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Ein Teilnehmer bei einem Probetraining für Querschnittsgelähmte © APA (Pfarrhofer)
Ein Teilnehmer bei einem Probetraining für Querschnittsgelähmte © APA (Pfarrhofer)

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Rollstuhlfahrer trainierten in Wien mit einem Exoskelett

04.10.2018

Mit der Initiative tech2people hat der Unternehmensberater Gregor Demblin erstmals ein Exoskelett nach Wien geholt, mit dem querschnittgelähmte Menschen wieder aufstehen und einige Schritte gehen können. Demblin, der selbst seit einem Badeunfall 1995 im Rollstuhl sitzt, hat 35 Personen kostenlose Trainings in dieser Woche ermöglich. Am 4. Oktober durften Medienvertreter dabei sein.

Ein Proband war Florian Dungl. Der Herausgeber des Valid Magazins hat nach einem Badeunfall vor elf Jahren zu große unkontrollierte Muskelbewegungen, um dauerhaft alleine zu gehen. Einzelne Schritte am Rollator kann er aber machen. Das erste Training im Exoskelett war für den 32-Jährigen dennoch etwas ganz Besonderes. "Weil ich frei bin, mich nirgends anhalten muss, es ist eine ganz andere Bewegung im positiven Sinne", sagte er.

Maximilian Pölzl hat das Exoskelett schon mehrmals getragen. "Das Tolle daran ist, wieder auf Augenhöhe mit seiner Familie und seinen Freunden zu sein", sagte der 24-jährige Jus-Student. Er sitzt nach einem Unfall vor fünf Jahren im Rollstuhl. Das Exoskelett ist "ein tolles Training für den Körper und für die Muskeln", sagte er. Pölzl zeigte sich auch überzeugt, dass die Kosten für solche Geräte weiter sinken und sich irgendwann alle Betroffenen ein Exoskelett leisten können.

Gerät misst Eigenkraft der Patienten

Doch das Exoskelett hat seine Grenzen. So können nur Personen zwischen 150 und 190 Zentimetern Körpergröße sowie mit einem Gewicht unter 100 Kilogramm damit trainieren. Und das auch nur, wenn ein Physiotherapeut dabei ist und das Gerät von hinten steuert. "Die Schrittauslösung passiert über Gewichtsverlagerung. Wenn ich mein Gewicht nach rechts verlagere, erkennt der Exo das anhand der Drucksensoren an den Fußsohlen und löst dann automatisch den Schritt auf der anderen Seite aus", erläuterte der Physiotherapeut Dennis Veit. Dabei messe das Gerät 500 Mal in der Sekunde, wie viel Eigenkraft der Patient mitbringt, und gibt dann soviel Unterstützung, wie notwendig ist.

Gregor Demblin ist überzeugt vom Exoskelett und hat mit seiner Initiative tech2people auch schon ein weiteres Ziel. "Wir wollen hier ein Zentrum aufbauen, wo es die Möglichkeit gibt, ambulant solche Therapien zu machen", sagte er. Allein im Umkreis um Wien gebe es 10.000 Betroffene, denen man das Exoskelett zugänglich machen müsse. Denn die Trainings seien "körperlich einfach extrem angenehm", sagte er.

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