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Oft überschneiden sich verschiedenen Grundkrankheiten © APA
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Schmerz: "Schneidende" Symptome in der Gesellschaft

09.06.2017

Schmerzzustände als Symptom oder als eigenständige Erkrankung "schneiden" buchstäblich durch die Gesellschaft. "Das trifft weit mehr Menschen als die Patienten selbst", sagte am Freitag Joop van Griensven, Präsident der Europäischen Schmerz-Allianz bei einer Pressekonferenz beim internationalen Symposium der Plattform zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Schmerz (SIP) in Valetta (Malta).

"Chronische Schmerzzustände beeinträchtigen die Lebensqualität des Leidenden schwer. Jeder fünfte Erwachsene in Europa leidet an chronischen Schmerzen. 25 Prozent davon können nicht am gesellschaftlichen Leben voll teilhaben. Das hat körperliche und psychische Auswirkungen - auf den Betroffenen selbst, auf seinen Partner, seine Kinder, die Eltern und Großeltern, die Nachbarn und viele Andere. Es ist Zeit, dass auch die Politik ihre Einstellung zum Problem des chronischen Schmerzes ändert", sagte Griensven.

Studien haben ergeben, dass in Europa etwa 153 Millionen Menschen allein an Migräne leiden. 200 Millionen Personen haben oft schmerzhafte Krankheiten des Bewegungs- und Stützapparates und etwa hundert Millionen Personen leiden an anderen Formen chronischer Schmerzen. Oft überschneiden sich die verschiedenen Grundkrankheiten.

Uneinheitliche Charakteristika

Dabei existiert noch nicht einmal eine offizielle und in Medizin, Politik und Gesellschaft anerkannte Definition, was unter den Begriff "chronischer Schmerz" zu verstehen ist. Der deutsche Experte Thomas Tölle von der Europäischen Schmerz-Föderation (EFIC) legte nun bei einer Plenarsitzung im Rahmen des Symposiums einen Entwurf vor: Chronischer Schmerz kann demnach zusammen mit anderen Krankheiten auftreten, aber auch die einzige Diagnose eines Betroffenen darstellen. Als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen kann der chronische Schmerz aber auch länger anhalten als die Grunderkrankung besteht.

Gerade diese uneinheitlichen Charakteristika führen zu Problemen und zu oft geringer Hilfe für die Patienten. "Wenn ich mit chronischem Schmerz zum Arzt gehe und dann ohne Diagnose heimkomme, reicht mir das nicht aus", sagte Liisa Jutila von der Europäischen Schmerz-Allianz. Zu leicht werde das Problem auch in den Bereich der Psychiatrie geschoben.

Mehr Bildung und Forschung nötig

Die EU will über eine Plattform für alle Beteiligten ein Werkzeug für Kooperation und Informationsaustausch bieten, sagte bei der Pressekonferenz Martin Seychell, Stellvertretender Generaldirektor der DG für Gesundheit und Ernährungssicherheit: "Wir haben viele Vorzeigemodelle. Aber sie 'reisen' nicht. Diese Vorzeigemodelle sollten vergrößert werden. Best Practice-Modelle sollten in Zukunft den Standard ausmachen."

EFIC-Präsident Bart Morlion fasste die Forderungen zusammen: Etablierung einer EU-Plattform zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Schmerzzuständen, Entwicklung von entsprechenden Messinstrumenten, Mittel, um den Einfluss von chronischem Schmerz auf die Beschäftigung zu erfassen, mehr und intensivere Bildung und Ausbildung in Sachen Schmerz sowie mehr Investments in die Forschung. "Studenten der Veterinärmedizin erfahren in vielen Ländern mehr über Schmerz als angehende Humanmediziner", kritisierte Morlion.

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