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Stoffwechselstörungen: Großprojekt untersucht enzymatische Ursachen

20.12.2018

Stoffwechselstörungen, die zu Erkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes bis hin zur nichtalkoholischen Fettleber führen können, bereiten Patienten - und Medizinern - weltweit zunehmend Probleme. Der interuniversitäre Spezialforschungsbereich "Lipidhydrolyse" in Graz und Wien will den enzymatischen Ursachen auf den Grund gehen. Gefördert wird das Vorhaben vom Wissenschaftsfonds FWF.

Lipide (von griechisch lipos "Fett") haben im menschlichen Körper vielfältige Aufgaben: Sie dienen als Energiespeicher, sind aber auch Bausteine für Zellmembranen und Botenstoffe mit hormonähnlicher Wirkung, listete die Grazer Koordinatorin des interuniversitären Exzellenzprojektes "Lipidhydrolyse", Dagmar Kratky, gegenüber der APA auf. Als bioaktive Lipide haben sie auch medizinisch relevante Auswirkungen, da sie beispielsweise Entzündungsprozesse und Krebswachstum beeinflussen können.

Die Lipide werden durch körpereigene Enzyme hergestellt und auch wieder abgebaut. Wenn man wiederum diese Enzyme (Lipasen) kennt, könnte man in die Freisetzung dieser Botenstoffe eingreifen und dadurch unerwünschte Wirkungen wie Entzündungen oder Schmerzen verhindern. Von den Enzymen, die die Bildung oder den Abbau bioaktiver Lipide beeinflussen, sind derzeit jedoch noch viele nicht bekannt oder unzureichend charakterisiert.

Zahlreiche Stoffwechselreaktionen wie etwa die Spaltung der Fette sind wiederum Hydrolysen, also eine Auflösung der biochemischen Verbindung durch Reaktion mit Wasser. Sie laufen in der Zelle unter katalytischer Wirkung von Hydrolasen ab. Diese sogenannten Lipidhydrolasen, die auch als Schlüsselenzyme für Zellwachstum und -vermehrung, zelluläre Signalweiterleitung und Energiestoffwechsel bewertet werden, untersucht das Team, der Forscher der Med-Uni Graz, der Universität Graz und der medizinischen Universität Wien angehören. Funktionsstörungen dieser essenziellen Enzyme können Ursachen vieler häufiger Erkrankungen sein, hob Kratky hervor.

Aufklärung von Erkrankungsmechanismen

Eine Herausforderung sei es alleine schon, alle Lipidhydrolasen zu identifizieren, doch die Forschergruppe geht noch weiter: "Das eingehende Verständnis der Struktur, Funktion und physiologischen Relevanz von Lipidhydrolasen soll einerseits zur Aufklärung von Erkrankungsmechanismen und andererseits zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien führen", schilderte die Forscherin am Gottfried-Schatz-Forschungszentrum der Med-Uni Graz. Insgesamt will man in sieben Subprojekten den Lipidhydrolyse und den dazugehörigen Lipidhydrolasen auf den Grund gehen. Vier Projekte sind an der Uni Graz angesiedelt, zwei an der Med-Uni Graz und eines an der Med-Uni Wien.

Langfristiges Forschungsziel ist die Entwicklung innovativer Therapiestrategien gegen Adipositas, Typ-2-Diabetes, Atherosklerose oder Krebs, wie Kratky schilderte. Den Forschern stehen dafür in den kommenden vier Jahren rund vier Millionen Euro zur Verfügung.

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