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Frauen sind stärker von Migräne betroffen als Männer © APA (dpa)
Frauen sind stärker von Migräne betroffen als Männer © APA (dpa)

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Monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe zugelassen

02.10.2018

Zur Prophylaxe von episodischer und chronischer Migräne sind jetzt neue Medikamente zugelassen worden. Bei diesen handelt es sich um monoklonale Antikörper, welche die Wirkung des Botenstoffs CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide) blockieren. Studien hätten eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit gezeigt, erklärten deutsche Experten.

Sechs bis acht Prozent der Männer und ca. 20 Prozent der Frauen leiden an Migräne. Von einer chronischen Migräne sprechen Ärzte, wenn ein Patient an 15 und mehr Tagen im Monat über migränetypischen Kopfschmerz berichtet. Bei episodischer Migräne leiden Betroffene in unterschiedlich großen zeitlichen Abständen an bis zu 14 Tagen monatlich unter Migräne.

"Die Ursache der Migräne ist noch nicht bekannt. Eine überzeugende Hypothese ist, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die Migräne auslösen", wurde Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, am Dienstag in einer Aussendung zitiert.

Botenstoff CGRP im Fokus

Bei der Analyse der Stoffe, die den Kopfschmerz auslösen, stießen Forscher auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide), der in der Migräneattacke ausgeschüttet wird. "Der therapeutische Ansatz bestand nun darin, einen Antikörper zu entwickeln, der die Wirkung von CGRP blockiert. Entstanden ist eine ganz neue Medikamentenklasse, die vor allem für die Vorbeugung der Migräne geeignet ist", sagte die Expertin.

Drei CGRP-Antikörper zeigten in Studien, dass sie wirksamer sind als Placebo und zu einer signifikanten Abnahme der Migränetage führen. Alle drei Substanzen, die durch eine Spritze unter die Haut verabreicht werden, führten bereits sehr früh in den ersten vier Therapiewochen zu einem signifikanten Therapieeffekt und waren gut verträglich.

Eines der drei Medikamente (Erenumab) ist bereits für die vorbeugende Behandlung von Migräne bei Erwachsenen auf dem europäischen Markt zugelassen. Die beiden anderen Präparate, Galcanezumab und Fremanezumab, sind bereits in den USA zugelassen.

Wirkstärken nicht vergleichbar

Da sich die Studiendesigns bei den drei untersuchten CGRP-Antikörpern Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab sehr unterscheiden, lassen sich ihre Wirkstärken nicht miteinander vergleichen, teilte die deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft mit. Unter der Behandlung mit Erenumab kam es bei Patienten mit episodischer Migräne und durchschnittlich etwa acht Migränetagen pro Monat zu einem Rückgang um etwa drei Tage. In den Studien zeigten rund 40 Prozent der Patienten eine Besserung der Migräne von mindestens 50 Prozent. Bei der besonders schwer zu behandelnden chronischen Migräne mit durchschnittlich ca. 18 Migränetagen pro Monat gingen die Kopfschmerztage um sechs bis sieben Tage zurück. Eine mindestens 50-prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der Patienten zu verzeichnen.

Unter Behandlung mit Fremanezumab wurde bei der sogenannten hochfrequenten episodischen Migräne mit acht bis 14 Migränetagen pro Monat ein Rückgang um ca. sechs Tage erreicht. Über 50 Prozent der Patienten zeigten eine Besserung um mindestens 50 Prozent. Bei Patienten mit chronischer Migräne gingen die Kopfschmerztage um vier bis fünf Tage zurück. Eine mindestens 50 prozentige Besserung war bei ca. 40 Prozent der Patienten zu verzeichnen.

Verbesserungen durch Galcanezumab

Galcanezumab wurde in den Studien ebenfalls bei der episodischen Migräne eingesetzt. Die Migränetage nahmen - ausgehend von ca. neun Migränetagen pro Monat - im Durchschnitt um ca. vier bis knapp fünf Tage ab und es wurde eine Verbesserung der Migräne um mindestens 50 Prozent bei etwa 60 Prozent der Patienten festgestellt. Bei Patienten mit chronischer Migräne kam es bei durchschnittlich 19 Migränetagen pro Monat zu einer Abnahme um vier bis fünf Tage. Eine mindestens 50-prozentige Besserung trat bei rund 30 Prozent der Patienten ein. Bisher ist nicht bekannt, welche Patienten am besten auf diese Prophylaxe ansprechen.

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