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Forscher widmen sich Analyse des Virus © APA (dpa)
Forscher widmen sich Analyse des Virus © APA (dpa)

Kooperationsmeldung

Vogelgrippe-Ausbruch: AGES bietet umfassende Informationen

14.11.2016

Die Vogelgrippe oder auch aviäre Influenza oder Geflügelpest wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Erreger sind Influenzaviren, Familie Orthomyxoviridae. Sie werden in Typ A, B und C unterteilt. Beim Influenzavirus A gibt es verschiedene Subtypen, die sich durch verschiedene Oberflächenantigene (Neuraminidase, N und Hämagglutinin, H) ergeben. Als Folge von Genveränderungen entstehen ständig neue Varianten der Grippeviren.

Bisher gibt es 16 Hämagglutinin und 9 Neuraminidase Untertypen. Influenza A-Viren, Subtyp H5 und H7, kommen bei Hühnern, Puten, zahlreichen wildlebenden Vogelarten vor. Enten, Gänse, Tauben und andere Wildvögel erkranken entweder kaum oder zeigen keine Symptome, sind aber für die Erregerverbreitung von Bedeutung. Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

Hämagglutinin bewirkt die Verklumpung von Erythrozyten (= rote Blutkörperchen) und vermittelt bei der Infektion einer Wirtszelle die Anheftung und das Eindringen des Virus. Neuraminidase spielt eine entscheidende Rolle bei der Freisetzung von neuen Viren aus den bereits infizierten Zellen, was zu einem Ausbreiten der Infektion innerhalb des Organismus und auch zu einem Übergreifen der Infektion auf andere Organismen führen kann. Darüber hinaus behindert es die Immunantwort des infizierten Organismus.

Die Influenzaviren vermehren sich im Atmungstrakt. In einer Wirtszelle können bis zu 100.000 neue Influenzaviren gebildet werden Die Wirtszelle stirbt dann ab und die freigesetzten Viren infizieren weitere Nachbarzellen.

Durch Mutationen können sich Wirtsarten und krankmachende Eigenschaften ändern. Eine wichtige Rolle spielt das Hämagglutinin, das vor dem Einbau in neu entstehende Viren durch Enzyme des Wirtes in zwei Untereinheiten gespaltet werden muss, damit diese Viren neue Zellen infizieren können. Für Geflügel nur gering pathogene Virusstämme erzeugen ein Hämagglutinin, das nur von Enzymen des oberen Atmungstraktes gespaltet werden kann, so dass eine Virusinfektion lokal begrenzt bleibt (LPAI-Low Pathogenic Avian Influenza). Bei den HPAI (Highly Pathogenic Avian Influenza) Varianten ist die Spaltung in einer Vielzahl von Geweben möglich. Dies hat zur Folge, dass die Viren im Prinzip alle inneren Organe befallen und zerstören können. Der Subtyp H5N1, der 2006 erstmals in Östereich nachgewiesen wurde, gilt als besonders aggressiv.

H5N8 in Österreich

In den vergangenen zwei Jahren kam es in Europa mehrmals zu Ausbrüchen der hochpathogenen Aviären Influenza (AI) vom Subtyp H5N8 (2014 in Deutschland, den Niederlanden und England, 2015 in Deutschland, im November 2016 in Ungarn, Polen und Deutschland). Gemäß der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) ist eine Übertragung des Virus durch Wildvögel nicht auszuschließen, der Erreger könne daher überall auftreten. Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.

In Österreich wurden Anfang November totes Wassergeflügel (Reiherenten, Tafelenten etc. ) im Bodensee-Gebiet gefunden. Ging man zuerst von einem Vergiftungsverdacht aus, ergaben die Untersuchungen am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen der AGES in Mödling den Nachweis von AI-Virus des Subtyps H5N8. Am 09.11.2016 wurde ein erster Verdachtsfall bei Hausgeflügel in Vorarlberg gemeldet. Am 11.11.2016 wurde das Auftreten von hochpathogenem H5N8-Virus in einem Freiland-Putenmastbetrieb am Bodenseeufer in Vorarlberg bestätigt. Eine weiterer Verdachtsfall wird untersucht.

