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Misteltherapie als komplementäre Krebsbehandlung 100 Jahre alt

11.10.2017

In diesen Tagen feiert die Misteltherapie - als Injizieren eines standardisierten Extraktes der Mistel - in der Krebsbehandlung ihren 100. Geburtstag. Initiiert hatte sie der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner. Wissenschaftliche Studien haben eine Verbesserung der Lebensqualität und in manchen Untersuchungen auch eine Verlängerung der Überlebensdauer der Patienten gezeigt.

"Die Misteltherapie gilt als wahrscheinlich am besten fundierte komplementäre Behandlungsoption bei Krebserkrankungen. Die Studienlage ist relativ klar. Bereits sehr gut dokumentiert ist die Verbesserung der Lebensqualität und die Reduktion der Nebenwirkungen der onkologischen Behandlung wie Chemo- oder Strahlentherapie. Wir sehen in einzelnen Studien einen signifikanten Überlebensvorteil", sagte Leo Auerbach, Gynäkologe und Leiter der Komplementärmedizinischen Ambulanz im Wiener AKH.

Die Effekte dürften sich vor allem auf eine immunologische Wirkung des Extrakts von Viscum album zurückführen lassen. Harald Matthes, Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des Gemeinschafts-Krankenhauses Berlin-Havelhöhe führte bei der Pressekonferenz zahlreiche Belege für die Sicherheit und die Wirksamkeit der Misteltherapie an. Unter 49 nach der schärfsten Methodik klinischer Studien durchgeführten Untersuchungen (randomisiert, verblindet, Placebo-kontrolliert) mit solchen Medikamenten in der Krebstherapie zeigten 18 eine Überlebensvorteil der Patienten, ähnlich viele erbrachten eine längere Krankheitskontrolle. In einer großen Studie in China, wo es Mistelpräparate bis dahin nicht gegeben hatte, kam es unter rund 400 Teilnehmern bei den wirklich Behandelten in etwa zu einer Halbierung der Häufigkeit und der Schwere von Nebeneffekten der verabreichten Chemotherapie.

Eine serbische Studie brachte laut Matthes bei extrem schwierig zu behandelnden Pankreaskarzinomen durch die Misteltherapie allein durch diese Behandlungsform eine Verlängerung der Überlebensdauer der Patienten von durchschnittlich 2,7 (keine Chemotherapie, keine Misteltherapie) Monate auf 4,8 Monate (keine Chemotherapie, aber Misteltherapie). Neue Entwicklungen sind offenbar die intravenöse Gabe von Mistelextrakt-Lösungen oder gar das Injizieren in Tumoren selbst. Matthes fügte hinzu, dass allein durch die bessere Lebensqualität und die Vermeidung von Nebenwirkungen anderer onkologischer Therapien die zusätzliche Behandlung mit einem Mistelpräparat bei Krebspatienten an seiner Klinik im Durchschnitt Kosteneinsparungen um 2.800 bis 3.200 Euro erzielt würden.

Die Plattform Medizin-Transparent.at hält die Misteltherapie bei Krebs in einer im Juni publizierten Einschätzung unterdessen für fragwürdig und verweist auf fehlende Belege. Details sind hier abrufbar.

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