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Neue Definition: Sarkopenie wird eine klinisch anwendbare Diagnose

04.12.2018

Ein Ende Oktober veröffentlichtes europäisches Konsensuspapier definiert die Muskelerkrankung Sarkopenie neu und liefert zudem eine neue Handlungsanleitung für die Diagnostik mit einfach zu erhebenden Grenzwerten. Sarkopenie sei bisher in der klinischen Praxis häufig übersehen und unzureichend behandelt worden. Mit den neuen Empfehlungen könnte sich das nun ändern.

"Die neue Sichtweise stellt nicht mehr ausschließlich auf das Alter ab, und stellt die Muskelkraft und weniger die Muskelmasse in den Vordergrund. Außerdem bietet der neue Konsensus eine klare Handlungsanleitung für die Diagnostik, mit relevanten, einfach zu erhebenden Grenzwerten", erklärte Michael Quittan, Leiter des Karl Landsteiner Instituts für Remobilisation und funktionale Gesundheit, in einer Aussendung. "Dadurch erhöht sich die Chance, dass Betroffene rechtzeitig eine angemessene Therapie erhalten."

In Anlehnung an die ursprüngliche Sarkopenie-Definition des Ernährungsmediziners Irwin Rosenberg, bezog sich die erste Definition aus dem Jahr 2010 vor allem auf die Muskelmasse. Rosenberg beschrieb die Sarkopenie als einen mit fortschreitendem Alter zunehmenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft und den damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen älterer Menschen. Dieser Zugang ändere sich nun grundlegend, meinte Quittan.

Nun als Muskelerkrankung definiert

Im aktualisierten Konsensuspapier wird ausdrücklich festgehalten, dass sich Sarkopenie bereits in früheren Lebensabschnitten entwickeln kann, und nicht nur mit alten Menschen in Zusammenhang gebracht wird. Sarkopenie wird nun als Muskelerkrankung aufgefasst, wobei die verminderte Muskelkraft im Vordergrund steht. "Dies ermöglicht eine rasche Diagnosestellung in der täglichen klinischen Praxis", so Quittan. Als Muskelerkrankung bekommt Sarkopenie auch einen ICD-Code (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme; Anm.): M 62.5. Aufgrund der Komplexität der Diagnostik sei die Krankheit bisher in der klinischen Praxis häufig übersehen und unzureichend behandelt worden. Die Revision des Experten-Konsensus biete eine klare Handlungsanleitung für die Diagnostik mit relevanten, einfach zu erhebenden Grenzwerten.

Sarkopenie wird nun in primäre und sekundäre Ursachen unterteilt. Eine primäre Sarkopenie ist altersbezogen, sekundäre Sarkopenien treten bei chronischen Erkrankungen, Inaktivität sowie bei Über-, Unter- bzw. Mangelernährung auf. "Gerade die unzureichende Eiweißaufnahme trägt zur Bildung einer Sarkopenie bei", erklärte Quittan. Darüber hinaus wird die Erkrankung in akute Sarkopenie - auftretend bei akuter Erkrankung oder Verletzung - und chronische Sarkopenie, die mehr als sechs Monate dauert, eingeteilt. Neurologische Erkrankungen, Arthrosen sowie Medikamente können ebenfalls zur Entstehung einer Sarkopenie beitragen.

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