige fettreiche Mahlzeit ausreicht, um die Insulinwirkung zu vermindern, das heißt eine Insulinresistenz hervorzurufen und den Fettgehalt der Leber zu erhöhen", wurde der Experte in einer Aussendung zitiert. Eine Resistenz gegen das körpereigene Insulin ist eine der wichtigsten Merkmale der Stoffwechselveränderungen, die zu Typ-2-Diabetes beitragen.

Expression von Genen dadurch verändert

"Zudem veränderte sich der Energiehaushalt der Leber. Diese Stoffwechselveränderungen gleichen jenen, wie sie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) beobachtet werden", fügte Hrabe de Angelis hinzu. Darüber hinaus wurde im Mausmodell nachgewiesen, dass die Palmölgabe die Expression von Genen verändert, die entzündliche und schützende Stoffwechselwege regulieren.

Für manche Typ-1-Diabetiker - diese Form der Erkrankung entsteht vor allem im jugendlichen Alter und ist mit einem absoluten Zusammenbruch der körpereigenen Insulinproduktion und mit Abhängigkeit von Insulininjektionen verbunden - könnte es in naher Zukunft zu einer besseren Therapiemöglichkeit kommen. In den USA ist bereits ein "Hybrid Closed Loop"-Insulinpumpensystem zugelassen worden. Dabei wird der Blutzuckerspiegel über eine Sonde im Unterhautfettgewebe konstant gemessen, die Pumpe gibt die entsprechende Insulindosis ab. Ganz automatisch ist auch dieses System noch nicht. Olga Kordonouri, Chefärztin am Kinderkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover sagte dazu: "Allerdings bedarf es vom Nutzer zu den Mahlzeiten einer manuellen Eingabe des Insulinbedarfs."

Die Alltags-Anwendung bei jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Diabetes vom Typ 1 im Rahmen einer klinischen Studie habe sich bewährt: "Die Stoffwechsellage der Probanden verbesserte sich signifikant, gleichzeitig sank bei ihnen auch deutlich die Gefahr einer Unterzuckerung." Voraussetzung für eine erfolgreiche Anwendung sei jedoch eine umfassende Schulung der Patienten im Umgang mit der neuen Technologie.

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