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Vor 50 Jahren: Erste Herztransplantation 2 - Weltweiter Erfolg

27.11.2017

Schon der zweite Patient von Christiaan Barnard mit einer Herztransplantation, Philip Blaiberg, hatte 20 Monate überlebt. Doch der eigentliche Boom kam erst mit Cyclosporin A. Die Patienten überlebten länger, hatten weniger Nebenwirkungen und eine bessere Lebensqualität.

Während 1981 weltweit 90 Herzen transplantiert wurden, sprang die Zahl im Jahr 1985 auf über 1.000. Bisher erhielten rund 130.000 Menschen ein Spenderherz. In Österreich wurde die erste Herztransplantation am 11. Oktober 1983 von Raimund Margreiter 1983 in Innsbruck durchgeführt. Es handelte sich dabei um einen Eingriff in "Huckepackherz"-Form, bei dem das kranke Herz im Körper belassen wird und das neue dazu implantiert wird. Das Wiener AKH folgte Anfang März 1984 mit einem Team des Chefs der damaligen II. Chirurgischen Universitätsklinik, Ernst Wolner, und mit Axel Laczkovics als Operateur.

Wolner sagte später zu seinen Erwartungen, als er von der revolutionären Operation durch Christiaan Barnard erfahren hatte: "Wir haben alle geglaubt, dass sich diese Eingriffe durchsetzen werden. Nur waren wir damals viel optimistischer. Wir haben geglaubt, man wird recht bald die Abstoßungsreaktion beherrschen können. Und dann haben wir uns vorgestellt, dass man womöglich die Transplantation des Herzens in einer Zeit gar nicht mehr benötigen würde. Wir haben nämlich geglaubt, es werde ein atomgetriebenes Kunstherz geben."

Überlebensdauer wurde immer länger

Im ersten Jahr des Programms in Wien wurden drei Patienten transplantiert, von denen einer mehr als zwei Jahre überlebte. Doch bereits 1985 wurden bereits 13 Patienten transplantiert von denen heute noch drei nach 32 Jahren leben. Alle erfreuen sich laut dem Wiener Herztransplantationsteam weiterhin einer sehr guten Lebensqualität.

In den folgenden Jahren stiegen die Transplantationszahlen rasant an, sodass Anfang der 1990er-Jahre bereits fast hundert Patienten jährlich in Wien ein Spenderherz erhielten. Unter der Leitung von Günther Laufer (Leiter des Programms 1992 bis 2000) wurde Wien zu einem der größten und innovativsten Zentren Europas. Das erste Kind wurde in Wien 1985 transplantiert, der erste Patient mit einer Überbrückung durch ein Kunstherz im Jahr 1986. Die Überlebenszahlen erhöhten sich ständig. Die Zehn-Jahres-Überlebensraten stiegen von knapp 50 Prozent (Zeitraum 1984 bis 1991) auf 60 Prozent (1991 bis 2005) und auf heute 70 Prozent.

Österreich hat auf dem Gebiet der Organtransplantationen aufgrund der österreichischen Gesetzeslage einen Vorteil gegenüber anderen Ländern. Die Widerspruchsregelung - Organe dürfen von Gehirntoten entnommen werden, wenn kein dokumentierter Widerspruch dazu vorliegt - wurde bereits 1982 im Krankenanstaltengesetz (Paragraf 62) gesetzlich eingeführt und hat Österreich eine im weltweiten Vergleich sehr hohe Transplantationszahl gebracht. Damit konnten kürzere Wartezeiten auf ein Spenderherz erreicht werden (sechs bis neun Monate).

Bisher mehr als 1.500 Herztransplantationen in Wien

Den größten Anteil der Herztransplantationspatienten machen Kranke mit schwerstem Herzversagen vor allem durch sogenannte Kardiomyopathien aus. Dann kommen mit 30 Prozent bereits Patienten mit schwerster koronarer Herzkrankheit als Grunderkrankung. In Österreich wurden 2016 exakt 57 Herztransplantationen durchgeführt. Etwa genau so viele Patienten befanden sich auf der Warteliste.

2017 überschritt man in Wien die Zahl von 1.500 solcher Operationen. Durch bessere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei schwerer chronischer Herzinsuffizienz gelang es in der jüngeren Vergangenheit einerseits, den Bedarf für diese Operationen zu senken, andererseits durch verschiedenste Maßnahmen inklusive dem Einsatz von Kunstherzen die Sterblichkeit auf der Warteliste auf unter zehn Prozent zu senken.

Christiaan Barnard, der 1983 wegen chronischen Gelenksrheumas das Operieren aufgeben musste, machte übrigens im Jahr 2000 als Patient Bekanntschaft mit den Chirurgen des Wiener AKH: Nach einem Sturz und einem Oberschenkelhalsbruch des linken Beins verschraubten die Unfallchirurgen Oberschenkel und abgebrochenen Gelenkskopf wieder. "Ich kann das AKH als Spital nur empfehlen", sagte er kurz nach der Operation gegenüber der APA. Der weltbekannte Chirurg erlag am 2. September 2001 im Alter von 78 Jahren in Zypern einem Herzinfarkt.

Die Entwicklung der chirurgischen Techniken rund um die Herztransplantationen geht weiter. So erlaubt zum Beispiel ein "Organ Care System" sogar den Transport des schlagenden Spenderorgans statt im Ruhezustand in einer Kühlbox. Damit wird die Zeit mangelnder Sauerstoffversorgung (Ischämie) stark reduziert, die Transportwege können länger werden, die Spenderorgane kommen in einem besseren Zustand an. Die Klinische Abteilung für Herzchirurgie von Wiener AKH und MedUni Wien feiert den Jahrestag der ersten Herztransplantation am 1. Dezember mit einem Jubiläumssymposium.

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