11.11.2016: BMGF: Bestätigung von Geflügelpest (Aviäre Influenza Subtyp H5N8) in einem Hausgeflügelbetrieb

11.11.2016: Erläuterungen zur aktuellen Geflügelpest-Verordnung

09.11.2016: BMGF: Aktuelle Information zur Geflügelpest am Bodensee

08.11.2016: BMGF: Vogelgrippe-Fälle am Bodensee in Vorarlberg nachgewiesen

Die Untersuchungen haben ergeben, dass es sich bei dem AI-Virus H5N8 um einen für die Tiere hochpathogenen Typus handelt. Somit ist erstmals seit 2006 wieder ein hochpathogener Virustyp der Aviären Influenza in Österreich aufgetreten (2006 handelte es sich um H5N1).

Die Unterscheidung in hochpathogene und niedrigpathogene AI-Typen bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln: während niedrigpathogene AI-Typen keine oder nur milde Symptome verursachen, kommt es bei hochpathogenen AI-Typen zu schweren Krankheitsverläufen und hohen Sterberaten.

Am Nationalen Referenzlabor für Aviäre Influenza werden Proben serologisch, mittels Hämagglutinationshemmungstest (HAH), über Real Time RT - PCR, Sequenzierung und mit Eikultur untersucht:

Hämagglutinationstest: Spezielle Antikörper verhindern die vom Virus verursachte Blutgerinnung. Auf diese Weise können spezifisch einzelne Virus-Stämme bestimmt werden.

Real-Time RT-Polymerase-Chain-Reaction (PCR) und Sequenzierung: AI Virus-Genabschnitte werden detektiert und es kann direkt typisiert werden, ob ein H5 oder H7 Typ vorliegt. Mittels Sequenzierung kann der Pathotyp des Virusstammes (hoch- oder niedrigpathogen) bestimmt werden.

Eikultur: Aus den Proben wird eine potenziell infektiöse Impflösung hergestellt, mit der dann garantiert virenfreie Hühnereier beimpft werden. Diese Eier werden mindestens fünf Tage lang bebrütet. Sind hochpathogene aviäre Influenza-Viren vorhanden, sterben die Embryos in den Eiern ab.

Überwachung Aviäre Influenza in Österreich

Österreich ist seit 2002/2003 in ein europaweites AI-Screeningprogramm eingebunden, das aus einem aktiven und einem passiven Teil besteht:

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 3.701 Blutproben auf Antikörper gegen AI untersucht - 3.588 Proben mittels ELISA und 113 Proben mittels Hämagglutinationshemmungstest (HAH). 32 Proben wurden auf Virusvermehrung in der Eikultur untersucht und 137 tote Wildvögel, 228 Tupfer von Wildvögeln und 63 Geflügel- und sonstige Vogelproben in der Real Time RT - PCR auf Virusgenomabschnitte.

Im aktiven Surveillanceprogramm gelangte im Jahr 2015 Schlachtblut von 1.250 Legehennen aus 125 Betrieben (davon 62 Freilandhaltungen), 280 Huhn-Elterntieren aus 28 Elterntierbetrieben, 530 Mastputen aus 53 Betrieben, 1.320 Gänsen und Enten aus 74 Betrieben und 74 Straußen aus 15 Betrieben zur serologischen Untersuchung. Es konnten keine Antikörper gegen die AI nachgewiesen werden. 2016 wurden bis jetzt 2.397 Blutproben von Wirtschaftsgeflügel aus 215 Betrieben auf AI-Antikörper untersucht, alle Proben waren negativ.

In der passiven Überwachung 2015 wurden 137 Proben von tot aufgefundenen Wildvögeln mittels Real Time RT - PCR untersucht. Kottupfer von 228 Wasservögeln wurden zum Virusnachweis mittels real time RT - PCR untersucht. Bei 5 toten Wasservögeln konnte Genom von nicht pathogenen AI Viren festgestellt werden. In Rahmen der passiven Überwachung 2016 wurden bis Anfang November 65 Proben von tot aufgefundenen Wildvögeln molekularbiologisch untersucht. Kottupfer von 180 Wasservögeln wurden zum Virusnachweis genauso untersucht. Darin enthalten sind 172 Tupferproben der Sentinel-Enten aus dem Constanze Projekt im Bodenseeraum - hierbei wurde Aviäres Influenzavirus vom Subtyp H5 bzw. H7 in keiner Probe nachgewiesen.

In einer aktuellen Einsendung wurde nunmehr ein Aviäres Influenza Virus H5N8 detektiert.

Weitere Informationen: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/vogelgrippe/tab/1/

Quelle: AGES

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