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Alter Meningitis-Impfstoff schützt auch vor "Tripper" © APA (AFP)
Alter Meningitis-Impfstoff schützt auch vor "Tripper" © APA (AFP)

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Studie gibt Hoffnung auf Impfschutz gegen Gonorrhö

11.07.2017

Kürzlich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt, dass Gonorrhö wegen Mangels an wirksamen Antibiotika schwer zu bekämpfen ist. Nun hat eine Studie erstmals gezeigt, dass eine Impfung vor der Geschlechtskrankheit schützen könnte. Nach Angaben eines Forscherteams aus den USA und Neuseeland schützt ein alter Impfstoff gegen Hirnhautentzündung auch vor dem Bakterium, das Gonorrhö auslöst.

Für ihre im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie untersuchten die Forscher die Daten von 14.000 Menschen, die zwischen 2004 und 2006 im Zuge einer groß angelegten Kampagne gegen eine Meningitis-B-Epidemie in Neuseeland geimpft worden waren. Dabei stellten sie fest, dass es bei den Geimpften 31 Prozent weniger Gonorrhö-Fälle gab als bei nicht-geimpften Menschen.

Weitere Studien notwendig

"Das ist das erste Mal, dass ein Impfstoff eine Schutzwirkung gegen Gonorrhö zeigte", erklärte die Co-Autorin der Studie, Helen Petousis-Harris von der Universität von Auckland. Obwohl Meningitis und Gonorrhö völlig verschiedene Krankheiten sind, weisen ihre Erreger einige genetische Übereinstimmungen auf. Unklar ist allerdings nach Angaben der Forscher, warum genau der Impfstoff auch bei Gonorrhö - umgangssprachlich auch Tripper genannt - wirkte. Er ist inzwischen nicht mehr erhältlich, doch könnten neuere Impfstoffe nach ihren Angaben einen ähnlichen Effekt haben. Dafür seien aber dringend weitere Studien nötig.

Laut WHO erkranken jedes Jahr 78 Millionen Menschen an der Geschlechtskrankheit. Demnach lässt sie sich nur schwer behandeln, weil die Bakterien rasch gegen Antibiotika resistent werden.

Gonorrhö wird durch ungeschützten Sex übertragen und kann zu Harnwegsentzündungen sowie zur Unfruchtbarkeit führen. "The Lancet" zufolge könnte die Studie einen neuen Weg zur Entwicklung eines Impfstoffs aufzeigen. Dies sei auch nach über hundert Jahren Forschung bisher nicht gelungen, schreibt das Magazin.

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