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Grazer Experte: Giftwirkung nicht gefährlicher als Wespenstich © APA (Naturschutzbund)
Grazer Experte: Giftwirkung nicht gefährlicher als Wespenstich © APA (Naturschutzbund)

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Schmerzvoller Biss: Keine Panik vor Dornfingerspinnen

27.07.2017

Dornfingerspinnen sind in Mitteleuropa die einzigen für den Menschen relevanten Giftspinnen. Die Bisswahrscheinlichkeit liegt laut dem steirischen Naturschutzbund bei rund eins zu einer Million, dennoch wurde unlängst in der Oststeiermark ein Mann gebissen. Ein Biss sei schmerzhaft, aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich, beruhigte Johannes Gepp vom Naturschutzbund.

Sie sind auffällig gelbrot gefärbt, die Männchen tragen einen dornförmigen Sporn am Mundtaster und erreichen ausgewachsen eine Größe von bis zu fünf Zentimetern (mit Beinen gemessen). Einer Dornfingerspinne zu begegnen sei aber "ein ganz seltenes Ereignis", betonte der Grazer Ökologe. Das Nachttier verlasse ihren Kokon tagsüber nahezu nicht, aggressiv seien vor allem die Weibchen und das eigentlich nur Ende Juli bis Ende August, weil sie dann ihre Ei-Gelege verteidigen.

Jährlich zehn Bisse in Österreich

Österreichweit würden jährlich rund zehn durchaus schmerzvolle Bisse bekannt. Demgegenüber gibt es etwa zwanzig mal mehr "befürchtete" Bisse, die sich in Wirklichkeit als fehlgedeutete Bienen- oder Wespenstiche herausstellten. Den Biss erkennt man an den zwei drei bis fünf Millimeter auseinanderliegenden Malen.

Der Vorfall im Wohnhaus eines Mannes in Neustift bei Waltersdorf (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) sei der erste in diesem Jahr in der Steiermark. Die laut Gepp "vermutlich verirrte Spinne" hat den Mann mitten in der Nacht in den Daumen gebissen. Der Naturschutzbund hat den kleinen Gliederfüßler als Ammen-Dornfingerspinne - die dafür bekannt ist, ihren Nachwuchs bis zur Selbstaufgabe zu verteidigen - identifiziert. Diese Tiere kommen besonders gerne in südlagigen Staudenfluren und an Straßenrändern vor. Werden diese gemäht und die Tiere vertrieben, könne es vorkommen, dass die Tiere Wohnhäuser erreichen, so Gepp.

"Menschen werden nur zur Abwehr gebissen, wobei die Spinne nur eine geringe Giftmenge abgibt", schilderte der Ökologe. Der Schmerz entspreche einem Wespenstich, die Bissstelle könne sich mitunter blaurot verfärben, auch kann es zu Schwellungen kommen. Die Symptome vergehen in der Regel jedoch nach einer Stunde bis drei Tagen. "Also bitte keine Panik, vor allem nicht gegenüber den vielen anderen, nicht beißenden rund 1.000 Spinnenarten Österreichs", wie der Zoologe hervorhob.

Kaltes Wasser stillt den Schmerz

Im Allgemeinen reiche es, die Wunde unter laufendes kaltes Wasser zu halten, um den Schmerz zu stillen. Bei anhaltenden Schmerzen empfiehlt Gepp aber, einen Arzt aufzusuchen. Bei empfindlichen Personen können Übelkeit oder Schwindelgefühle auftreten.

Die ursprünglich im Mittelmeerraum beheimateten Dornfingerspinnen sind laut Gepp schon vor Jahrzehnten nach Österreich, die Schweiz und Deutschland eingewandert. Längere Trockenheit wie heuer im Südosten Österreichs und die sehr warmen Junitemperaturen würden das Vorkommen fördern.

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