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West Nil Virus - Situation in Österreich

10.05.2017

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West Nil Fieber zu erkranken, ist derzeit noch sehr gering. In Österreich wurden bislang (Stand Mai 2017) insgesamt 17 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle dokumentiert. Es gab bislang keinen Todesfall beim Menschen.

Im Rahmen einer rückblickenden Untersuchung waren im Jahr 2012 erstmals Fälle von in Österreich erworbenem West Nil Fieber bei drei PatientInnen dokumentiert worden (zwei im Jahr 2009, einer im Jahr 2010) [Aberle S, Heinz FX (2012) West Nil Virus Infektionen in Österreich. Virusepidemiologische Information Nr. 12/12. Verfügbar über: http://www.virologie.meduniwien.ac.at/fileadmin/virologie/files/Epidemiologie/2012/1212s.pdf, abgefragt am: 9. Mai 2017]. Im Jahr 2012 wurden zwei aus Serbien "importierte" Erkrankungsfälle festgestellt. In den Jahren 2011 und 2013 gab es in Österreich keine Humanerkrankungen an West Nil Fieber.

Im Jahr 2014 wurde West Nil Virus erstmalig bei einer Blutspenderin diagnostiziert. 2015 fanden sich acht Fälle, darunter fünf Blutspender [Céline M Gossner CM, Laurence Marrama L, Marianne Carson M, Franz Allerberger F, Paolo Calistri P, Dimitrios Dilaveris D, Sylvie Lecollinet S, Dilys Morgan D, Norbert Nowotny N, Marie-Claire Paty M-C, Danai Pervanidou D, Caterina Rizzo C, Helen Roberts H, Friedrich Schmoll F, Wim Van Bortel W, Andrea Gervelmeyer A. West Nile virus surveillance in Europe: moving towards an integrated animal-human-vector approach. Eurosurveillance, Volume 22, Issue 18, 04 May 2017. Verfügbar über: http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22789, abgefragt am 9. Mai 2017]. 2016 wurden sechs humane Infektionen dokumentiert, darunter vier bei Blutspendern.

Im August 2008 wurde in Österreich erstmals bei Greifvögeln in Niederösterreich eine West Nil Virus-Infektion mit der Genotypenlinie 2 nachgewiesen. Im August 2016 wurde in Wien der erste klinische Fall einer Pferde-Enzephalomyelitis durch WNV dokumentiert. Im selben Stall wurde das Virus auch in untersuchten Gelsen nachgewiesen. Die Hauptsymptome bei Pferden sind Fieber und neurologische Symptome wie diffuse Enzephalitis bzw. Enzephalomyelitis mit Ataxie und Parese. Koma und Tod sind oft die Folge. Die Morbiditätsrate bei Pferden ist relativ hoch. 20-43 % der infizierten Pferde zeigen neurologische Symptome. 25-45 % der infizierten Tiere können sterben; der erste fatale Verlauf wurde im Herbst 2016 bei einem Pferd in Niederösterreich dokumentiert. Bei Hunden und Katzen ist der Verlauf der Infektion in der Regel symptomlos. Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einzige Mittel zur Prophylaxe von WNV-Infektionen.

Das West Nil Virus wird von einer für Flaviviren ungewöhnlich großen Zahl an Stechmückenarten übertragen. Als mögliche Vektoren kommen eine Vielzahl verschiedener Mückenarten in Frage, vor allem die Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus. In der Gattung Culex sind dies vor allem Culex pipiens, C. quinquefasciatus, C. molestus, C. restuans, C. salinarius und C. tarsalis. Heimische Gelsen haben bereits wiederholt bewiesen, dass sie West-Nil-Fieber in Österreich übertragen können [Kolodziejek J, Seidel B, Jungbauer C, Dimmel K, KolodziejekM, Rudolf I, Hubálek Z, Allerberger F, Nowotny N. West Nile Virus Positive Blood Donation and Subsequent Entomological Investigation, Austria, 2014. PloS One. 2015; 10(5): e0126381. Verfügbar über: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4427133/, abgefragt am 9. Mai 2017].

Culex pipiens, als Parasit von Vögeln und Mensch, ist in Österreich der wichtigste Vektor in der Übertragungskette vom Vogel zum Mensch. Das Virus kann in dieser "Hausgelse" den Winter überdauern und im Folgejahr im Frühling einen Vermehrungszyklus in der Mücke durchmachen. Stechmücken der Gattung Culex verbringen den Winter in geschützten Räumen wie Kellern, Scheunen, Tunneln und Höhlen. Nach 10-15 Tagen Inkubation in der weiblichen Mücke wird das West Nil Virus durch Stechen weitergegeben. Entsprechend hohe Temperaturen gelten als eine Voraussetzung für das Vorkommen in Europa: Während der Virustiter im Insekt bei 18 °C nur langsam steigt, vermehrt sich das Virus bei 30 °C rasch und die Übertragungswahrscheinlichkeit ist hoch.

