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Wahrscheinlichkeit zu sterben, liegt um etwa zehn Prozent höher © APA (Fohringer)
Wahrscheinlichkeit zu sterben, liegt um etwa zehn Prozent höher © APA (Fohringer)

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Sterberisiko bei Intensivstation-Aufnahme am Wochenende höher

08.09.2017

Wer am Wochenende auf eine österreichische Intensivstation eingeliefert wird, hat laut einer neuen Studie ein höheres Risiko zu sterben als unter der Woche. Forscher Paul Zajic von der Medizinischen Universität Graz hat das Ergebnis im Online-Fachjournal "Critical Care" veröffentlicht. Mögliche Gründe sind schlechtere personelle Ausstattung und höheres Arbeitspensum.

Das Team um Zajic und Philipp Metnitz, der seit 25 Jahren das dazu gehörende Benchmarking-Projekt leitet, hatten in einer Analyse die Daten von rund 147.000 Patienten ausgewertet. Sie wurden zwischen 2012 und 2015 auf 119 österreichischen Intensivstationen behandelt. Rund 57 Prozent waren Männer, der Altersschnitt lag bei 68 Jahren. Rund 17 Prozent der Patienten - knapp 26.000 Frauen und Männer - wurden an Wochenenden in der Intensivstation aufgenommen.

Insgesamt starben knapp 14.000 der erfassten Patienten noch während ihres teils mehrtägigen Aufenthalts auf der Intensivstation. Menschen, die an einem Wochentag eingeliefert wurden, traf es dabei seltener. Den Zahlen zufolge ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben, wenn man am Wochenende eingeliefert wird, um etwa zehn Prozent höher.

"Das ist nichts zum Fürchten"

Metnitz schilderte im APA-Gespräch, dass dieser "Wochenend-Effekt" nicht neu sei, aber nun neue Daten mit guter Qualität vorliegen. Außerdem betonte er, dass Österreich im Europa-Schnitt eine niedrige Mortalität aufweise: "Das ist nichts zum Fürchten. Wir sind gut, aber man kann sich immer noch Besseres wünschen." Die Studie soll vor allem die Versorgung der Patienten weiter verbessern.

Metnitz zufolge müsse man nun "sachlich diskutieren, was schuld sein kann". Er vermutet, dass es an den Strukturen und der Organisation in den Spitälern liegt: Am Wochenende arbeiten weniger Menschen in den Krankenhäusern. Die Frage sei, ob die laufenden Prozesse "für die heutigen Gesundheitsstrukturen adäquat sind". Er wünsche sich noch mehr Daten, um genauere Rückschlüsse auf die Ursachen ziehen zu können.

Bei der Interpretation der Ergebnisse müsse genau auf die Unterscheidung zwischen dem Wochentag der Einlieferung sowie dem Wochentag des Todes geachtet werden. Die Studie zeigte nämlich zudem auf, dass der Anteil der Patienten, die am Wochenende auf der Intensivstation sterben, geringer ist als an Wochentagen. Das könnte den Forschern zufolge damit zusammenhängen, dass Patienten seltener am Wochenende von der Intensivstation entlassen werden. Dadurch liegen dort am Samstag und Sonntag auch Menschen, deren Sterberisiko vergleichsweise gering ist.

Operationen häufiger tödlich

"Die Schwere der Krankheit und der Grund für die Aufnahme variierten auffallend zwischen Wochenenden und Wochentagen", geht aus der Studie weiter hervor. Samstags und sonntags gab es deutlich weniger geplante Operationen. Diese hatten allerdings häufiger einen tödlichen Ausgang als zwischen Montag und Freitag. "Das höhere Sterberisiko nach Eingriffen am Wochenende könnte am Fehlen von erfahrenen Mitarbeitern oder an zu wenigen Ressourcen liegen."

Die Studienautoren empfehlen den Krankenhaus-Betreibern, ihre Strukturen zu überarbeiten. "Equipment, Expertise und Mitarbeiter müssen in derselben Quantität und Qualität an jedem Tag der Woche zur Verfügung stehen."

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