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Radon - die unsichtbare Gefahr © APA-Auftragsgrafik/AGES
Radon - die unsichtbare Gefahr © APA-Auftragsgrafik/AGES

Kooperationsmeldung

Radonmessung bald für Arbeitsplätze in Risikogebieten verpflichtend

05.11.2018

Diese Meldung ist Teil einer Medienkooperation mit der AGES

Das radioaktive Gas Radon gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs beim Menschen. Bei schlechter Abdichtung von Hausfundamenten dringt es in Gebäude ein und konzentriert sich in der Raumluft. Noch gibt es in Österreich wenig Bewusstsein für das Problem. Für kommendes Jahr sind deshalb neue gesetzliche Regelungen geplant, teilte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) anlässlich des Europäischen Radontags am 7. November mit.

Konkret soll eine Radon-Schutzverordnung in Kraft treten, die eine verpflichtende Messung an allen Arbeitsplätzen in sogenannten Radon-Schutzgebieten, also Regionen mit einem erhöhten Risiko, vorsieht, erklärte Wolfgang Ringer, Leiter der Abteilung Radon und Radioökologie bei der AGES, im Gespräch mit der APA. Das betrifft sowohl Büroarbeitsplätze, Handel und Gewerbe, als auch Schulen oder Gemeindeämter, die sich im Erd- oder Kellergeschoß befinden. Schon seit 2008 müssen bestimmte Arbeitsplätze - etwa in Wasserwerken, Schauhöhlen und Radonkuranstalten - geprüft werden.

Im Zuge der neuen Verordnung wird auch die österreichische Radon-Risikokarte verbessert, um belastbare und zuverlässige Informationen zu den Schutzgebieten zu haben. Sie gibt Auskunft darüber, wo in Österreich mit erhöhten Radonkonzentrationen in Gebäuden gerechnet werden muss. Derzeit ist das in rund 500 Gemeinden der Fall. Grundlage für die neue Karte sind laut AGES rund 60.000 Messungen. Miteinbezogen werden auch die Daten von Tests, die die Bürger selbst durchgeführt haben. Derzeit wird diese kostenlose Möglichkeit österreichweit von etwa 2.000 Haushalten pro Jahr genutzt. Ergebnis: Rund ein Fünftel liegt über dem Referenzwert.

Dieser Referenzwert wird in der neuen Schutzverordnung einer EU-Richtlinie folgend auf 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) im Jahresdurchschnitt vereinheitlicht, so Ringer. Rund sieben Prozent der österreichischen Haushalte liegen über diesem Wert. Bisher waren 400 Bq/m3 für bestehende Gebäude und 200 Bq/m3 für Neubauten vorgesehen. Laut einer Metastudie ist ab 200 Bq/m3 der Zusammenhang zwischen Radonexposition und Lungenkrebsrisiko klar nachweisbar, erklärte der Experte. Eine Übernahme dieses Wertes in die Radon-Schutzverordnung würde aber zu Problemen führen. Schließlich gebe es in Österreich Gemeinden, in denen die Hälfte der Gebäude Werte von mehr als 200 Bq/m3 aufweist. "Die müssten dann alle saniert werden. Dieser Aufwand ist nicht zu rechtfertigen", erklärte Ringer.

Thema schwierig zu kommunizieren

Außerdem werde es im kommenden Jahr einen nationalen Radon-Maßnahmenplan geben, der alle Themen zum Radonschutz umfasse. Darin sollen Zuständigkeiten, Ziele und Maßnahmen detaillierter festgelegt werden. Thema sei dabei auch die Bewusstseinsbildung, da das Risiko durch Radon zu wenig wahrgenommen werde: "Seit Jahren versuchen wir zu informieren. Aber das ist sehr schwierig, weil Radon keine sichtbare Gefahr darstellt. Man kann es nicht riechen oder schmecken und sieht keine direkten Folgen. Deshalb wird jetzt verstärkt auf die Gesetzgebung und verbindliche Regelungen gesetzt", sagte Ringer.

Die mittlere Dosis der Strahlung, der man in Österreich ausgesetzt sei, liege bei 4,2 Millisievert (mSv) pro Jahr. "Rund die Hälfte wird durch die Inhalation von Radon verursacht, ein Viertel durch die natürliche Gammastrahlung und ein weiteres Viertel entfällt auf die sogenannte zivilisatorisch bedingte Strahlenexposition - überwiegend durch medizinische Anwendungen wie zum Beispiel Röntgen", so der Fachmann.

Was das Lungenkrebsrisiko betreffe, sei Rauchen für rund 85 Prozent der Erkrankungen verantwortlich, Radon hierzulande für zehn Prozent. Etwa 400 Lungenkrebstote werden diesem radioaktiven Element in Österreich jährlich zugeordnet. Laut Ringer gibt es aber etablierte und kostengünstige Maßnahmen, um eine Radon-Belastung in bestehenden Gebäuden zu senken und in Neubauten zu vermeiden. Sie reichen je nach Belastung von verstärktem Lüften bis zu umfangreicheren baulichen Eingriffen. Vorsorge bei neugebauten Einfamilienhäusern kostet laut AGES maximal 1.800 Euro.

Service: AGES-Informationen zu Radon: http://go.apa.at/4F6Jhtce, Radon-Seite des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus: http://go.apa.at/AlyRzv6m, WHO-Handbuch zu Radon: http://go.apa.at/t8nJUnv7

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