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Wissenschafter testeten die Antikörper bei Mäusen auf ihre Wirkung © APA/IEMM/Münster/HO/Iemm
Wissenschafter testeten die Antikörper bei Mäusen auf ihre Wirkung © APA/IEMM/Münster/HO/Iemm

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Möglicher Schutzfaktor gegen Atherosklerose entdeckt - An Mäusen

12.06.2018

Immunzellen, die Entzündungsreaktionen auslösen, stehen im Verdacht, eine Rolle in der Entstehung von Atherosklerose zu spielen. Wiener Wissenschafter (CeMM, MedUni Wien) haben in Zusammenarbeit mit Experten der Cambridge University an Mäusen einen möglichen Schutzfaktor identifiziert.

Zur Entwicklung von Atherosklerose tragen bestimmte weiße Blutkörperchen, die sogenannten B2-Lymphozyten, bei. Sie sind an inflammatorischen Prozessen beteiligt. Dafür benötigen die Immunzellen ein Molekül, das unter dem Akronym BAFF bekannt ist. Da ein Ausschalten des BAFF-Rezeptors auf der Oberfläche der B2-Lymphozyten der Entwicklung von Atherosklerose in Maus-Experimenten entgegenwirkt, lag die Vermutung nahe, dass ein ähnlicher Effekt eintritt, wenn BAFF direkt angegriffen wird.

Antikörper bei Mäusen getestet

Mit speziellen Antikörpern, die sich zielsicher an BAFF binden, kann das Molekül unschädlich gemacht werden. Diese Antikörper haben Wissenschafter des CeMM (Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) und der MedUni Wien in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge auf ihre Wirkung in der Entstehung von Atherosklerose bei Mäusen getestet - mit überraschendem Ergebnis. Anstatt wie erwartet die Bildung der gefürchteten "Plaques" in den Arterienwänden der Mäuse zu reduzieren, wurden diese Einlagerungen größer. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Circulation" veröffentlicht.

"Wir konnten eindeutig zeigen, dass die B2-Lymphozyten durch die Anti-BAFF-Antikörper nicht mehr überleben konnten und effizient eliminiert wurden", wurde CeMM-Gruppenleiter Christoph Binder in einer Aussendung zitiert. "Zu unserer Überraschung haben sich jedoch die Plaques dadurch sogar vergrößert, was auf eine bisher völlig unbekannte Rolle des BAFF-Moleküls hindeutete. In weiteren Experimenten gelang es uns dann, dieses Phänomen zu erklären".

Die Forscher fanden heraus, dass BAFF auch eine entzündungshemmende Wirkung hat, die sich positiv auf die Plaque-Bildung und das Atherosklerose-Risiko auswirkt. Bei diesem Mechanismus bindet BAFF an einen alternativen Rezeptor (TACI) auf anderen Immunzellen und setzt einen entzündungshemmenden Prozess in Gang. Dieses Ergebnis könnte Implikationen für die Atheroskleroseforschung und -vorbeugung haben: Es gibt zum Beispiel Menschen mit Mutationen in dem Gen für TACI. Sie könnten ein erhöhtes Risiko für Atherosklerose aufweisen.

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