Erstmals 1937 aus dem Blut einer fieberhaft erkrankten Frau im West Nil District von Uganda isoliert, kam das West Nil Virus vor 1999 nur in Afrika und Teilen Asiens und Südeuropas vor. Im Jahr 1999 kam es zum Auftreten von Enzephalitis-Fällen bei Menschen, Hunden, Katzen und Pferden in Nordamerika 1999 durch West Nil Virus der Genotypenlinie 1. Das Virus breitete sich seitdem auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent aus; es wurde mittlerweile in den Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, der Karibik, sowie in Mittel- und Südamerika isoliert.

In Europa findet sich vor allem das West Nil Virus der Genotypenlinie 2. Neben sporadischen Infektionen in Süd-, Mittel- und Osteuropa hat es einige größere lokale Ausbrüche gegeben, z. B. 1996 in Bukarest (393 Erkrankungen, 17 Todesfälle), 1999 in Volgograd (826 Erkrankungen, 40 Todesfälle) und 2010 in Nord-Griechenland (262 Erkrankungen und 35 Todesfälle).

Die Erkrankung: West Nil Fieber

Etwa 80 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch. Nur 20 % der erkrankten Patienten zeigen eine grippeähnliche Erkrankung mit plötzlichem, hohem Fieber (= leichtes West Nil Fieber), Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Symptomen, eventuell Schnupfensymptomen, Lymphknotenschwellungen und Hautflecken. Die Inkubationszeit beträgt 2-8 Tage. Innerhalb von 7-10 Tagen erfolgt meist ein Abklingen der wichtigsten Symptome.

In Einzelfällen (bei 0,7 %) kommt es zur West Nil Meningitis oder Enzephalitis. Neuroinvasive Störungen mit Bewusstseinstrübung, Koordinationsstörungen, Schluckbeschwerden, extreme Müdigkeit und Schwindel kombiniert mit Verhaltens- und Persönlichkeitsänderungen sind typische Anzeichen. Hepatitis, Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Nephritis (Entzündung der Niere), Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsen-Entzündung) und Splenomegalie (Vergrößerung der Milz) gekoppelt mit einer langen Rekonvaleszenz sind die Folge. Immunschwache Patienten und Personen über 50 Jahre haben ein höheres Risiko, die schwere Form der Krankheit zu entwickeln. Dort, wo im Ausland Ausbrüche mit West Nil Fieber auftraten, hat sich gezeigt, dass einerseits Personen im Alter von über 50 Jahren und andererseits Personen, die sich viel im Freien aufhalten, überdurchschnittlich oft betroffen waren.

Wie vermeide ich Mückenstiche

Hausgelsen sind so genannte "Kulturfolger", ihre Brutstätten befinden sich in unmittelbarer Umgebung menschlicher Behausungen; erwachsene Stechmücken bleiben im Umkreis bis zu 200 Meter. Hier liegt auch der erste Ansatzpunkt bei ihrer Bekämpfung: Jede/r Einzelne kann dafür sorgen, mögliche Brutstätten für Gelsen gar nicht erst zuzulassen: Regentonnen, mit Wasser gefüllte Hundeschüsseln, Blumentopf-Untertassen, also Behältnisse mit Wasser sind ideale Brutstätten für Mücken. Werden diese Vermehrungs-Plätze nicht geboten, wachsen auch die Populationen nicht so stark. Der Folder "Helfen Sie mit, die Gelsen einzudämmen" zeigt einfache aber wirksame Maßnahmen gegen Gelsen. Stechmücken sind nicht nur schmerzhaft und lästig, sie können auch Krankheitserreger übertragen: In Österreich ist dieses Risiko sehr gering, bei Urlaubsreisen kann es allerdings erhöht sein. Daher sollte man Vorbeugemaßnahmen gerade bei Reisen beherzigen.

- Im Freien Insektenrepellentien auftragen: Schweiß und Kohlendioxid (der Atemluft) ziehen Stechmücken an.

- Bei Stechmückenplage langärmelige Bekleidung tragen. Das gilt besonders in der Dämmerung, da viele Mückenarten in dieser Zeit aktiv sind.

- Fenster und Türen mit Mückennetzen abdichten. Wenn viele Stechmücken unterwegs sind, helfen zusätzliche Moskitonetze über dem Bett. Lassen Sie die Schlafzimmerfenster notfalls nachts geschlossen.

- Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. In der eigenen Umgebung kann man die Gelsenmenge reduzieren, indem man zum Beispiel Regentonnen abdeckt und in Vogeltränken/Hundetränken zumindest wöchentlich das Wasser wechselt.

- Bei Bauvorhaben ist die Stechmückenproblematik zu berücksichtigen. Falsch konzipierte Raumplanungs- und Wasserbauprojekte können zu Massenvermehrungen von Stechmücken führen.

- Im Bereich der Landschaftsplanung sind Maßnahmen zur Eindämmung der Vermehrung von Stechmücken wie Reduktion von Nistplätzen oder - in besonderen Situationen - die gezielte Einbringung von Mitteln gegen Larvenbildung in Wasser-Reservoirs sinnvoll.

Information für TierhalterInnen: Was kann ich tun, um Mückenstiche zu vermeiden: https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/tiere/wnv.html

Weitere Links unter https://www.ages.at/service/service-presse/pressemeldungen/west-nil-virus-situation-in-oesterreich/

Quelle: AGES

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