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Barnard zwei Tage nach der ersten Herztransplantation © APA (dpa)
Barnard zwei Tage nach der ersten Herztransplantation © APA (dpa)

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Vor 50 Jahren: Erste Herztransplantation durch Christiaan Barnard

27.11.2017

Es war eine Sensation. Am 3. Dezember 1967 führte der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard am Groote-Schuur Hospital in Kapstadt in Südafrika die erste Herztransplantation durch. Rund 130.000 solcher Eingriffe wurden seither weltweit vorgenommen. Bei Zehn-Jahres-Überlebensraten von mittlerweile um die 70 Prozent haben sie vielen schwerstkranken Herzpatienten geholfen.

"Die Geschichte der Herztransplantation beginnt im 19. Jahrhundert durch Alexis Carrel, der als erster Chirurg Blutgefäße erfolgreich nähen konnte und danach versuchte, Organe bei Tieren an den Hals zu transplantieren. 1912 wurde ihm für diese Forschung der Nobelpreis verliehen. Ein weiterer Nobelpreisträger, der für die Transplantation Pionierarbeit geleistet hat, war der Wiener Karl Landsteiner, der die Blutgruppen entdeckte (Nobelpreis 1930; Anm.). Es dauerte bis in die 1950er/1960er-Jahre, in denen die chirurgische Technik der Herztransplantation, unter anderem von Wladimir Demichow (Sowjetunion) und Norman Shumway (USA), weiterentwickelt wurden. 1964 wurde das erste Mal überhaupt eine Herztransplantation an einem Menschen durchgeführt. Ein Schimpansenherz wurde in einen Menschen transplantiert, der Patient überlebte die Operation allerdings nicht", schrieb aus Anlass des Jubiläums der Leiter des Herztransplantationsprogramms an der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie von MedUni Wien und AKH, Andreas Zuckermann, zu der Geschichte.

Sensation trotz Tod nach 18 Tagen

Am 3. Dezember 1967 war es soweit. Die Operation wurde fast im Verborgenen durchgeführt. Es gab nicht einmal Fotos von dem Eingriff. "Das Entscheidende war damals nicht die Operation selbst, sondern die Fortschritte in der Herzmedizin, welche die Transplantation möglich machten", berichtete etwas mehr als 30 Jahre später Christiaan Barnard bei einem Vortrag in Wien. Dazu hätte die Entwicklung der Herz-Lungenmaschine gezählt, welche ein Stilllegen des Herzens ermöglichte, ohne schwere Organschäden zu verursachen.

Der Patient, Louis Washansky, überlebte nur 18 Tage und verstarb an einer Infektion. Trotzdem war der Eingriff eine Weltsensation. "Aus heutiger Sicht war der Patient für die Operation zu krank", sagte Barnard in Wien, der durch die Operation über Nacht zu einem weltweit bekannten Mann geworden war. Bis Anfang der 1970er-Jahre wurden bereits mehr als hundert Herztransplantationen durchgeführt. Allerdings waren die Erfolge bescheiden. Die Überlebensrate im ersten Jahr war deutlich unter 50 Prozent, viele Patienten verstarben entweder an unbeherrschbaren Abstoßungsreaktionen oder an den Folgen von schweren Infektionen aufgrund zu hoher Immunsuppression.

Fast alle Spezialisten wandten sich von der Operation ab. Es verblieben nur drei Zentren weltweit, die im Bereich Herztransplantation forschten. Neben Kapstadt waren noch La Pitie (Paris) und die Stanford Universität (USA) weiterhin aktiv und konnten langsam die Ergebnisse verbessern. Trotz verbesserter Diagnosemethoden und mehr Erfahrung mit der medikamentösen Therapie setzte sich die Transplantation aufgrund der schlechten Ergebnisse bis zum Beginn der 1980er-Jahre nicht durch.

Im Jahre 1981 kam es zum lang ersehnten Durchbruch. Zehn Jahre zuvor war in Norwegen ein Schlauchpilz entdeckt worden. Ein Mitarbeiter des Schweizer Pharmakonzerns Sandoz (nunmehr Novartis) brachte ihn nach seinem Urlaub in die Schweiz mit. Wissenschafter entdeckten, dass der Pilz eine immunsuppressive Substanz produzierte. Nach zehn Jahren intensiver Forschung wurde das Medikament Cyclosporin A erstmals bei einem herztransplantierten Patienten in Stanford zur Beherrschung der Abwehrreaktion verwendet. Das Medikament brachte plötzlich Organtransplantationen insgesamt zum Funktionieren.

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