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Wiener Forscher entwickelten Psycho-Test für Handrekonstruktion

04.01.2018

Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat einen psychologischen Test für Kandidaten einer möglichen bionischen Rekonstruktion entwickelt. Mit Hilfe der strukturierten Evaluierung soll festgestellt werden, ob die Patienten die psychologischen Voraussetzungen für den Eingriff erfüllen, bei dem die leblose durch eine mechatronische Hand ersetzt wird. Das berichtete die MedUni in einer Presseaussendung.

Im Rahmen von Unfällen kann es zu schwerwiegenden Verletzungen der Nerven kommen, die den Arm und die Hand versorgen. Wenn die Funktion dieser Nerven nicht innerhalb weniger Monate nach dem Unfall wiederhergestellt wird, "stirbt" die Muskulatur der Hand ab, sie wird zum funktions- und gefühllosen Anhängsel. Die bionische Rekonstruktion gibt solchen Patienten wieder Hoffnung. Doch nicht jeder Patient passt in dieses Programm - es müssen gewisse psychologische Voraussetzungen erfüllt werden.

Psychologische Evaluierung

Das Forschungsteam um den Chirurgen Oskar Aszmann von der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien veröffentlichte nun erstmalig das Wiener Konzept einer strukturierten psychologischen Evaluierung. Mit ihr kann festgestellt werden, ob sich ein Patient aus psychologischer Sicht für eine bionische Handrekonstruktion eignet.

Die bionische Rekonstruktion beinhaltet nämlich auch die Amputation der funktionslosen Hand, was einen gravierenden Eingriff in die körperliche Integrität darstellt. Deshalb muss vorher geklärt werden, ob sich der Patient der Tragweite dieser Entscheidung bewusst ist und abschätzen kann, mit welchem Rehabilitationsaufwand die Wiederherstellung der Handfunktion, wenn auch mechatronisch, einhergeht. Aus diesem Grund haben Laura Hruby und Anna Pittermann, beide aus dem Team um Aszmann, ein psychosoziales Assessment entwickelt, das jeder Patient vor der geplanten Amputation durchlaufen muss.

Interview und Fragebögen

Das Assessment besteht aus mehreren Fragebögen und einem zweistündigen Interview mit der klinischen Psychologin Pittermann. Es wird abgefragt, inwieweit der Unfall, der zur Nervenverletzung geführt hat, verarbeitet wurde, welche Erwartungen der Patient an eine Prothese hat und ob diese realistisch sind.

"Immer wieder", sagte Hruby, "sehen wir Patienten, die Cyborg-ähnliche Fantasien mitbringen, was vor allem durch verzerrte Medienberichte bedingt ist. Sie müssen ausreichend darüber aufgeklärt werden, dass eine Handprothese kein Wunderding ist. Das psychosoziale Assessment hilft dabei, einerseits Patienten mit übersteigerten Erwartungen frühzeitig zu erkennen, ungeeignete Personen gegebenenfalls vom Programm auszuschließen und andererseits bei psychologischen Problemen Hilfe anzubieten bzw. gemeinsam Strategien zu entwickeln, diese Defizite zu überwinden."

Neben dem psychosozialen Assessment beinhaltet die Publikation im international renommierten medizinischen Fachjournal PLOS One neue Ergebnisse, wie sich die bionische Rekonstruktion positiv auf das Körperbild und die Lebensqualität der betroffenen Patienten auswirkt.

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