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Am Forschungslabor an der Grazer Med-Uni wird die Plazenta untersucht © Med Uni Graz
Am Forschungslabor an der Grazer Med-Uni wird die Plazenta untersucht © Med Uni Graz

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Schwangerschaftskomplikationen: Med-Uni Graz verstärkt Forschung

03.12.2018

Von der Einnistung der befruchteten Eizelle bis zur Geburt spielt sie die wichtigste Rolle beim Werden neuen Lebens - die Plazenta. Dennoch ist das Organ und seine Funktionen bis heute nicht vollständig erforscht. Unklar blieb etwa, wie sich Entzündungsprozesse in der Schwangerschaft auf Mutter und Kind auswirken. Das will die Med-Uni Graz unter Zutun von 14 Doktoranden klären.

Die Plazenta versorgt das ungeborene Kind mit Nahrung, regelt den Gasaustausch und sie spielt bei Entzündungsprozessen und Reaktionen des Immunsystems eine Rolle. Nach der Geburt wird das Organ einfach entsorgt - oder es kann mit Zustimmung der Mutter - in ein hochkomplexes Forschungslabor wie an der Grazer Med-Uni kommen. Dort wird etwa die Plazentaperfusion - der Übertritt von Stoffen über die Plazentabarriere - untersucht, wie die Universität mitteilte. Auf die Störung der Plazentaperfusion können viele Schwangerschaftskomplikationen zurückgeführt werden.

Zusammenspiel von Erkrankung der Mutter und Gesundheit erforscht

"In Europa gibt es nur wenige vergleichbare Zentren, die in diesem Bereich arbeiten. De facto ist unser Plazentaperfusionslabor in seiner instrumentellen integralen Gesamtausstattung jedoch einzigartig", beschrieb Christian Wadsack von der Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe die in Graz seit mehreren Jahren erfolgreich laufende Einrichtung. Im neu ins Leben gerufenen Doktoratprogramm "Inflammatory Disorders in Pregnancy" (DP-iDP) soll das Zusammenspiel von entzündlichen Erkrankungen in der Schwangerschaft mit der Plazenta untersucht und besser geklärt werden, wie sich diese entzündlichen Störungen auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirken oder den Verlauf der Schwangerschaft beeinflussen.

Maximal zehn Minuten dürfen vergehen, bis der aus mütterlichem und embryonalem Gewebe bestehende Mutterkuchen aus dem Kreißsaal ins Grazer Plazentaperfusionslabor gelangt. In Graz kann sie dann noch einige Stunden mit einer Nährlösung am Leben erhalten werden, um an ihr Experimente durchzuführen. "Wir simulieren den Kreislauf von Mutter und Kind rund um die Plazenta, um die angeführten Fragestellungen zu untersuchen", schilderte Wadsack. Derzeit haben nur wenige europäische Zentren das Know-how, mit dieser Methode zu arbeiten, in Graz blicken die Forscher auf eine zehnjährige Erfahrung zurück.

Die Wissenschafter haben rund sechs Stunden Zeit, um mit der Plazenta "ex vivo" zu arbeiten. Mit einer eigens an der Med-Uni Graz entwickelten Software können die Forscher stoffwechselbezogene Parameter des Gewebes in Echtzeit verfolgen. Das Doktoratsprogramm wird vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) mit rund 1,8 Millionen Euro unterstützt, die Med-Uni Graz selbst steuert etwa 1,6 Millionen Euro bei. 14 Jungforscher werden in das Ausbildungsprogramm aufgenommen.

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