Medizin & Biotech

APA

Ultraschalluntersuchung - Hoher Wert bei Prostata- und Brustkrebs

30.07.2018

Die nicht-invasive Sonografie-Untersuchung ist laut deutschen Experten von hohem Wert bei Tests auf Prostata- und Brustkrebs. Im letzteren Fall fordert die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) das, was in Österreich seit Jahren der Fall ist: den Einbau der Sonografie in das Mammakarzinom-Screening.

Beim Prostatakrebs gibt es neue wissenschaftliche Untersuchungen mit positiven Ergebnissen zur Genauigkeit dieser Untersuchungsmethode. Eine aktuelle Langzeitstudie zeigt, dass bei 97 Prozent der Patienten, deren Tumor mit einer Kombination aus künstlicher Intelligenz und ultraschallbasierter Biopsie entdeckt wurde, eine so exakte Diagnose gestellt werden konnte, dass sie nach zwölf Jahren entweder keinen Prostatakrebs zeigten oder mit einer entsprechenden Therapie geheilt werden konnten, hieß es jetzt in einer Aussendung der DEGUM.

Exakte Diagnose durch künstliche Intelligenz

Tastuntersuchung, PSA-Bestimmung im Blut und Biopsien sind in Kombination jene Untersuchungsverfahren, die insgesamt die Diagnose auf ein Prostatakarzinom ergeben können. Doch die Sonografie wird immer wichtiger. Wie wirkungsvoll eine frühzeitige Verlaufskontrolle mit transrektalem Ultraschall (TRUS) und die Auswertung durch KI sein kann, hätte eine aktuelle Studie aus dem "World Journal of Urology" (Vol 16; 2018) gezeigt, hieß es jetzt in einer Aussendung der deutschen Fachgesellschaft.

Das Ergebnis: Bei 97 Prozent der Patienten konnte durch eine per künstlicher Intelligenz (KI) gezielte Gewebeprobe eine so exakte Diagnose gestellt werden, dass nach zwölf Jahren entweder kein Prostatakrebs nachgewiesen oder dieser geheilt werden konnte. Diese computergestützte Ultraschall-Diagnostik (ANNA) brachte so exakte Ergebnisse hervor, dass 50 bis 75 Prozent der üblicherweise notwendigen Biopsien nicht mehr durchgeführt werden mussten. Für die Studie wurden 71 Patienten mit Prostatakrebs über einen Zeitraum von zwölf Jahren untersucht.

"Die Verwendung von der Kombination aus Ultraschall und KI ermöglicht eine besonders exakte und zielgenaue Probenentnahme", sagte Tillmann Loch, Leiter der DEGUM-Sektion Urologie von der Urologischen Klinik des Diakonissenkrankenhauses Flensburg. "Dabei führt der Arzt die Biopsie-Nadel gemeinsam mit dem Ultraschallkopf in den Enddarm ein. Mithilfe des Ultraschalls steuert er die Nadel dann ganz gezielt durch die Darmwand in die Prostata." Ein weiterer Vorteil der Methode: Die hohe technische Auflösung des modernen Ultraschalls bringt mittlerweile nicht mehr nur sehr gute Bilder vom Tumor selbst, sondern auch von krebsverdächtigen umliegenden Gebieten ohne Einsatz von schädigenden Strahlen oder eines Kontrastmittels.

Sensible Sonografie erkennt Krebs besser als Mammografie

"Der hohe Mehrwert der Sonografie zur Krebsfrüherkennung ist viel zu wenig bekannt", bemängelte vor kurzem auch DEGUM-Experte Joachim Hackelöer, der unter anderem Professuren für Gynäkologie und Geburtshilfe an Universitäten in Hamburg und Marburg innehatte. In der Gynäkologie geht es um die Frühdiagnose bei Brustkrebs.

In Österreich können die Radiologen im Rahmen des kostenlosen Brustkrebs-Screening, wenn eine Frau ein dichtes Brustdrüsengewebe aufweist, zusätzlich zur Röntgen-Mammografie auch sofort eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung durchführen. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall (DEGUM) fordert jetzt genau das auch für Deutschland. Teilergebnisse im deutschen Brustkrebs-Screening hätten gezeigt, dass bis zu 40 Prozent der Teilnehmerinnen eine hohe Brustdichte (ACR III/IV) aufwiesen. Hier betrage die Treffsicherheit der Mammografie nur 30 Prozent. Aufgrund höherer Sensitivität der Sonografie ließen sich bis zu 45 Prozent mehr Karzinome erkennen und frühzeitig behandeln.

STICHWÖRTER
Medizin  | Deutschland  | Berlin  | Wissenschaft  | Forschung  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung