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Erkenntnisse könnten zu neuen Medikamenten führen © APA (dpa)
Erkenntnisse könnten zu neuen Medikamenten führen © APA (dpa)

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Wie sich das Wachstum von Krebszellen stoppen ließe

04.10.2017

Krebszellen wachsen und teilen sich rasant. Forscher der Uni Genf haben eine Struktur in Zellen entdeckt, die sich bei gestopptem Zellwachstum bildet. Könnte man diese Struktur mit Wirkstoffen erzwingen, könnte dies das Wachstum von Krebszellen aufhalten.

Einer der Schweizer Hoffnungsträger für einen Nobelpreis ist Michael Hall von der Uni Basel für seine Entdeckung eines molekularen Schalters für das Zellwachstum. Dieses Protein namens "Target Of Rapamycin" (TOR) kommt in zwei zellulären Protein-"Maschinen" (Komplexen aus mehreren Protein-Bauteilen) vor, TORC1 und TORC2. TORC1 ist bei verschiedenen Krankheiten überaktiv, unter anderem bei Krebs.

Bei Nahrungsmangel wird Protein-Maschine inaktiv

Forschende um Robbie Loewith - Mitentdecker von TORC1 und TORC2 - von der Universität Genf haben nun gemeinsam mit Kollegen herausgefunden, dass TORC1 sich in Hefezellen zu länglichen Strukturen zusammenlagert und dadurch inaktiv wird. Und zwar dann, wenn es der Zelle an Nahrung - in erster Linie Zucker - fehlt.

Liegt wieder Nahrung vor, lösen sich diese Strukturen auf und TORC1 arbeitet normal weiter. Davon berichten die Wissenschafter im Fachblatt "Nature".

Die Forscher tauften die neu entdeckte Struktur "TOROID". Die Entdeckung ebnet möglicherweise den Weg für neue Medikamente, die TORC1 in diese Struktur "zwingen" und somit inaktivieren, wie die Uni Genf am Mittwoch mitteilte. Das würde das Wachstum von Krebszellen stoppen. Durch Beobachtung unter dem Mikroskop könnte man Wirkstoffe nach diesem Effekt durchforsten.

Bestehender Wirkstoff mit zu vielen Nebenwirkungen

Zwar existiere bereits ein natürlicher Wirkstoff, der TOR hemmt, nämlich Rapamycin, jedoch habe dieser starke Nebenwirkungen, schrieb die Uni Genf. Daneben wurden auch zahlreiche weitere Wirkstoffe entwickelt, welche auf die TOR-Komplexe abzielen. Weil diese aber je nach Fehlfunktion des TOR-Systems bei verschiedenen Krankheiten nicht immer wirken, sind Alternativen wünschenswert.

Obwohl die Forscher die "TOROIDe" in Hefezellen entdeckten, vermuten sie stark, dass sich Ähnliches bei menschlichen Zellen findet, so die Mitteilung. Denn viele Entdeckungen rund um TOR gelangen zunächst in Hefe und wurden später bei Säugetierzellen bestätigt.

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