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Sieben Forderungen gestellt © FOPI/APA/Juhasz
Sieben Forderungen gestellt © FOPI/APA/Juhasz

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Pharmaindustrie fordert von Politik innovations-freundlicheres Klima

24.11.2017

Die multinationalen Pharmakonzerne orten in Österreich ein pharmafeindliches Umfeld. Das Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) fordert deshalb von einer neuen Bundesregierung ein innovationsfreundlicheres Klima. Die sehr große Pharmaindustrie sollte als Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich wahrgenommen werden, sagte FOPI-Präsident Ingo Raimon in Wien.

In einer aktuellen Umfrage bewerten die 27 FOPI-Mitglieder das Innovationsklima in Österreich als nicht zufriedenstellend. Der FOPI-Innovationsklima Index, der seit Mai vierteljährlich erhoben wird, hat sich im November zwar leicht verbessert, liegt auf einer siebenteiligen Skala mit minus 0,55 Punkten aber noch im negativen Bereich. "Die Entwicklung ist nicht zufriedenstellend", sagte FOPI-Generalsekretär Ronald Pichler. Er erhoffe und erwarte sich eine Verbesserung der politischen Großwetterlage.

Nur zwei der acht abgefragten Parameter liegen im positiven Bereich: Die Verfügbarkeit geeigneter Mitarbeiter und die Aus- und Weiterbildung. "Dramatisch besorgniserregend" sei dagegen die Bewertung der Akzeptanz. Das hängt laut Pichler damit zusammen, dass die forschende Pharmaindustrie vorwiegend als Kostentreiber und weniger als Lösungsanbieter gesehen wird. In Österreich sei im Gegensatz zu anderen Ländern mittlerweile eine sachlich geführte und lösungsorientierte Diskussion zwischen Behörden und Industrie nicht mehr möglich. Schlecht bewertet werden von den befragten Pharma-Managern auch die Bedingungen für den Marktzugang (-1,32) und das politische Umfeld (-1,26).

Keine Anerkennung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens

Bemängelt wird von der Pharmaindustrie zudem, dass es keine Anerkennung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens gebe sowie der starke Preisdruck, der trotz der guten wirtschaftlichen Situation der Krankenkasse herrsche. Kritisiert wird auch die Intransparenz des Hauptverbandes (der Sozialversicherungsträger, Anm.) bei der Kostenerstattung.

Die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung (F&E) werden zwar generell eher positiv bewertet, jedoch wird insgesamt keine Wertschätzung von Investitionen in F&E geortet, was auch dem "Finanzierungs-Wirrarr" geschuldet sei. Die Forschungsmilliarde wird als richtiges Signal gesehen.

Zu den sieben Forderungen an die künftige Bundesregierung zählt etwa die Errichtung einer umfassenden und nachhaltigen Nutzenbewertung von Arzneimitteln, die sowohl den individuellen Patientennutzen als auch den volkswirtschaftlichen Nutzen umfassen soll, unabhängig davon, welcher Budgetträger (Bund, Länder, Sozialversicherung) den Nutzen generiert. "Der ökonomische Nutzen entsteht nämlich meistens in anderen Bereichen und nicht dort, wo bezahlt wird", betonte Raimon.

Weiteres fordert Raimon eine "faktenbasierte" Arzneimittelkosten-Betrachtung auf Basis echter Nettobeiträge sowie die Entkoppelung der Ausgaben für die Gesundheitskosten von der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Eingesparte Mittel müssten zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und für die Finanzierung von Innovationen verwendet werden.

Koordinierungsstelle für klinische Studien gefordert

Um Österreich als Standort für Spitzenmedizin abzusichern, sollte zudem eine Koordinierungsstelle für klinische Studien eingerichtet werden. Dabei sollte es um mehr als nur um Grundlagenforschung gehen. Gefordert wird auch die Sicherstellung der ärztlichen Therapiefreiheit und Patienten-Mitbestimmung. All dies soll in einen nationalen Aktionsplan "Patient 2022" münden, zu dem alle Akteure an einem Tisch gebracht werden sollen.

"Die Pharmaindustrie leistet einen großen Beitrag für die Patienten und das Land", so Raimon. Laut dem Forum erwirtschaftet die Pharmaindustrie in Österreich direkt 4,8 Mrd. Euro und schafft im weiteren Sinne 63.000 Arbeitsplätze. 2016 zahlte die Pharmaindustrie 125 Mio. Euro als Solidarbeitrag an die Krankenkassen. Netto lagen die Arzneimittelkosten 2016 unter dem Niveau von 2015, 2017 werde es ein leichtes Plus sein, so Raimon.

Nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa ist laut dem Forum die Forschung und Entwicklung (F&E) aber auch die Produktion im Pharmabereich rückläufig. In Österreich gibt es immer mehr reine Handelsfirmen mit geringer landesinterner Wertschöpfung.

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