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Bisher wird die Diagnose u.a. durch die Analyse von Gewebeproben gestellt © APA (Hochmuth)
Bisher wird die Diagnose u.a. durch die Analyse von Gewebeproben gestellt © APA (Hochmuth)

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Neuer Test für Tumore des Verdauungstrakts

14.06.2017

Viele Krebsarten des Verdauungstrakts lassen sich nur schwer in frühen Stadien entdecken und sind deshalb oft mit einer schlechten Prognose verbunden. Schweizer Forscher haben nun ein Nachweisverfahren vorgestellt, das die Frühdiagnose verbessern könnte.

Zellen sondern mit Signalstoffen gefüllte Bläschen ab, die eine wichtige Rolle für die Kommunikation zwischen Zellen und die Regulation biologischer Prozesse spielen. Auch in der medizinischen Forschung erregen sie großes Interesse. Wissenschafter der Universität Genf gingen mit einer Pilotstudie der Frage nach, ob man anhand solcher "Extrazellulärer Vesikel" in der Galle die Anwesenheit von Tumorzellen nachweisen könnte.

Um diese Frage zu beantworten, haben die Wissenschafter um Jean-Louis Frossard die Anzahl, Morphologie und Größe der extrazellulären Vesikeln in der Galle von Krebspatienten untersucht, hieß es in einer Mitteilung der Universität Genf. Anschließend verglichen sie diese Daten mit Biomarkern, die üblicherweise für die Diagnose dieser Krebsarten verwendet werden.

Die Forscher untersuchten die Konzentration extrazellulärer Vesikel in der Galle von 25 Krebspatienten, darunter 20 mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und fünf mit einer Krebserkrankung der Gallenwege. Die gleiche Analyse führten sie bei Patienten mit anderen Erkrankungen durch, 15 davon mit chronischer Pankreatitis und zehn mit Gallensteinen.

Deutliche Unterschiede

"Die Unterschiede waren so deutlich, dass wir selbst überrascht waren", sagte Studienautorin Annarita Farina. Es habe eine nahezu 100-prozentige Korrelation zwischen der hohen Rate der Vesikel und den Krebsfällen gegeben - so klare Ergebnisse hätten sie nicht erwartet.

Die Konzentration der Vesikel in der Galle war signifikant größer bei den Tumorpatienten. Allerdings war der Unterschied statistisch weniger deutlich, wenn die Bläschen bei den Krebserkrankungen mehr Protein enthielten, berichteten die Wissenschafter unlängst im Fachblatt "Gastroenterology".

"Eine Messung der extrazellulären Vesikel während einer Endoskopie dauert nur wenige Minuten und könnte eine Routineuntersuchung bei Verdacht auf Leber-, Gallen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs werden", fügte Frossard hinzu. Vorausgesetzt, dieses Diagnoseverfahren bewähre sich bei einer größeren Anzahl Patienten.

Bisher wird die Diagnose durch mehrere klinische Untersuchungen, bildgebende Verfahren und Analyse von Gewebeproben gestellt. Die Ergebnisse seien jedoch teils mangelhaft, schrieb die Uni Genf. Je später die Behandlung jedoch begonnen wird, desto geringer sind die Erfolgschancen, da der Tumor Zeit hat sich weiter zu entwickeln und Tochtergeschwüre zu bilden.

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