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Ingrid Flick mit Rektor Markus Müller (M.) und Heinrich Husslein © MedUni Wien/Houdek
Ingrid Flick mit Rektor Markus Müller (M.) und Heinrich Husslein © MedUni Wien/Houdek

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Vielversprechender Biomarker zur Endometriose-Diagnose identifiziert

18.04.2017

Rund 300.000 Frauen sind in Österreich von Endometriose betroffen. Die gutartige, oft chronisch verlaufende Erkrankung kann Schmerzen verursachen und ungewollte Kinderlosigkeit zur Folge haben. An der Medizinischen Universität Wien wurde jetzt ein Biomarker identifiziert, mit dessen Hilfe die Diagnose verbessert werden könnte.

Derzeit dauert es bis zur Feststellung der Krankheit, wofür häufig eine Bauchspiegelung nötig ist, meist mehrere Jahre. Lorenz Küssel und Heinrich Husslein vom Endometriosezentrum der MedUni Wien untersuchten daher, ob sich bestimmte Bindeproteine zwischen den Zellen als Biomarker eignen. Das Ergebnis: Die Adhäsionsmoleküle SVCAM-I (soluble VCAM-I) und SICAM-I (soluble ICAM-I) werden bei Betroffenen deutlich verstärkt ausgeschüttet. Mit einer Sicherheit von knapp 90 Prozent konnte in einer Gruppe von 138 Frauen festgestellt werden, ob eine Endometriose vorliegt. Folgestudien sollen zeigen, ob dieser neue Ansatz zu einer minimal-invasiven Diagnoseoption werden kann.

Bei der Erkrankung tritt Gewebe, das die Innenseite der Gebärmutterhöhle auskleidet, an anderen Stellen des Körpers auf - vor allem im Bereich der Eierstöcke, der Scheide, des Darms, in oder auf der Harnblase, aber auch außerhalb des Becken- oder Bauchraums. Die Endometriose verhält sich dabei wie die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter: Sie wächst und blutet unter dem Einfluss weiblicher Hormone. Typische Symptome sind Regelschmerzen, Schmerzen im Unterbauch, beim Geschlechtsverkehr, beim Entleeren des Darms und der Harnblase. Eine Folge kann Unfruchtbarkeit sein. "Die Lebensqualität der Betroffenen ist dementsprechend stark beeinträchtigt", sagte Husslein. Die Ursache der Erkrankung ist noch ungeklärt.

Die neuen Erkenntnisse seien durch die Forschung in einer eigenen Blut- und Gewebebank möglich geworden, teilte die MedUni kürzlich mit. Dazu beigetragen habe Unterstützung durch die Unternehmerin Ingrid Flick: Das von 2015 bis 2017 angelegte Projekt I.N.G.R.I.D. (Interdisciplinary New Gynecological Research Group In the field of endometriotic Disease) sichere mit einer Förderung im sechsstelligen Euro-Bereich diese Forschung.

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