Medizin & Biotech

Kooperationsmeldung

Multiresistente Tuberkulose in Europa

05.01.2017

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) berichtet über eine länderübergreifende Abklärung von 16 Fällen multiresistenter Tuberkulose (MDR TB) bei Personen aus der Region Ostafrika (Somalia, Äthiopien, Eritrea). Untersuchungen mittels Ganzgenom-Sequenzierung zeigten, dass diese Fälle genetisch demselben Tuberkulose-Erreger mit einem bisher unbekannten Resistenzmuster zugeschrieben werden können. Das ECDC hat eine Risikoeinschätzung erstellt und veröffentlicht. Eine Kooperation zwischen den zuständigen Stellen der Öffentlichen Gesundheitsdienste in den involvierten Staaten und den international zuständigen Behörden wurde etabliert.

In der Schweiz wurden bislang sieben Fälle detektiert, sechs Fälle in Deutschland (RKI, Epidemiologisches Bulletin 50/2016), einer in Schweden und zwei Fälle in Österreich. Bisherige epidemiologische Informationen zu Migrationsrouten, Einreise- und Diagnosedatum weisen darauf hin, dass die Tuberkuloseinfektionen wahrscheinlich im Herkunftsland oder auf den Fluchtrouten erworben wurden.

Die Beteiligung Österreichs an dieser Häufung des Auftretens von multiresistenter Tuberkulose wurde erkannt, da in Österreich die AGES von allen Erkrankungsfällen die Tuberkulose-Bakterien zur molekularbiologischen Feintypisierung erhält. Dies geschieht, damit etwaige Ausbrüche möglichst frühzeitig erkannt und gezielt unter Kontrolle gebracht werden. Bei den beiden österreichischen Fällen handelte es sich um zwei somalische Staatsbürger. Die von den zuständigen Gesundheitsbehörden veranlassten Umgebungsuntersuchungen ergaben bisher keinen Hinweis auf eine Weiterverbreitung dieses MDR-TB-Stamms innerhalb von Österreich. Die verpflichtende medizinische Erstuntersuchung für Asylwerber in Österreich beinhaltet eine aktive Abklärung hinsichtlich einer möglichen Tuberkuloseerkrankung.

Die Inzidenz der Tuberkulose in der österreichischen Gesamt-Bevölkerung des Jahres 2015 unterschied sich nicht signifikant von jener des Jahres 2014 (relative Inzidenzänderung: -1,8 %). Von 2008 bis einschließlich 2015 nahm die Inzidenz der Tuberkulose in der österreichischen Gesamt-Bevölkerung jährlich um 0,36 Fälle pro 100.000 Personen ab (Österreichischer Tuberkulose-Jahresbericht 2015). Das Auftreten von multiresistenter Tuberkulose stellt jedoch nach wie vor eine Herausforderung für das öffentliche Gesundheitssystem dar. Zur Stärkung des Problembewusstseins hat die Europäische Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten (ESCMID) unter Mitarbeit der AGES gerade ein Sonderheft zum Thema Multiresistente Tuberkulose herausgegeben.

Weitere Informationen:

Tuberkulose Jahresbericht 2015

Nationale Referenzzentrale für Tuberkulose

Quelle: AGES

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